60. Jahresbericht des Bundesrealgymnasiums Steyr 1936/37

24 Kirche von Haidershofen, der Burgeppich von Alpernstein und der Efeu der Kirche von Ried i. Tr. angeführt, der so hoch ist, daß jährlich das Zifferblatt der Turmuhr freigeschnitten werden muß. Unter den nun noch kurz zu besprechenden Rohrenbluttern stehen entwicklungsgeschichtlich die Alpenrosen (= Rhododendroiden, griechisch: die Rosenbaumartigen) am tiefsten. Das Naturschutzgesetz verbietet ihren Verkauf, gestattet aber einzelnen, berücksichtigungswürdigen, armen Familien fallweise den Verkauf an Fremde. Nur Salzburg mit einen riesigen, im Sommer rorflammenden Alpenrosendickichten („Am¬ rausch, gibt sie ganz frei. Eräisi, der Monograph der Alpenrosen, nimmt suoasiatischen Ursprung an, Breifel setzt eine im Tertiar alpin entstandene Urform voraus, die zur Zeit der großen Ver¬ gletscherung nach Vorberasien abgedrängt wurde, dann in den Zwischen¬ eiszeiten wieder vorgestoßen und, mit der schwindenden Eisbedeckung, die Alpen endgültig zurückerobert hat. Die Stammform durfte der von den Pyrenen über die Alpen bis in den Apennin verbreiteten rost¬ blättrigen Alpenrose (Knododenaron ferrugineum L. 1. 2, von ferrugo Rost) nahestehen, sie liebt den Urgesteinsboden der Zentralalpen, setzt sich aber auch im Kalt bei geringer Konkurrenz durch. Mit der für die Felsregion der Kalkalpen kennzeichnenden Art der haarigen Alpenrose (Knododendron hirsutum L.), 1.2) mit den etwas blasser roten, aber offenden Bluten und den einfach grünen, am Rande bewimperten Blättern, bildet sie manchmal die zu zirka 30 Prozent fruchtbare Zwischenform K. intermedium Tausch, die „mittlere Alpenrose“. Bei der Zwergalpenrose (1. 2), die kaum 4 der anderen bis meterhohen Alpenrosen erreicht, und deren hell¬ purpurne strahlige Blutenrohre weit offen ist, hat man den Gattungs¬ namen Rhodothamnus= Rosenbuschchen und den Artnamen Chamaecistus, nach der Aehnlichkeit der kleinen, feingesagten Blättchen, mit denen der Zist= oder Sonnenroschen gewählt. Die Namen ür die Alpenrose sind im deutschen Sprachgebiet oft sogar in benach¬ barten Talern verschieden. Unser großer Wiener Botaniter Wettstein zahlte 25 Mundartbezeichnungen. Schon daraus ergibt sich die Not¬ wendigkeit einer international gültigen (lateinischen Momentiatur. In den Alpen steigen die Alpenrosen bis weil über die Baumgrenze, kommen aber (besonders die rostolattrige) auf feuchten, humosen Nord¬ yangen bis auf 400 Meter ins Tal herab. Die winterharten Blätter lassen selbst an milden Wintertagen die Assimilation (Atmungs= und Verdauungstätigkeit der Blätter) an „aperen Stellen zu. Das zähe, un¬ gemein dichte Holz, dessen Jahresringe oft weniger als 10 mm Abstand haben, vertragt den schwersten Schneebruck und wo die winterliche Lawine starke Baume gefällt hat, vor sprossen die Alpenrosen nach einigen Monaten von neuem. Koersch („Leben der Pflanzen) be¬ richtet von fünfzigjährigen Alpenrosenstocken und die ihnen nahever¬ wandten Azaleen des Kaukasus werden weit über hundert Jahre alt. Die Familie der Primergewachse ist durch die Gattung der Schlusselblumen (Primula, jedem Kind bekannt, es soll daher hier nur kurz auf die einfachsten Unterschiede der geschützten Arten ein¬ gegangen werden. Bemerkt sei noch, daß weder der deutsche, noch der lateinische Name besonders zutreffen ist. Die Aehnlichkeit der meist etwas einseitigen Dolde mit einem Schlusselbar ist nicht sehr groß und der Name Primula, die erste (im Jahre namlich) wurde viel eher der Schneerose gebühren. Im benachbarten Niederösterreich sind samtliche

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