60. Jahresbericht des Bundesrealgymnasiums Steyr 1936/37

großen internationalen Blumenausstellungen Preise von 20.000 S eine einzige Pflanze nicht selten sind. Die Orchibeen, welche ihren Namen von der griechischen Bezeichnung für eine Druse führen, mit denen die Knollen vieler Orchideen Aehnlichkeit haben, sind auf den heimatlichen Talwiesen bis hinauf zu den trockenen Alpenmatten eine sehr häufige Erscheinung und jeder kennt wohl die vielblutigen weißen, grünlichen, rosigen bis dunkelroten Blutenahren von einigen Dezimetern Hohe, die meist aus der Mitte saftiger, bogenabriger Blätter entspringen und oft angenehm duften. Alle diese Orchibeen sind im v.=ö. Landesgesetz vom Marktverkehr ausgeschlossen. Drei Blutenstanotypen, die gedrungene Blutenahre der tugelährigen Orchis (Orchis globosa L.), die mehr ge¬ reckt kegelförmige der breitblättrigen Orchis (O. latifolia L.) und die lockere zylindrische der zweiblättrigen Stenverwurz (Platanthera bifolia sino daher auf Tafel 2 (Mitte oben) frizziert, während auf Tafel 1 die unter strengem Schutz stehenden (Frauenschuh, Kohlroserl und die insekten¬ tragenden drei Ragwurzarten) vertreten sind. Nur auf diese kann in diesem engen Rahmen näher eingegangen werden. Vorher noch einige allgemeine Eigenschaften. Als C. v. Linne 1764 sein weltberühmtes Pflanzensystem heraus¬ gab, zählte er noch 102 Arten, Lindley, der Vater der Orchibeenzucht, beschrieb 1840 gegen 2000 Arten und heute stehen wir vor über 10.000 bekannten Orchibeenarten, die jährlich um Dutzende bis Hunderte durch neue Entdeckungen vermehrt werden. Die Mannigfaltigkeit ist sinnverwirren, besonders in den Tropen, der Heimat der meisten Orchideen, und in manchen Talern des Himalaya überwiegen diese Pflanzen an Arten und Stückzahl alle anderen. Einige der vizarren, baumbewohnenden Orchibeen kann man in dem prachtvollen Paimen¬ haus in Schönbrunn bewundern. Die verhältnismäßig wenigen und schlichten einheimischen Orchibeen entspringen alle einer starre, eiweiß= und pflanzenschleimreichen, aus¬ dauernden Knolle (seltener einem nahrstoffreichen Wurzelstock), welche arttennzeichnende Gestalt besitzt und jährlich mindestens eine Reserve¬ kolle erzeugt; außerdem sorgt die Pflanze durch die ungeheure Zahl ihrer winzigen Samen ausgiebig für ihre Vermehrung. Eine einzige Orchis z. B. erzeugt im Jahre etwa 180.000 Samen, der aus einer langsspaltigen Kapsel hervorgeht. Nur die Korauwurz und der Widder¬ bart besitzen keine eigentlichen Wurzeln, sondern sangen mit wurm¬ artigen unterirdischen Organen an den Faunisstoffen des Waldbodens; ähnlich auch die Nestwurz. Alle drei kann man als Moderorchideen kenn¬ zeichnen, und wie unselbständig sie in der Ernährung geworden sind, zeigt, daß keine der drei grüne Blätter besitzt, ja die Mestwurz ist ganz braun und die Koranwurz bleichgelb. Doch dies sind interessante Aus¬ nahmen. In der Regel sind die fleischigen, bogenabrigen Blätter saftig grün, nicht selten dunkel geflect (z. B. Orchis maculata). Die Bluten sind — vom Frauenschuh abgesehen — ziemlich klein, dafür zahlreich und meist in Aehren (seltener Trauben) vereinigt. Drei außere und drei oft großere und andersfarbige Perigonblätter sitzen auf einem langen, fast stets um 180 Grad gedrehten Fruchtrnoten, der schmal und stel¬ artig aussieht und sich häufig in die Blute hinein als Griffelsäule ver¬ längert. Eines der Innenblätter ist, als sogenannte Honiglippe (Label¬ lum, von oft stattlicher Länge und dient den besuchenden Inserten als bequemer Sitzplatz. Häufig ist zur Aufnahme des Blutensaftes ein „Hönigsporn“ entwickelt und schone oder vizarre Farben und Formen

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