60. Jahresbericht des Bundesrealgymnasiums Steyr 1936/37

Die Schildfarne (lateinisch: Aspidium; franzosisch: aspidie; englisch: shield-tern) führen in allen diesen vier Sprachen den Namen nach der rundlich=schulartigen Gestalt des Inousiums, des Schutzhautchens der Sporenhauschen auf der Blattunterseite. Alle drei in Oberösterreich vorkommenden Arten zeichnen sich außerdem noch durch elegante Fiederung der Blattspreite aus; der gelappte Schildfarn (A. lobatum SW.) und der Stachelschildfarn (A. aculeatum Sw.) sind sogar doppelt gefiedert. Stets hat das Fiederchen erster Drohung an seinem Grunde einen gegen die Blattspitze gerichteten spitzen Lappen, der auf das nächste Fieberchen übergreift. Auf der Tafel 1 ist ein Blatt von Lanzenschildfarn (Aspi¬ dium lonchitis Sw.), und zwar von der Oberseite her, abgebildet. Das Sporenpulver dieser und verwandter Farne har im Volksglauben eine große Rolle gespielt, meist als Zaubermittel, worauf auch der Name „Wünschelsame“ beuter. Der heute noch gebräuchliche Ausbruck „Farnsamen für die braunliche Sporenmasse der Farne ist natürlich vom botanischen Standpunkt aus unrichtig. Im angrenzenden Niederösterreich sind überhaupt samtliche Wald¬ farne dem Verkaufsverbot unterworfen, auch der gewohnliche Wurm¬ farn (Aspidium filix mas), dessen Wurzelstockfast das verannte Mittel gegen Eingeweidewurmer liefert. Bei der folgenden, vom Landesgesetz bedingt geschützten blutenlosen Pflanze, dem Barlapp (Lycopodium cravatum) (1. 2), ist das Sporenpulver als sogenanntes „Hexenmehl“, „Drubenmehl oder „Blitzpulver zu einer gewissen Berühmtheit gelangt. Es ist gelblich¬ weiß, sehr leicht, nimmt kein Wasser an und verorennt, wenn man es mittels eines Royrchens in eine Flamme blast, sehr rasch mit blen¬ denden Licht. Auf diese Art stellte man früher den Blitz auf dem Theater dar. In der Heilkunde spielte der sogenannte „Barlappsam, in der Apotheke Semen lycopodium genannt, eine nicht geringe Rolle als Streupulver auf Schurfstellen, nassenden Wunden und als „Stuppe für Säuglinge. Auch zum Bestreuen von Arzneipillen wurde es früher viel verwendet, als „Sulfur vegetabile“ pflanzlicher Schwefel angepriesen und auch heute noch, besonders auf dem Lande, vielfach verwendet. Das Naturschutzgesetz verbierer auch nur den Markt¬ verkauf des Pflanzenstammchens, nicht aber den der reinen keulen¬ förmigen Sporenbehalter. Die Gestalt des Barlapps gibt am besten die alte Bezeichnung „Schlangenmoos wieder, denn wie ein riesiges, gewich=grünes Astmoos kriecht der dicht mit Blättchen beschuppe, ounne Stamm auf dem Heide¬ boden dahin. In kurzen Abstanden schlagen kleine Wurzeln ins Erdreich und fuhren der oft über zwei Meter langen Pflanze Nahrung zu. An den Astenden entstehen zwischen Juli und Oktober senkrecht aufgerichtete, etwas keulenförmige Sporenzweige (daher der Artname „clavatum mit breiteren, aber in langere Spitzen endigenden Blattern dicht bedeckt. An der Basis dieser „Sporophylle“ liegen helle, nierenförmige Sporen¬ beutel, welche bei trockenem Wetter plätzen und das „Hexenmehl dem Heidewind zur Verbreitung überliefern. Der Vorreim, der aus diesen Sporen entsteht, ist zuerst ein winziges, weißes Knochen, welches unter¬ irdisch und saprophytisch, also wie ein kleiner Truffelpilz, vegetiert, später aber ein 1 bis 2 Zentimeter großes, wulstig und büchtig ge¬ bautes Gebilde wird, das sich mit ähnlichen Organen vermehrt wie der

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