60. Jahresbericht des Bundesrealgymnasiums Steyr 1936/37

auch der Name „Krüll=Lilier. Das Hangen und reichen erinnert an die Bluten der nahverwandten, aus Persien in unsere Garten eingewanderten Kaisertrone (Fritillaria imperialis L.), doch stehen bei dieser die sicht¬ gedrangten roten Blüten in Buschein, während der Turrenbund seine Blumen einzeln pendeln läßt. Kleine Tagschwärmer, wie der putzige Taubenschwanz, konnen leicht ihre weit über leibeslange Zunge tief in die Nettarrinne der Blutenblätter einsenden. Dabei rüttelt der Tauben¬ schwanz wie ein Kolibri vor einer Orchteenolute und bestäubt sich an tiefrostroten Staubbeuteln. Möglich, daß den weit heraushangenden, diese Rostfarbe, die auch oft auf den Blutenblättern das Purpurbraun der Flecken vertritt, an dem Artnamen „martagon beteiligt ist, der frei übersetzt worden ist und den auch die eng¬ mit Kind des Mars lische und die franzosische Sprache übernommen haben. Recht, äußerlich ist auch der alte Alchimistenname „Golowurz in Ansehung der heu¬ gelben Schuppenzwiebel. Diese ist recht langsam im Wachstum, aber ziemlich ausdauernd und bringt im ersten Jahr nur ein paar breite Blattuirte mit bogenabrigen Blättern hervor. Entgegen der Duftlosig¬ keit der Feuerlilie riecht der Türkenbund durchaus nicht gut und wird darum auch oft von großen Ausfliegen besucht. Die dritte, unter ober¬ österreichischem Naturschutz stehende Lille, die Schachblume (Fritillaria), hat auf dem ohnedies außerst beschränkten Raum der Pflanzenschutztafeln nicht Platz gefunden; ihr Name, der auch in Damenbrett= oder Brettspielblume abgewandelt worden ist, sagt auch genug, denn keine einheimische Blüte zeigt ein so ungewohnliches „geb¬ metrisches Muster: auf weißlichem bis rötlichem Grund tragen die sechs Blumenblätter dunkelrote, viereckige, nach der Art der Schachbrettfelder abwechselnde Flecken. Die große breiteilige Marbe, sechs kurze Staub¬ gefäße, langlanzettliche Blätter und eine einfache kleine Zwiebel vervoll¬ tändigen das Bild dieser leider außerordentlich selten gewordenen Pflanze, welche im Steyrer Bezirk vollständig fehlt. Die Blütezeit (Mai-Juli) ist einen Monat früher als die der beiden ersten Lilien. In manchen Gegenden heißt die Pflanze auch „Kievizei, mit welchem sie aber recht wenig Aehnlichkeit besitzt, da ist der lateinische Artname meleagris = Perlyyn noch erträglicher, am besten aber der lateinische fritillus = Schachbreit, Würfelbecher, dem das franzosische „fritillaire“ und das englische „ritillary nachgebilder sind. Nahe ver¬ wandt mit den Liliengewachsen sind die Marzissengewachse. Von diesen hat Niederösterreich die bei uns noch verhältnismäßig häufige Früh¬ lingsknotenblume (Leucoium vernum L.), das „Märzenbechert, vom Verkaufe ausgeschlossen, Salzburg dagegen das bei Steyr fehlende Schneeglöckchen (Galanthus nivalis L.) mit den drei langen, schmalen Außenperigonblattern. Von den Schwertlinien oder Iris hat der o.=o. Natur¬ schutz nur die gemeine oder gelbe Wasserschwertel (Iris pseudocorus L.) unter bedingten Schutz gesteur, also nur vom Verkaufe ausgeschlossen, alle anderen wild wachsenden Arten mit ihren mannigfaltigen blauen, violetten und gewen oder violett ge¬ zeichneten Blumenblättern stehen unter strengem Schutz, der auch das Pflücken von mehr als drei Bluten verbietet. Der deutsche Name Schwertilie oder Schwertel ist sehr anschaulich, denn die langen, bogen= bis parallelabrigen, etwas fleischigen Blätter sind langs der scharfen Mittelrippe zusammengefaltet und stehen schwer¬ artig wie geschwungene Savel vom fleischigen Stengel an, sie „reiten

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