60. Jahresbericht des Bundesrealgymnasiums Steyr 1936/37

Christrose, zu schützen. Der außerordentlich derde Wurzelstock der beiden Nieswurzarten enthalt scharfe, widerlich riechende Stoffe, welche, wenn man die Wurzel dorrt, pulvert und aufschnupft, einen unwiderstehlichen Niesreiz ausuben. Nieswurzpulver war und ist daher ein wesentlicher Bestandteil des einst so beliebten Schnupftabars („Schmalzler"). Außer¬ dem wird die grün blühende Nieswurz als sogenanntes Gillenkraut in der dauerlichen Tierheilkunde viel gebraucht. Die vom o.=ö. Gesetz geschützte grüne Nieswurz (Helleborus viridis L.) (1. 1) ist wegen der kleineren, stets grünen, im Welten etwas rötlichen Perigonblätter viel unscheinbarer als die weiße. Sie blüht auch pater (Marz-Mai), hat kleinere, scharf gesagte, handartig geteilte, aber weiche Laubblatter, also nicht lebrig und winterhart wie die der weißen Nieswurz, mit der sie aber die ziemlich arge Giftigkeit teilt, was zu dem helo bora führte, das ist gemeinsamen Gattungsnamen Helleborus= im Griechischen „kooliche Speise. Die Zahl der außeren Perigonblatter ist meist fünf; die fünf bis sieben inneren sind in schmale, gelogrune, etwas zweilippige Türen, sogenannte Nettarien, verwandelt und vergen ganz stattliche Mengen jener duftenden Zuckerlosung, die so oft, selbst in alten Lehrbüchern, als „Hönig bezeichnet wird, obwohl Hönig nur von Hummeln und Bienen in deren Hönigmagen bereitet werden kann, und zwar durch einen Eindeckungsvorgang der eben genannten sußen Losung, des Blutensaftes oder Nertars. Aus den grünlichen drei bis fünf Stem¬ peln, die in der Mitte der zahlreichen Staubgefäße hervorragen, ent¬ tehen braunliche Balgrapseln mit giftigen Samen. In der Umgebung Steyrs ist die grüne Nieswurz m. W. nur kultiviert oder höchstens verwildert anzutreffen. Gar nicht gefunden wurde hier das entzückende Waldwinoroschen (Anemone silvestris L.) (1. 1), eine nahe Verwandte des allbekannten weißen Buschwindroschens, aber doppelt so groß. Der ausdauernde Wurzelstock ist kurz, die fünfteiligen Blätter mehrfach eingeschnitten und — wie die einpelzig, die nickende, fünfblättrige ganze oberirdische Pflanze Blutenhülle ist blaßgeblich weiß, im Alter zart rosig überhaucht. Das Waldwindroschen und die beiden violetten Anemonen (Ane¬ mone pulsatilla und A. nigricans Fritsch), die gemeine und die schwärzliche Kunschelle) (1. 2) oder Österblume sind vor dem Verkauf gesetzlich geschützt. Sie gehoren der Lebensgemeinschaft der trockenen Sonnenhügel an, die von Grabner als „letzte Aus¬ laufer der Steppenvegetation gegen Westen gekennzeichnet worden ind. Der Wurzelstock übertrifft, wie bei so vielen Steppen= und Oed¬ landbewohnern, den overirdischen Teil um das Vielfache und die übrige, eidenweiche Beharung der Stengewalter und Blutenhülle ist ein vor¬ zügliches Schutzmittel gegen zu starke Besonnung und den austrocknen¬ den „sarmatischen Wind, der die blaß= bis unreivioletten, anfangs glockigen, später etwas zuruckgerollten Blutenhulblätter manchmal recht grob schüttelt. Auf dieses Schüttein, Schlagen, Stoßen führt Wirt¬ stein den Artnamen Pulsatilla (von pulsare = stoßen, schlagen) zuruck, ein Name, der wegen des scharfen, aber heittraftigen Giftes dieser Pflanzen, des Anemonins, in die Heilmittelrunde seit langem einge¬ drungen ist. Der Gattungsname Anemone kommt vom griechischen Anemos = Wind, und wenn dieser die noch nickenden Kutschellen be¬ wegt, so ergibt sich tatsächlich eine Aehnlichkeit mit einer geschwungenen Glocke. Mit der Küche aber hat die nicht sehr glücklich gewählte Ver¬

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2