Schlusselblumen dem Verkauf entzogen, in Oberösterreich darf nur die gemeinste, die „Hohe Schlusselblume (Primula elatior L.) (1. 2) au Markten angeboren werden. Man erkennt sie leicht an dem 10 bis 30 cm hohen Stengel und der hellgelben Blumentrone. Die stengellose Primel (P. acaulis L.) schließt sich durch den Mangel eines hand¬ lichen Blutenschaftes ohnedies vom Verkauf aus. Sie ersetzt die hohe Schlusselblume gegen Suben zu, etwa ab Großraming. Der gebrauch¬ lichen Primel (P. officinalis L.), die man wegen ihrer Ver¬ wendung in der Medizin auch Apothekerprimel nennen konnte, wird oft arg nachgestellt. Sie ist leicht kenntlich an dem satten Dottergelb der mehr glockig gestellten Blumentronzipfel und dem zarten Duft. Der Reich ist auffallend heugrün, ähnlich wie bei den beiden edelsten unserer Primein, dem Petergstamm (F. auricula L.) der fort¬ gelben Felsaurikel (1. 1) und der rotviolett blühenden Clusius primel (P. clusiana L.). Diese beiden streng geschützten Arten sind auch leicht kenntlich an dem Niederwuchs, dem auffallend großen Blumenkronenrad mit weißer Trichtermundung und an den fleischigen, glatten Blättern, während die hohe, die stengellose und die gebräuchliche Primel tiefrunzelige Blätter besitzen. Im oberöster¬ reichischen Hochgebirge findet sich auch noch die Zwergprimel (P. minima L.) mit roten bis rosigen Bluten und grodzähnigen Blättern. Der Name Clustusprimel entstand zu Ehren des alten Leydener Botanikers Charles de l'Ecluse (gest. 1009). Die mundartliche Benennung Petergstamm ist in Ober= und Niederösterreich üblich, im Westen Oesterreichs hort man mehr den Namen „Plateneg“. Der Artnamen „auriculae ist ins Deutsche als „Aurikel übernommen worden und kommt von auris = Oehrchen nach der runden Blattform. Auch im Franzosischen (Oreille dours) und im Englischen (bears ear) wird auf das Uhr, und zwar des Baren, an¬ gespielt. Daß sich auch der Westeuropäer mit diesen Alpenprimeln befaßt hat, geht nicht auf die geologische Vergangenheit der Felsaurire zuruck, denn als deren tertiare Urform von der Eiszeit in die Rand¬ gebiete der Alpen abgedrängt wurde, ram sie kaum über Mitteleuropa hinaus. Die Berühmtheit der Felsauritel beruht vielmehr auf ihrer besonderen Fähigkeit zu bastardieren, das heißt mit vielen anderen oft ausländischen — Arten die merkwürdigsten Kreuzungen einzugehen. Seit mehreren Jahrhunderten haben sich schweizerische, hollandische und englische Gartner mit der Aufzucht neuer Aurikelarten beschäftigt und mannigfaltige, fruchtbare und stabile Neuformen unserer Garten hervor¬ gebracht. Zu den Primelgewachsen zählt auch das hier wenig bekannte Heiglöckchen (Cortusa Matthioli L.) auch Matthio¬ lusprimel (1. 1) genannt. Die beiden lateinischen Namen gehen auf zwei alte Gelehrte zuruck, der deutsche „Heilglockchen erinnert an seine Anwendung in der alten Arzneikunde. Mit den Primen har das großtenteils alpine Pflänzchen den blattlosen Stengel (Schaft) und die Blattrosette gemeinsam, doch sind die Blätter nicht wie bei den Schlussel¬ blumen am Blattstiel herauslaufen, sondern deutlich und lang gestielt, bewimpert, hanolappig und ungleich gezähnt. Die Blutenvolve tragt zahlreiche nickende, rosige bis rowiolette Blumenkronen. Die den Primeln nahe verwandten Zyklamen oder Alpenveilchen (Cyclamen europeum L.) (auch Erscheibe oder Saubrot genannt, wegen der nur Schweinen bekömmlichen giftigen Wurzelnolle) gehört zwar nicht zur oberösterreichischen Naturschutzflora, veroient aber Erwähnung,
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