tritt nur bei der Eibe auf, dafür fehlt ihr das Harz, welches allen anderen Nadelbaumen nicht nur ein guter Wunoverschluß, sondern auch ein gutes Abwehrmittel gegen Fraß ist. Die alten Griechen und Romer schnitzten kunstvolle Altare aus Eibenholz, weil es nie von Holzschad¬ lingen zerfressen wird. Die ungeheure Widerstandskraft des Eibenholzes zeigt sich auch an den Pfählaufunden der österreichischen und schweize¬ rischen Alpenseen, in deren Schlamm viele feingeschnitzte Gebrauchs¬ gegenstande der Pfählbauern gefunden wurden, sogar Kamme aus Ebenholz, besonders aber Werkzeugstiele, Pfeile und Bogen. Nach dem Pflanzenetymologen Wittstein durfte auch der Name Taxus aus dem griechischen Taxon (= Bogen) kommen. Andere leiten das Wort vom griechischen Taxis (= Reihe ab, in Ansehung der reihenweise und einzeln stehenden, tiefgrünen Nadeln. Die Verwendung der Eibe für Bogen= und Armbrustschutzen mag wesentlich zur Ab¬ nahme dieses schonen, dem mitteleuropäischen Laub= und Mischwald eigentümlichen Baumes beigetragen haben. Sind doch aus mittelalter¬ lichen Annalen Bestellungen alrenglischer Heerführer an österreichische Holzschnitzer auf viele Tausende von Ewenbogen bekannt geworben. Heute sind wieder die Drechsler hinter der Eide her, so daß zum Bei¬ spiel im Deutschen Reich heute nach R. H. Frances Angaben nur mehr 7000 großere Eiden gezählt werden. Ueber 1000 davon stehen in dem prachtvollen Naturschutzpart der „Tücheler Heide. In den öster¬ reichischen Alpenländern ist die Eide zwar häufiger, aber auch hier droht ihr bereits die Ausrottung. Das o.=o. Naturschutzgesetz hat verfügt: „Folgende Arten von Baumen und Sträuchern oursen, außer im Falle drohender Gefahr für Menschen und Sachwerte, weder gefällt noch sonstwie zerstört oder beschädigt werden: Eibe, Zirbeliefer mit Aus¬ nahme der innerhalb der Waldregion forstmäßig bewirtschafteten Be¬ stande, Buxbaum, Stechpalme oder Schrat, Efeu im blühfähigen Alter. Trotzdem ist es gewinnsüchtigen, verantwortungslosen Leuten gelungen, über Nacht manchen schonen Baum zu fallen und sofort in hunderte jener später polierten, ovalen Plättchen zu zersagen, die für die Be¬ festigung der Geweihe und Gamstrickeln so beliebt sind. Daß der Eiben¬ oder Ivenbaum von jeher die Phantasie des Volkes beschäftigt hat, ist nicht zu verwundern; kein einheimischer Nabelbaum hat ein so tief¬ grünes Nadelwert, sehr so ernst aus, verträgt den dichtesten Schatten wie er, dazu noch Giftigkeit, unerhörte Halbarkeit des Holzes und hohes Alter. — Da stellte sich der phantasievolle Altgrieche vor, daß die Fackeln der Rachegattinnen (Erynien) aus Ewenholz seien und der sonst o geistvolle Arzt Dioscorides fabelt vom „giftigen Schatten“ der Eibe. Inwieweit Julius Caesars Bericht auf Tatsachen beruht, daß die Gallier ihre Pfeile mit Ebensaft vergiftet hatten, ist fraglich. Daß aber ein alter Eibenbaum mit seiner düsteren, buschigen Krone innerhalb einer Generation kaum eine Veränderung erkennen läßt, das imponiert auch den heutigen Menschen. Schönheit, Ernst und hohes Alter lassen die Eide hervorragend als lebendiges Gravdenkmal geeignet erscheinen und sollte als solches viel mehr Verwendung finden. Aller¬ dings müssen Eiben für diesen Zweck eigens vorgezogen werden; denn aus dem Schatten ins freie Land versetzt, vorrt die Eide balo ein. Uralte Eiben auf englischen Friedhofen, wo der „ewe-tree“ oder „ew sehr beliebt ist, zahlen mit ihren 2000 bis 3000 Jahren zu den altesten Lebewesen Europas. Eine der altesten Oesterreichs durfte die weit über mannsdicke, außerordentlich breiteronige Eive im Stiftsgarten
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