60. Jahresbericht des Bundesrealgymnasiums Steyr 1936/37

wandt ist. Der große Botaniter Kerner von Marilaun hat die Verbreitung der Zirben durch Tannenhaher beobachtet. Diese großen, gerupften Gefieder schonen, munteren Vogel mit ihrem bunten, weiß vergnügen sich gerne damit, die harten Zirbenzapfen aufzubrechen und die Samen in den unglaublichsten Verstecken anzuhaufen. Das rötlichgelbe, herrich und lange Zeit nach Harz ouftende Holz ist außerordentlich fest, zeigt schöne Maserung und ist wegen der Nach¬ einem argen Raubbau frage nach der so beliebten „Zirbenholzeinrichtung ausgesetzt gewesen. Auch Schnitzereien, z. B. die berühmten Kruzifixe und Heiligenstandbilder des Groonertales, wo die Zirbe noch häufig ist, ferner der Geigenbau und in den Karpathen auch die Balsamerzeugung aus Zirbenharz haben die Nachfrage erhöht. — Leider ist der pracht¬ volle Baum, der einer der widerstandsfähigsten gegen tiefe Tempera¬ turen ist, im Wachstum außerst langsam und rummert oft jahrzehnte¬ lang im alpinen Unterholz. Er ist auch schwer anzubauen. Ist er aber einmal zum „kräftigen Mannesalter gediehen, so kann ihm so leicht rein Sturm mehr schaden. Eine abgestorbene, oder vom Wirbelwind ab¬ gedrehte Krone ersetzt er bald durch buschige Nebenkronen und kann 25 bis 30 Meter Höhe erreichen, bei einem Durchmesser von 1.7 Meter und einem Alter von 500 bis 700 Jahren. Willom nennt ihn den „außersten Vorposten der Hochstammer in der sogenannten „Kampf¬ region“ über der Baumgrenze. Hier gedeiht das Krummholz, Knieholz, Legfohre (Pinus montana), die sogenannten Latschen, ein guter Schutz gegen Erdrutsch, Steinschlag und Lawinen. Die Abart mit den krummen, hatenschuppigen Zapfen (Harentiefer = P. montana var. uncinata L.) ist im Lande Salzburg geschützt. Das harte, zahe, schwere, aber außerst langsamwüchsige Holz teilt die zweite unter Schutz stehende Nadelart, die Eibe (Taxus baccata L.) (1. 1) mit der Zirbel, hat aber vor dieser die höhere Regenerationskraft voraus, d. h. sie treibt auch aus dem ge¬ fällten Stamm mehrere neue Stamme, sogenannte Stockausschlage, aber elten dringt die Eibe so hoch in die Kampfregion vor wie die alpine Zirbel. Ein schönes Beispiel waren die etwa 1000jährigen Eiben „In der Roll, am Abfall des Totengebirges gegen den Amsee. Hohes Alter, besonders aber Unterwaschung und die Rauheit des Standortes haben die letzten dieser Riesen vor wenigen Jahren gefällt. Der Volksmund unterscheiber zwischen der „gewohnlichen und der „Roteibe und nennt nur diejenigen Roreiben, welche die herrlichen, feuerroten Scheinbeeren tragen, also die weiblichen Baume, welche als Blute nur Fruchtratchen tragen, während der männliche Baum nur mit winzigen Staubratzchen blüht. Die Eibe ist also, wie etwa die Weide, zweihausig. Die Frucht (bacca = Beere, daher der Artname „baccata") stellt eine große Ausnahme im Reich der Nabelholzer vor; der braunliche ovale Same ragt wie ein kleines Ei aus einem fleischigen Eterbecher, dem leuchtend roten Samenmantel oder Arillus, hervor. Die Verbreitung erfolgt durch veerenfressende Walovogel. In sehr be¬ scheidenem Maße mogen auch Kinder dazu beitragen, denn der Samen¬ mantel schmeckt ein bißchen fuß und enthalt merkwürdigerweise fast gar kein Eibengift, das Taxin, welches sonst der ganze Baum beherbergt, so daß der Genuß der Ewennadeln Haustieren schwere Erkrankungen bringen kann; es ist aber noch kein Fall bekannt, daß Kinder vom Genuß der wirklich verlockenden Beeren erkrankt waren. Den Vogeln machen sie schon gar keine Beschwerden, sind doch z. B. die Drosseln so gifthart, daß sie gern und ohne Schaden Tollkirschen fressen. Das Taxin

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