60. Jahresbericht des Bundesrealgymnasiums Steyr 1936/37

19 kleinerungsform Kuh-chenschelle natürlich nichts zu tun. Unser großer Systematiker Hofrat Fritsch hat von der gewohnlichen Kühschelle mit ihren aufrechten, blauvioletten Blutenblättern und den kurzen, gelben Staubgefaßen die schwärzliche Kühschelle oder Österblume (Anemone nigricans Fritsch (1. unterschieben. Diese zeichnet sich aus durch schwarzviolette Blumenblätter, die stets glockig hangen und aus welchen die langen, goldgelben Staubgefäße prachtvoll hervorleuchten. Die zahlreichen Fruchtchen der beiden Kühschellen sind mit einem langen, übrig behaarten Faden, einem vorzüglichen Flugapparat, ausgestattet und erinnern so an die bekannten übergrauen Fruchtstande unserer Waldreben („Lian). Das Walowinoroschen hat nur kleine, geschnabelle, filzige Nußchen, entsprechen dem versteckteren Standort. Die auf uppigen Almwiesen in Oberösterreich gemeine Trollblume (Trollius europaeus L.) mit dem fast meterhohen Stengel und den giftigen, an kleine gelbe Rosen erinnernden Bluten kann bei uns noch des Schutzes entbehren, ist aber in Niederösterreich vom Verkaufe aus¬ geschlossen, ebenso das in Oberösterreich seltene Frühlings=Abonis¬ roschen (Adonis vernalis L.). In den alten Apotheren war „Kos solis oder „rierba Korella" ein sehr beliebtes Heilmittel gegen Warzen und Hühneraugen und als Schleimloser. Heute wird es noch ziemlich häufig gebraucht und die Ursprungspflanze, der Sonnenau (Drosera, von Drosos griechisch= Taus) mit seinen beiden, in Oberösterreich vorkommenden Arten, dem langblättrigen und dem rundblättrigen Sonnenau (Drosera anglica Huds, und D. rotundolia L.) (1. 2) mußte vom Verkauf ausge¬ schlossen werden. Das Auffallendste an der höchstens spannoch werden¬ den Moorpflanze sind die Blattrosetten, deren einzelne, langgestielte, runde oder langovale Blätter auch im andauernden Sonnenschein wie mit Tautropfen übersat erscheinen. Genauere Betrachtung erweist die „Tautropfen als die Kopschen rötlicher Drüsenhalte, welche glänzen¬ den Schleim abscheiden. An diesem bleiben kleinere Insekten rettungs¬ los hängen. Dann dauert es nicht lange und die benachbarten Drusen¬ haare krummen sich gegen das Opfer, bis es vom Schleime erstickt ist. Dann hort die Schleimerzeugung auf und ein regelrechter Verbauungs¬ saft, ganz ähnlich wie das eiweißlosende Pepsin unseres Magens, ver¬ mischt mit etwas Ameisensaure, beginnt den Schleim abzulösen und alles Verdauliche des Insektes zu zersetzen. Nach wenigen Stunden, manchmal erst nach Tagen, je nach der Art des Insektes und der Temperatur, ist vom Kerf nur mehr die leichte Chitinhülle ubriggeblieben, die Drüsen¬ harchen nehmen wieder ihre strahlige Haltung an und der nächste Windhauch verwehr die lose Hülle. Berücksichtigen wir die winzige Wurzel und den meist recht minderen Moorboden, in dem sie steckt, dann wird uns klar, daß das Pflänzchen sich gern nach einer Kost¬ aufbesserung umtut, wie es auch unser kleines Fertraut (Pinguicula vulgaris L. und alpina L.) mit seinen hellgrünen, spectig glänzenden Blattern macht. Dieses ist an Sicherstellen nicht selten, der Sonnenau aber bevorzugt Moor= und Sumpfboden des Alpenrandes und des Mühlviertels, kommt auch in den Donauauen vor und besiedelt ganz dicht eines unserer merkwürdigsten Naturbentmaler, die schwimmende Torfinsel im Almsee. Eine Pflanze, die „Raubmord“ begeht, Tiere „fritt“ und deutliche Bewegungen zeigt, hat natürlich das Interesse der Biologen seit langem auf sich gezogen. Ein Nachfahre Charles Darwins: Sir Francis Darwin der Universität Cambridge, hat damit Tausende

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