Von den niederwüchsigen Enzinen verdient noch der gro߬ blumige und der sogenannte stengellose Enzian (G. vul¬ garis Fritsch und G. acaulis L.) besonders hervorgehoben werden, weil sich die riesigen tiefblauen, zehnzipfeligen Blutentrichter einer großen Beliebtheit erfreuen. Die beiden Arten sehen einander sehr ähnlich, besitzen ganz kurze Stengel und schwache, aber dauernde Wurzel¬ tocke, die beim Pflücken leicht ausgehoben werden. Darauf sollte Rück¬ sicht genommen werden, wenn man sich ein paar dieser herrlichen rühlingsboten der Gebirgswiesen mitnimmt. Die Pflanzengeologie har nachgewiesen, daß die tertiare Stammform - ähnlich wie die Aurikel — durch die Eiszeit in die Rangebiete verdrängt worden ist; sie hatte aber ein viel größeres Expansionsvermögen, denn sie hat im Sudwesten ole Pyrenäen uno die Sierra nevada, im Nordosten die Östrarpathen er¬ reicht und dauernd besetzt. Bei der „Rückeroberung der Alpen haben sich aus der alten Urform eine Kalt= und eine Urgesteinsform heraus¬ gebildet. Es wurde weit über den gegebenen Raum hinausgehen, auch nur die äußerlichen Unterschiede der übrigen in unserem Land vor¬ kommenden Enzianarten zu besprechen, daher seien diese nur nament¬ lich angeführt: Kurzblutiger Enzian (G. brachyphylla VIII.), Zwerg¬ enzian (G. pusilla Jacq.), Bayrischer Enzian (C. bavarica L.), Schnee¬ Enzian (G. nivalis L.), Wertsteins=Enzian (G. Wettsteini Murb.), Ge¬ ranster Enzian (C. ciliata L.), Bauchiger Enzian (G. utriculosa L.), Sturms=Enzian (G. Sturmiana Kern.), Norischer Enzian (G. norica Kern.), und endlich der im Herbst so verbreitete Oesterreichische Enzian (G. austriaca Kern.). Die Teufels= oder Judentische Physalis alke¬ kengi L.) (1. 1), hier „Täternblumer genannt, mußte wegen ihrer schonen Frucht unter Schutz gestellt werden. Sie gehört zu der schein¬ bar so biederen Familie der Nachtschaftengewachse (Solanaceae), die uns die Kartoffel und die Tomare geliefert hat, anderseits aber so giftige Pflanzen wie Stechapfel, Tourirsche und Bilsenkraut. Unsere Pflanze gehort aber zu den wenigen nichtgiftigen Nachtschaften. Sie soll im 17. Jahrhundert aus Sudamerika, der Heimat der meisten ihrer Familienmitglieder, eingeschleppt und ourch Zigeuner in ganz Europa verbreitet worden sein. Darauf ist wohl der Name Judentische zurück¬ zuführen, denn der Volksmund unterscheidet nicht genauer zwischen den orientalischen Voltern. — Aus der Blüte, die an eine kleine Kartoffel¬ blute erinnert, geht im Sommer eine Beere von Vogelrirschengroße hervor, welche aber ganz von dem ungeheuer aufgeblasenen, zuerst grünen, glockigen Kelch umhüllt wird. Von den zehn Hauptadern aus beginnt dann die Verfärbung, zuerst gegrün, dann orange und zuletzt feuerror. In diesem Zustand kann Kelch und Beere auch vom Wind gelöst, geront und verschleppt werden; am Strauch aber halten sich die „Judentischen oft bis zur nächsten Vegetationsperiode. In blutenloser Zeit ist die herrliche Frucht natürlich ein beliebtes Schmuckovsett. Unter dem Namen „roter oder gelber Speit“ ist in den Alven¬ landern ein zartes Krautlein aus der Familie der Baldriangewachse (Valerianaceae) zu Ehren gekommen, dessen stark auftenden Wurzelstock die alten Römer derart schätzten, daß sie eigene Speitscher nach Nori¬ cum schickten, um ihn für ihre Bader zu gewinnen. Auch heute gut ote Pflanze viel, wie es im Namen Valeriana celtica L. liegt (valere gelten, doch ist sie nicht leicht zu finden, denn sie wird nur fingerhoch, hat wenige, spitzwegerichartige Stengelblätter und kleine, wirdelförmig
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