60. Jahresbericht des Bundesrealgymnasiums Steyr 1936/37

22 bachtal bis über 800 Meter, wo seine schon vom alten Steyrer Botaniker Apotheker Brillinger erwähnten Bestande von Dr. Rohrhofer Wels) genau aufgenommen und in der „Oesterreichischen Botanischen beschrieben worden sind. Im Bad unten erreicht der Buchs¬ Zeitschrift sogar 1100 Meter Seehöhe. Den alten Griechen und Romern war er als primitives und nicht ganz harmloses Heilmittel, als Zierstrauch und als Lieferant einer der hartesten Holzarten wohlbekannt. Das spezifische Gewicht betragt nach der Pfaunolerschen Tabelle 1.33 Gramm, die Zahl der Jahresringe auf 12 Zentimeter betragt über, 100, daher auch der Name vom griechischen pyknos = fest, oicht. Wittstein u. a. führt in seinem „Handwörterbuch der Pflanzenrunde“ den Namen auf pyxis = Büchse zuruck, weil schon im klassischen Altertum fast unbe¬ schrankt haltbare Büchsen aus Buchsholz verfertigt wurden (siehe auch das englische „Box-tree). Der Artname sempervirens bedeutet „immer¬ grunnen“. Die wunderbare Gleichmäßigkeit in der feinen Faserung haben dem Buchsholz eine hervorragende Stelle in der Holzschnitt= und Holzstichgraphit verschafft. Der zarte Duft des Laubes, das ausdauernde, warmgetonte Grün und die Fähigkeit, fast jede Art des Zuschnittes zu vertragen, begründeten die Beliebtheit der Buchshecken und „Buchs¬ solitare“ im altherrschaftlichen Part, besonders in dem noch etwas franzosisch beeinflußten. (Franzosisch: bois-ben = das gesegnete Holz.) Die Stechpalme (lex aquifolium L.) (1. 1), unser soge¬ nannter „Schratt“, die „chene verte“ = grüne Eiche oder „houx der Franzosen, der „holly-tree“ der Engländer, har sich ebenfalls die Parts und Anlagen erobert durch sein prachtvoll untergrün glänzendes Laur, aus dem die korallroten Beeren so schon hervorleuchten. Die weißliche Blute ist recht unscheinbar, steht aber mit ihrer stabil vierzähligen Stern¬ blute viel höher als die Buchsblure. Der lateinische Artname geht auf Plinius zuruck und wird in der Gartnersprache viel verwendet. Jeden¬ falls ist er eindeutiger als die vielen deutschen, je nach der Landschaft wechselnden Benennungen. So ist der Name Stecheiche auch für eine Steineiche des Küstenlandes (Quercus ilex L.) verwendet worden; die Aehnlichkeit liegt aber nur in den stachelspitzigen Blattern. Auch mit der Scharlacheiche (Quercus coccifera), deren dunkelrotsaftige Gallen als „Kermesbeeren“ eine Art Karmin liefern, sind Verwechslungen vorge¬ kommen. Der auf den ersten Blick recht verwunderliche Name Stech¬ palme geht auf eine ergreifende Sage zuruck. Die Palmen, die dem Heiland bei seinem Einzug in Jerusalem gestreut wurden, sollen die Stammvater unserer Pflanze sein. Als aber Christus gekreuzigt wurde, bekamen ihre Blätter vor Gram und Grauen die drohenden, navel¬ scharfen Spitzen. Der Artname „aquifolium bedeutet buchstäblich über¬ setzt „wasserblättrig, und durfte wohl aus einer alten Verwechslung mit „acuifolium, d. h. stachelblättrig, entstanden sein. Diese Bewehrung besitzt die Stechpalme aber nicht immer. Wo sie sich über Manneshohe erhebt, tragt der Wipfel nur mehr Blätter mit einem einzigen Stachel am Ende der Mittelrippe, und auch dieser kann schwinden. Die jugendliche Wehrhaftigkeit ist auf die Gefahrung des anschießenden Gewächses durch die Weiberere Ziegen und Schafe) in der südwesteuropäischen Heimat zuruckzuführen. In England, wo der holly-tow = Schranzweig bei keinem Weihnachtsbuschen seylen darf und wo der Baum infolge sorgfältiger Pflege und des milden Seetlimas besonders gut gedeiht, wird er, da er jeden Schnitt vertragt, als vor¬ züglicher Heckenstrauch gezogen, der nicht nur durch die Blattstacheln

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