60. Jahresbericht des Bundesrealgymnasiums Steyr 1936/37

21 das oberösterreichische „Zwielinden“ scheint dies fast zu bestätigen. Viel wahrscheinlicher — vom sprachrundlichen Standpunkt aus —ist aber die gute, alte Ableitung von „Zeidlerbast“ (bei Gottfried Keller „Zeiland also die bastige, zähe Pflanze der Zeidler (= Bienen¬ vater). Zeidelweise hieß ein Waldbezirk mit Bienenzucht; auch das spa¬ mittelhochdeutsche „zewast und das althochdeutsche „zal = Honig deuten in diese Richtung. Ueberdies liebt die Biene blaue bis rotviolette Farbone an den Bluten. Im § 11 sieht das o.=o. Naturschutzgesetz die Sicherung des Be¬ standes an seltenen Holzern vor, einmal die vereits besprochene von Eibe und Zirbel, ferner die vom Buchsbaum (Buxus sempervirens L.), Stechpalme = Schrant (lex acumfolium L.) und blutbarem Efeu (Hedera helix L.). Im n.=ö. Gesetz fehlt der Buchsbaum, im salzburgi¬ schen Landesgesetz ist der Seven=Segen=baum (Juniperus sabina L.), ein kleiner, wacholderartiger Halbbaum, dazugekommen. Viele davon inden wir im sogenannten Weich=Weihe=souschen der Osterzeit wieder, der, aus neunerlei besonderen Zweigen zusammengesetzt, am Palm= onntag in der Kirche geweiht und das ganze Jahr im Herrgottswinkel der Bauernstube neben dem Kruzifix aufbewahrt wird. Die Art der Zweige ist nicht in allen Bezirken ganz gleich. Im allgemeinen soll der Osterstrauß, laut altehrwürdiger Ueberlieferung, Zweige folgender Holzer enthalten: 1. „Palmratzen (= halverblühte Sprosse der Weide, meist Salweide, Salix capra), 2. Gemeiner Wacholder (Juniperus communis L.), 3. Seven= (Segen=Sade=baum (Juniperus sabina L.), 4. Eibe (Taxus baccata L.), 5. Larche (Larix decidua Mill.) — diese wird manch¬ mal durch Buchsbaum ersetzt —, 6. Efeu (Fiedera helix L.), 7. Hasel (Corylus avellane L.), 8. Seidewast (Daphne, und zwar meist mege¬ reum L. = der gemeine), 9. Stechpalme (lex aquifolium L.). Dem Buchs= Buchsbaum (Buxus sempervirens L.) (1. 1), der Stechpalme und dem Efeu sind die mit einer glänzenden Wachsoberhaut geschützten dicken, lebrigen Blätter gemeinsam, wodurch sie imstande sind, den Standort auch im tiefen Winter mit Grun zu schmucken, denn allzu lang halt sich der Schnee nicht auf den glatten Blättern und rutscht ab. Die drei Holzer werden auch auf dem Lande gern, teil aus religiosen, teils auch aus Grunden reinen Wohlgefallens, neben dem Gehöft gezogen und geschützt, wobei sich der Efeu als der winterhärteste erweist; er folgt auch ungefähr der Ostgrenze der Buche und Eibe und ist wahrscheinlich ein asiatischerZuwanderer. Die beiden atlantischen Einwanderer aus der TertiarzeitEuropas, Buchs und Schrat, sind gegen große Temperaturgegensatze sehr empfindlich und gedeihen nur in geschützten Tagen dauerno, z. B. der originelle Buchsbaumhain am Suohang des Windhagerberges overhalb Ternberg oder die schonen Stechpalmenbestande an den rechten, außerordentlich sonnigen Talseiten des Kremstales, die wohlgehütet werden. Die Buxaceen stehen entwicklungsgeschichtlich tief (unweit der Grenze der „Kronenlosen und der „Sternblutle Die unscheinbare, gelblich bis grünlichweiße Blute ist einhäufig, enthalt also entweder nur drei bis vier Staubblatter oder den einfachen Stempel, aus dem eine dreispaltige Kapsel hervorgeht. Kennzeichnend ist der gedrungene Wuchs und die große Zahl sehr kleiner, ovaler, glänzender Blatter, die wie die ganze Pflanze ziemlich viel Gift (Buxin und Paraburin) enthalten, das stark purgierend wirkt. Nur unter sehr günstigen Verhältnissen erhebt sich der Buchs über Mannshohe Vertical steigt er nicht hoch, z. B. im Tratten¬

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