60. Jahresbericht des Bundesrealgymnasiums Steyr 1936/37

20 von Versuchen angestellt und erwiesen, daß der Sonnenau zwar auch ohne Fleisch vegetieren kann, daß er aber um so reicher blüht und Fruchte tragt, je mehr er von seiner „Leibspeise“ bekommt. Dabei ist die Feinheit der Reizeitung so groß, daß Zehntausendstel von Gramm genügen, um bei der „Fütterung ein Herbeitrummen der Drusen¬ haare auszulösen. Ist die Beute aber groß, dann krummen sich sogar andere Blätter als die vom Insert berührten gegen dieses und ver¬ mogen sogar großere Libellen (z. B. Coenonympha) zu bewältigen. Die sehr kleine, weißliche Blute ist fünfstrahlig gebaut und liefert eine braunliche Kapfel. Unser erstes buntoluhendes Holzgewachs im Frühling ist der Seidelbast (Daphne mezereum L.); jeder kennt das meist nur ellenhöhe, violettrosig blühende Strauchtein mit seinem beraubenden Duft, das die weichen, hellgrünen Laubblätter erst nach dem Verblühen ansetzt und im Herbst uns noch einmal erfreut, diesmal durch voraurore, aber sehr giftige Beeren, von denen Linne behauptet hat, „ihrer sechs vermochten einen Wolf zu töten. Dem Pflücken setzt der Seidelbast die Zähigkeit eines seidenartigen Bastes entgegen. Es ist dann recht betrüblich, zu sehen, wie der städtische Blutenmarder verzweifelt herumzudrehen be¬ ginnt und endlich unter Hinterlassung einer häßlichen und der Pflanze oft tödlichen, fäserigen Wunde mit seinem Raub davongeht. Auch da¬ heim wird er, selbst wenn ihm die kleinen, sitzenden Seidelbastoluten unterwegs nicht abgefallen sind, kaum lange daran Freude haben, denn jede Faserwunde wird im Blumenglas bald von zahllosen Faunis¬ batterien besiedelt, die das Weiten ungemein beschleunigen. Zweige sollten daher, sich selbst und der Pflanze zuliebe, stets nur mit einem scharfen Messer abgeschnitten, nie aber abgerissen werden. Das niederösterreichische Landesgesetz hat den Seidewast überhaupt unter bedingten Schutz gestellt. Das o.-y. Naturschutzgesetz gibt den gewohn¬ lichen Seidelbast einstweilen noch frei, steur aber den „Alpenlavender das ist der wohlriechende Seidelbast = Steinroserl (Daphne Cneorum L.) und den Lorbeerblättrigen (Daphne aureola L.) (1. 1) unter strengen Schutz. Beide sino alpin und haben wunderbaren, aber unschädlichen Duft. Der Lorbeer¬ blättrige führt seinen Namen wegen der glatten, lebrigen, leicht ge¬ wellten, wintergrünen Blätter. Sein griechisch=lateinischer Name besagt eigentlich zu viel, denn Daphne heißt Lorbeer und klingt an die Ovidische Sage von der, von Apollo verfolgten Nymphe Daphne an, die sich in einen Lorbeer verwandelte. Die vierspaltige, grungelbe kleine Blute wird durch die oberen vier orangegelben Staubeutel außerordentlich verschont. Die anfangs grünen Beeren werden später schwarz, während die des Steinroserls ziemlich trocken bleiben und sich rotgeld farben. Nach dem Namen Steinroslein kann man schon auf Rot in der Blute schließen, meist ist es ein tiefes, salles Rosa, das den mundartlichen Namen „Alpenvendel Lugen straft, denn der Lavendel blüht bla߬ blau und ist als Lippenblutter mit den Seidewastgewachsen nur ganz entfernt verwandt. Allerdings erinnert der tief eingesenkte Blutenboven des Seidelbastes an einen Rohrenblutter, doch gehört diese Rohre nicht der Blumenkrone, sondern, wie die Entwicklungsgeschichte lehrt, der Blütenachse an. Erträglicher wäre noch der nicht seltene Name Rosmarinseidelbst wegen der kleinen, schmalen, harten, daher wasser¬ sparenden Blätter. Der schriftdeutsche Name Seidelast endlich ist mit Ziu, dem germanischen Gewittergott, in Verbindung gebracht worden und

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