60. Jahresbericht des Bundesrealgymnasiums Steyr 1936/37

Jahresbericht des Bundesrealgymnasiums in Steyr. Veröffentlicht am Schlusse des Schuljahres 1936/37. Inhalt: 1. Die Naturschutzflora Oberösterreichs. Von St.=R. Prof. Dr. Heinrich Seidl. 2. Schulnachrichten über das Schuljahr 1936/37. Vom Direktor. Steyr 1937. Herausgeber: Direktion des Bundesrealgymnasiums in Steyr, O.=Oe. Druck: Vereinsdruckerei Steyr.

Jahresbericht Bundesrealgymnasiums in Steyr. Veröffentlicht am Schlusse des Schuljahres 193637. Inhalt: 1. Die Naturschutzflora Oberösterreichs. Von St.=R. Prof. Dr. Heinrich Seidl. 2. Schulnachrichten über das Schuljahr 1936/37. Vom Direktor. Steyr 1937. Herausgeber: Direktion des Bundesrealgymnasiums in Steyr, O.=Oe. Druck: Vereinsdruckerei Steyr.

............................................. ..................... - - - Nachdruck verboten. Die Naturschustola Der¬ österreichs. Unter diesem Titel sollen hier diejenigen Pflanzen besprochen werden, welche vom oberösterreichischen Landesgesetz vom 9. April 1929 unter Schutz genommen worden sind. Anschließend werden auch einige in den angrenzenden Gebieten geschützte Pflanzen berücksichtigt, um so mehr, als unser Heimatbezirt Steyr an Niederösterreich und Steiermark angrenzt und die Naturschutzgesetze der einzelnen Bundesländer vor¬ einander verschieden sind; doch ist in nicht zu ferner Zeit eine Ver¬ einheitlichung zu erhoffen. Der Zweck dieser Schrift ist, einen kleinen handlichen Beitrag zum Kennenlernen und Unterscheiden derjenigen Pflanzen zu liefern, welche durch Unvernunft, Rücksichtslosigkeit und Gewinnsucht in ihrem Bestand schon soweit gefährdet sind, daß ein gesetzlicher Schutz dringlich erscheint. Die sinngemäße Hilfe der breiten Allgemeinheit ist dabei höchst er¬ wünscht, ja notwendig. Darum sind diese Zeiten auch nicht als gelehrte Abhandlung gehalten, sondern wenden sich an Eltern und Kinder mit der Bitte um Mitarbeit an der schwierigen Aufgabe, unserer Heimat den ungewöhnlichen Reichtum an herrlichen Bluten und merkwürdigen Gewächsen zu erhalten. Wenn im folgenden der rein voranische Teil mit sprach= und volkskundlichen, wirtschaftlichen und medizinischen Be¬ merkungen durchsetzt wird, so soll damit die „reine Pflanzentost etwas würziger gestaltet werden. Es sollen hier auch reine erschöpfenden Be¬ schreibungen der genannten Gewächse geliefert werden; diese bieren uns eine Reihe vorzüglicher Florenwerke in raum übertreffbarem Maße, verlangen aber eingehendes Studium. Doch selbst die beste Beschreibung ware nur ein unvollkommener Behelf, wenn sie nicht von unmittelbarer oder doch wenigstens bildhafter Anschauung begleitet ist. Darum wurden die beiden Pflanzentafeln beigefügt, welche der Verfasser einmal seiner Schrift: „Die Naturenmaler Steyrs mitgegeben hat. Das Klische ist von Herrn Druckereidirektor Mosel freundlicherweise für diesen Jahresbericht überlassen worden, wofür auch an dieser Stelle unser herz¬ licher Dank zum Ausdruck gebracht wird. Leider war eine Herstellung der Tafeln in Farbendruck der hohen Kosten halber unmöglich. Auf der ersten Tafel (1. 1) sind (mit Ausnahme der außerst seltenen Schach¬ blume und des allbekannten Efeus) alle im § 9 des Naturschutzgesetzes angeführten Pflanzen in etwa halber natürlicher Große abgebilder, welche „weder ausgegraben, gepflückt, noch in sonstiger Weise beschädigt, *) Mein besonderer Dank für viele Aufklärungen auf dem Gebiete der Etymologie (Wortrunde) gebührt Herrn Kollegen Professor Dr. phil. und Magister der Pharmazie Winfried Feuer.

noch feilgeboten“ werden oursen, also unter strengem Schutz stehen. Für den eigenen Gebrauch oursen höchstens drei Bluten (bezw. Bluten¬ oder Fruchtstande gepflückt werden. Außerdem sind noch die im § 11 angeführten Holzpflanzen, welche nicht gefällt werden dürfen, veruck¬ sichtigt. Auf der zweiten Tafel (1. 2) erscheinen jene Pflanzen, „welche nicht auf Markten feilgeboren werden dürfen, also unter bedingtem Naturschutz stehen. Die Reihenfolge, in der diese Pflanzen besprochen werden, entspricht der Anordnung im natürlichen System nach Engler und Prant¬ in der vorzüglichen „Excursionsflora meines hochverehrten Universitäts¬ lehrers, des berühmten Systematikers weiland Hofrat Dr. Karl Fritsch. — In Bezug auf die Feststellung der Arten Steyrs und der angrenzenden Flysch= und Kaltberge darf ich mich auch auf die jahrzehntelange Arbeit meines verehrten Vorgangers im Lehr¬ amt, Professor Franz Herget, berufen, dessen hingebungsvoller Fleiß die erste vollständige Uebersicht unserer Bergflora geschaffen hat. Wir beginnen mit den „Blutenlosen“ (Kryptogamen), und zwar mit der allgemein bekannten Hirschzunge = Zungensarn (Scolo¬ pendrium vulgare) (1. 1) und den Schuldfarnen (Aspidium) (1.1), deren he¬ rlich grüne Lauwedel die Gartner früher veranlaßt haben, die dunklen, ausdauernden Wurzelstocke auszugraben und zum Verkauf für schattige Gartenstellen feilzubieten. Der bei Steyr nicht eltene gelappte Schilofarn (A. lobatum Sw.) und sein hier seltenerer Vetter, der Lanzenfarn (Aspidium Lonchitis Sw.), auch scharfer Schildfarn genannt, sowie die Hirschzungen haben eine so verde, glatte Wachshaut (curicula) auf der Oberseite der Blätter, daß sie ihnen nicht nur den Glanz, sondern auch die Fähigkeit zu überwintern ver¬ danken. Am leichtesten ist die Hirschzunge an dem langen, am Rande leicht gewellten Blatt zu erkennen, welches tatsächlich mit der Zunge des Hirsches eine Formähnlichkeit hat, sodaß die früher in der Apothere gegen Milzkrankheiten gebräuchlichen Blätter auch im lateinischen Arzneinamen als „Herba linguae cervinae den deutschen Namen wieder¬ geben. Im heutigen wissenschaftlichen Namen „Scolopendrium vulgare Sw.“ bezieht sich der erste, der Gattungsname, auf die Anordnung der rotbraunen, strichförmigen Sporenhäuschen auf der Blattunterseite. Diese stehen, wie auf der gewendeten Blattseite von Tafel 1 links unten ersichtlich, in gleichmäßigen Reihen nach rechts und links von der Mittelrippe ab wie die Beine eines Tausendfußes oder Scolopenders. Im unentwickelten Zustand sind die Sporenhäuschen mit einem „lippen= formigen Indusium“, d. h. einem zarten, häutigen Schutzschleier bedeckt, der dann in der Reife, zwischen Juli und September, der Länge nach ich offnet, so daß die winzigen Sporenkapsein ihren braunen Sporen¬ staub ausstreuen konnen. Wo ein solches Sporenkornchen auf gute Walderde zu liegen kommt, entwickelt sich bald ein wenige Uudora¬ millimeter großes, grünes, herzförmiges Gebilde, der Vorteim (Pro¬ thallium). An dessen Unterseite, der Erde zugekehrt, bilden sich winzige Vermehrungskorperchen, die eine entfernte Aehnlichkeit mit den Staub¬ gefäßen und Stempeln der Blutenpflanzen haben. Der zweite, der Artname in der lateinischen Bezeichnung, besagt, daß die Pflanze „gemein“ ist, bezw. war. Glücklicherweise trifft der Name heute noch wenigstens für einsamere, vewaldete Noroabhange unserer Kaltmittelgebirge zu.

Die Schildfarne (lateinisch: Aspidium; franzosisch: aspidie; englisch: shield-tern) führen in allen diesen vier Sprachen den Namen nach der rundlich=schulartigen Gestalt des Inousiums, des Schutzhautchens der Sporenhauschen auf der Blattunterseite. Alle drei in Oberösterreich vorkommenden Arten zeichnen sich außerdem noch durch elegante Fiederung der Blattspreite aus; der gelappte Schildfarn (A. lobatum SW.) und der Stachelschildfarn (A. aculeatum Sw.) sind sogar doppelt gefiedert. Stets hat das Fiederchen erster Drohung an seinem Grunde einen gegen die Blattspitze gerichteten spitzen Lappen, der auf das nächste Fieberchen übergreift. Auf der Tafel 1 ist ein Blatt von Lanzenschildfarn (Aspi¬ dium lonchitis Sw.), und zwar von der Oberseite her, abgebildet. Das Sporenpulver dieser und verwandter Farne har im Volksglauben eine große Rolle gespielt, meist als Zaubermittel, worauf auch der Name „Wünschelsame“ beuter. Der heute noch gebräuchliche Ausbruck „Farnsamen für die braunliche Sporenmasse der Farne ist natürlich vom botanischen Standpunkt aus unrichtig. Im angrenzenden Niederösterreich sind überhaupt samtliche Wald¬ farne dem Verkaufsverbot unterworfen, auch der gewohnliche Wurm¬ farn (Aspidium filix mas), dessen Wurzelstockfast das verannte Mittel gegen Eingeweidewurmer liefert. Bei der folgenden, vom Landesgesetz bedingt geschützten blutenlosen Pflanze, dem Barlapp (Lycopodium cravatum) (1. 2), ist das Sporenpulver als sogenanntes „Hexenmehl“, „Drubenmehl oder „Blitzpulver zu einer gewissen Berühmtheit gelangt. Es ist gelblich¬ weiß, sehr leicht, nimmt kein Wasser an und verorennt, wenn man es mittels eines Royrchens in eine Flamme blast, sehr rasch mit blen¬ denden Licht. Auf diese Art stellte man früher den Blitz auf dem Theater dar. In der Heilkunde spielte der sogenannte „Barlappsam, in der Apotheke Semen lycopodium genannt, eine nicht geringe Rolle als Streupulver auf Schurfstellen, nassenden Wunden und als „Stuppe für Säuglinge. Auch zum Bestreuen von Arzneipillen wurde es früher viel verwendet, als „Sulfur vegetabile“ pflanzlicher Schwefel angepriesen und auch heute noch, besonders auf dem Lande, vielfach verwendet. Das Naturschutzgesetz verbierer auch nur den Markt¬ verkauf des Pflanzenstammchens, nicht aber den der reinen keulen¬ förmigen Sporenbehalter. Die Gestalt des Barlapps gibt am besten die alte Bezeichnung „Schlangenmoos wieder, denn wie ein riesiges, gewich=grünes Astmoos kriecht der dicht mit Blättchen beschuppe, ounne Stamm auf dem Heide¬ boden dahin. In kurzen Abstanden schlagen kleine Wurzeln ins Erdreich und fuhren der oft über zwei Meter langen Pflanze Nahrung zu. An den Astenden entstehen zwischen Juli und Oktober senkrecht aufgerichtete, etwas keulenförmige Sporenzweige (daher der Artname „clavatum mit breiteren, aber in langere Spitzen endigenden Blattern dicht bedeckt. An der Basis dieser „Sporophylle“ liegen helle, nierenförmige Sporen¬ beutel, welche bei trockenem Wetter plätzen und das „Hexenmehl dem Heidewind zur Verbreitung überliefern. Der Vorreim, der aus diesen Sporen entsteht, ist zuerst ein winziges, weißes Knochen, welches unter¬ irdisch und saprophytisch, also wie ein kleiner Truffelpilz, vegetiert, später aber ein 1 bis 2 Zentimeter großes, wulstig und büchtig ge¬ bautes Gebilde wird, das sich mit ähnlichen Organen vermehrt wie der

Vorteim des Farnes. Es findet also auch hier ein Generationswechsel statt. Der deutsche Name Barlapp, wie der lateinisch=griechische Ariname Lycopodium, d. i. Wolfsfuß, und der franzosische „pied de loup, deuten auf die Aehnlichkeit eines struppigen Tierfußes mit dem groschüppigen Pflanzenstammchen hin, während der englische Name „earth-moss auf das dichte Anschmiegen des Stengels in fast der ganzen Lange an den Erdboden hinweist. Der auch nicht seltene Name „Gürtelkraut und „Johannistraut hängt mit dem alten Volksglauben zusammen, daß in der Zeit der abnehmenden Tage die „bösen Geister den Menschen ge¬ fährlicher werden; dagegen helfe aber ein Gürtel aus Barlapp und das Hineinwerfen von einem Kranz aus „Johanniskraun in das Johannisfeier (24. Juni). Aus dem Bereich der niederen Blutenpflanzen oder Nachtsamigen (Gymnospermen) hat sich der ober= und niederösterreichische Naturschutz zweier Madelholzer (Connieren) angenommen, deren vorzügliches, hartes Holz sie der Ausrottung nahe gebracht hat. Der eine dieser beiden Nadelbaume, die Zirbeliefer (Pinus Cembra. (T. 1), ist in ursprünglichem Bestand überhaupt nur mehr in der Warschenegruppe zu finden. Sehr verstreut fand er sich, nach Duftschmieds „Flora von Oberösterreich“ (1872), im Stober= und Almseegevier, in den Lamberg¬ schen Forsten des Sengsengebirges und in den Haustatter Bergen. In den Salzburger und Tiroler Alpen und in der angrenzenden Schweiz, den italienischen und franzosischen Alpen ist die Zirbeliefer noch nicht so selten geworden, ebenso in den Karpathen und im ganzen Himalaja¬ gebirge, wo sie zum Teil als nieverwüchsiger, alpiner Buschbaum etwa die Rolle wie bei uns die Legfore (Pinus montana) spielt. Aus der Tat¬ ohle sind nur gehegte, angepflanzte Exemplare verannt, wie z. B. die etwa acht Meter hohe in einem Hausgarten gegenüber dem „Einden¬ wirt“ in Leonstein. Der Name Zirbeliefer ist in der Mundart in „Zirm oder auch „Zütsche verwandelt und hängt hordar mit dem italienischen „Cirmolo“ oder „cemoro und dies wieder mit dem lateinischen „cembra zusammen. Auch das franzosische „Cimbre hat damit Verwandtschaft, während der andere französische Ausdruck „ouve oder „Auvier“ mit dem deutschen „Arve zusammenhangen durfte, ein Ausdruck, den man in der Schweiz und Vorarberg für Zirbel hort. Der lateinische Gattungsname „Finus (vom griechi¬ chen pinos = Harz, bei Theophrastus = Tanne) deutet auf eine der artenreichsten Gattungen der Nabelholzer, mit zahlreichen, sehr kleinen Kurztrieben, an denen zwei bis fünf lange, zuerst in häutige Gebilde eingeschlossene, winterhärte Madein stehen. Unsere gewohnliche Waldföhre (Kiefer = Pinus silvestris) besitzt nur zwei solcher Nabeln am Kurztrieb und sieht daher gegen die Zirbel, die deren fünf an jedem Kurztrieb aufweist, geradezu mager aus. Die Rinde ist ebenso rau und rissig, aber dunkler, die Krone dichter, geschlossener und meist auch länger als bei der Waldfoyre. Ein großer Unterschied ist im Zapfen, der bei beiden Baumen drei Jahre zur Reise braucht, bei der Wald¬ föhre kegelförmig wird und geflügelte Samen zeitigt; der Zirbenzapfen aber hat die Form und Große eines recht turz geratenen Enteneis, ist braunviolett überlaufen und enthalt jene harten, flügellosen Samen, welche bei den Tiroler Almbuben so geschätzt sind wie in Italien die Pignole vom Pinienbaum, mit dem die Zirbel ja auch nahe ver¬

wandt ist. Der große Botaniter Kerner von Marilaun hat die Verbreitung der Zirben durch Tannenhaher beobachtet. Diese großen, gerupften Gefieder schonen, munteren Vogel mit ihrem bunten, weiß vergnügen sich gerne damit, die harten Zirbenzapfen aufzubrechen und die Samen in den unglaublichsten Verstecken anzuhaufen. Das rötlichgelbe, herrich und lange Zeit nach Harz ouftende Holz ist außerordentlich fest, zeigt schöne Maserung und ist wegen der Nach¬ einem argen Raubbau frage nach der so beliebten „Zirbenholzeinrichtung ausgesetzt gewesen. Auch Schnitzereien, z. B. die berühmten Kruzifixe und Heiligenstandbilder des Groonertales, wo die Zirbe noch häufig ist, ferner der Geigenbau und in den Karpathen auch die Balsamerzeugung aus Zirbenharz haben die Nachfrage erhöht. — Leider ist der pracht¬ volle Baum, der einer der widerstandsfähigsten gegen tiefe Tempera¬ turen ist, im Wachstum außerst langsam und rummert oft jahrzehnte¬ lang im alpinen Unterholz. Er ist auch schwer anzubauen. Ist er aber einmal zum „kräftigen Mannesalter gediehen, so kann ihm so leicht rein Sturm mehr schaden. Eine abgestorbene, oder vom Wirbelwind ab¬ gedrehte Krone ersetzt er bald durch buschige Nebenkronen und kann 25 bis 30 Meter Höhe erreichen, bei einem Durchmesser von 1.7 Meter und einem Alter von 500 bis 700 Jahren. Willom nennt ihn den „außersten Vorposten der Hochstammer in der sogenannten „Kampf¬ region“ über der Baumgrenze. Hier gedeiht das Krummholz, Knieholz, Legfohre (Pinus montana), die sogenannten Latschen, ein guter Schutz gegen Erdrutsch, Steinschlag und Lawinen. Die Abart mit den krummen, hatenschuppigen Zapfen (Harentiefer = P. montana var. uncinata L.) ist im Lande Salzburg geschützt. Das harte, zahe, schwere, aber außerst langsamwüchsige Holz teilt die zweite unter Schutz stehende Nadelart, die Eibe (Taxus baccata L.) (1. 1) mit der Zirbel, hat aber vor dieser die höhere Regenerationskraft voraus, d. h. sie treibt auch aus dem ge¬ fällten Stamm mehrere neue Stamme, sogenannte Stockausschlage, aber elten dringt die Eibe so hoch in die Kampfregion vor wie die alpine Zirbel. Ein schönes Beispiel waren die etwa 1000jährigen Eiben „In der Roll, am Abfall des Totengebirges gegen den Amsee. Hohes Alter, besonders aber Unterwaschung und die Rauheit des Standortes haben die letzten dieser Riesen vor wenigen Jahren gefällt. Der Volksmund unterscheiber zwischen der „gewohnlichen und der „Roteibe und nennt nur diejenigen Roreiben, welche die herrlichen, feuerroten Scheinbeeren tragen, also die weiblichen Baume, welche als Blute nur Fruchtratchen tragen, während der männliche Baum nur mit winzigen Staubratzchen blüht. Die Eibe ist also, wie etwa die Weide, zweihausig. Die Frucht (bacca = Beere, daher der Artname „baccata") stellt eine große Ausnahme im Reich der Nabelholzer vor; der braunliche ovale Same ragt wie ein kleines Ei aus einem fleischigen Eterbecher, dem leuchtend roten Samenmantel oder Arillus, hervor. Die Verbreitung erfolgt durch veerenfressende Walovogel. In sehr be¬ scheidenem Maße mogen auch Kinder dazu beitragen, denn der Samen¬ mantel schmeckt ein bißchen fuß und enthalt merkwürdigerweise fast gar kein Eibengift, das Taxin, welches sonst der ganze Baum beherbergt, so daß der Genuß der Ewennadeln Haustieren schwere Erkrankungen bringen kann; es ist aber noch kein Fall bekannt, daß Kinder vom Genuß der wirklich verlockenden Beeren erkrankt waren. Den Vogeln machen sie schon gar keine Beschwerden, sind doch z. B. die Drosseln so gifthart, daß sie gern und ohne Schaden Tollkirschen fressen. Das Taxin

tritt nur bei der Eibe auf, dafür fehlt ihr das Harz, welches allen anderen Nadelbaumen nicht nur ein guter Wunoverschluß, sondern auch ein gutes Abwehrmittel gegen Fraß ist. Die alten Griechen und Romer schnitzten kunstvolle Altare aus Eibenholz, weil es nie von Holzschad¬ lingen zerfressen wird. Die ungeheure Widerstandskraft des Eibenholzes zeigt sich auch an den Pfählaufunden der österreichischen und schweize¬ rischen Alpenseen, in deren Schlamm viele feingeschnitzte Gebrauchs¬ gegenstande der Pfählbauern gefunden wurden, sogar Kamme aus Ebenholz, besonders aber Werkzeugstiele, Pfeile und Bogen. Nach dem Pflanzenetymologen Wittstein durfte auch der Name Taxus aus dem griechischen Taxon (= Bogen) kommen. Andere leiten das Wort vom griechischen Taxis (= Reihe ab, in Ansehung der reihenweise und einzeln stehenden, tiefgrünen Nadeln. Die Verwendung der Eibe für Bogen= und Armbrustschutzen mag wesentlich zur Ab¬ nahme dieses schonen, dem mitteleuropäischen Laub= und Mischwald eigentümlichen Baumes beigetragen haben. Sind doch aus mittelalter¬ lichen Annalen Bestellungen alrenglischer Heerführer an österreichische Holzschnitzer auf viele Tausende von Ewenbogen bekannt geworben. Heute sind wieder die Drechsler hinter der Eide her, so daß zum Bei¬ spiel im Deutschen Reich heute nach R. H. Frances Angaben nur mehr 7000 großere Eiden gezählt werden. Ueber 1000 davon stehen in dem prachtvollen Naturschutzpart der „Tücheler Heide. In den öster¬ reichischen Alpenländern ist die Eide zwar häufiger, aber auch hier droht ihr bereits die Ausrottung. Das o.=o. Naturschutzgesetz hat verfügt: „Folgende Arten von Baumen und Sträuchern oursen, außer im Falle drohender Gefahr für Menschen und Sachwerte, weder gefällt noch sonstwie zerstört oder beschädigt werden: Eibe, Zirbeliefer mit Aus¬ nahme der innerhalb der Waldregion forstmäßig bewirtschafteten Be¬ stande, Buxbaum, Stechpalme oder Schrat, Efeu im blühfähigen Alter. Trotzdem ist es gewinnsüchtigen, verantwortungslosen Leuten gelungen, über Nacht manchen schonen Baum zu fallen und sofort in hunderte jener später polierten, ovalen Plättchen zu zersagen, die für die Be¬ festigung der Geweihe und Gamstrickeln so beliebt sind. Daß der Eiben¬ oder Ivenbaum von jeher die Phantasie des Volkes beschäftigt hat, ist nicht zu verwundern; kein einheimischer Nabelbaum hat ein so tief¬ grünes Nadelwert, sehr so ernst aus, verträgt den dichtesten Schatten wie er, dazu noch Giftigkeit, unerhörte Halbarkeit des Holzes und hohes Alter. — Da stellte sich der phantasievolle Altgrieche vor, daß die Fackeln der Rachegattinnen (Erynien) aus Ewenholz seien und der sonst o geistvolle Arzt Dioscorides fabelt vom „giftigen Schatten“ der Eibe. Inwieweit Julius Caesars Bericht auf Tatsachen beruht, daß die Gallier ihre Pfeile mit Ebensaft vergiftet hatten, ist fraglich. Daß aber ein alter Eibenbaum mit seiner düsteren, buschigen Krone innerhalb einer Generation kaum eine Veränderung erkennen läßt, das imponiert auch den heutigen Menschen. Schönheit, Ernst und hohes Alter lassen die Eide hervorragend als lebendiges Gravdenkmal geeignet erscheinen und sollte als solches viel mehr Verwendung finden. Aller¬ dings müssen Eiben für diesen Zweck eigens vorgezogen werden; denn aus dem Schatten ins freie Land versetzt, vorrt die Eide balo ein. Uralte Eiben auf englischen Friedhofen, wo der „ewe-tree“ oder „ew sehr beliebt ist, zahlen mit ihren 2000 bis 3000 Jahren zu den altesten Lebewesen Europas. Eine der altesten Oesterreichs durfte die weit über mannsdicke, außerordentlich breiteronige Eive im Stiftsgarten

von Wilhering sein, doch ist das Alter, da Zwillings= und Drillings¬ baume im Alter oft untosbar und fast unkenntlich miteinander ver¬ wachsen, sehr schwer festzustellen. Auch kann bei tummerlichem Boden der einem Durchmesser von etwa einem Drittelmeter eine Eine mehr¬ Die hundertjährig sein, auf uppigem Grund aber kaum halb soviel. altesten Eiben unserer Vaterstadt sind wohl die in der norolichen Ecke des „Alten Friedhofes und die zwei hinter dem ehemaligen Lamberg¬ chen Forsthaus im Schloßpart, in dem sich übrigens noch die sehr un¬ gewöhnliche Erscheinung eines selbst angesamten Eibenhaines innerhalb einer Stadt befindet. — Die Sitte, in Paris Eiben zu pflanzen, ist sehr alt und ist, als Le Notre für Ludwig XIV. den Riesenpart von Ver¬ ailles anlegte, dort in größtem Maßstab durchgeführt und oft nachgeahmt worden. Dem damaligen gerunstelten Geschmack entsprechen, beschnitt man die Eiben franzosisch = 11) nach strengen geometrischen Gestalten oder schnitt sogar Dier= und Menschenfiguren daraus, bis der sogenannte p. „endlische Part dem Geschmack wieder eine gesundere Richtung gab und den Part der mannigfaltigen Anlandschaft möglichst ähnlich ge¬ taltete. In unseren Auen, die sich halbwegs im natürlichen Zustand er¬ halten haben, treffen wir die meisten, vom o.=0. Naturschutzgesetz er¬ faßten, hoheren Blutenpflanzen aus dem Reich der sogenannten Spitz¬ keimer (Monocotyledones): die Lilienblutigen und die Orchiveen. Von den Lilien im engeren Sinne hat das Landesgesetz zwei besonders prach¬ tige, noch vor 50 Jahren häufige Arten, die Feuerlinie und den Turren¬ bund, unter strengen Naturschutz gestellt. Die Feuerlilie (Lilium bulbiferum L.), in alten Werken auch Donnernelte genannt, ist mir der noch veranneren weißen oder Unschulds¬ lilie (Lilium candidum L.) nachstverwandt. Der deutsche Name, aber auch der franzosische (lis) und englische (y), geht auf das griechische „leirion“ zuruck. Der Artame bulbuerum bezieht sich auf die „Bul¬ billen = Brutnospen, auch Brutzwierein genannt, welche diese Art am Grunde der spitzlanzettlichen Stengelblätter tragt. Anfänglich grün, pater schwärzlich, fallen sie nach der Blütezeit ab und konnen sich auf gutem Grunde, ähnlich wie eine Tulpenzwiebel, zu einer vollkommenen Feuerlilie entwickeln. Die hochgelbe, unterirdische Schuppenzwiebel ist lange ausdauerno, und die geschlechtliche Vermehrung liefert eine Menge Samen aus dem länglich ovalen, overstandigen Fruchtrnoten. Trotz dieser mehrfachen Vermehrungsmöglichkeiten ist diese ursprünglich nicht seltene Blute in der Umgebung Steyrs nicht mehr wild anzutreffen. Freilich, die Farbe der aufrechten, sechsteiligen und sehr großen Bluten¬ trone ist verlockend schon ein intensives Gelb=rot ist mit vielen kleinen und purpurbraunen Langsstrichein versehen und führt die Tagfalter auf diese ist die Blütenpracht gemünzt — zu den bevarteten wertar¬ furchen. Dabei streift das pelzige Insertenkorperchen wenigstens einen der großen tiefgelb=roten Staubbeutel, berührt beim nächsten Bluten¬ besuck die rotbraune Narbe auf dem großen, reutenförmigen Griffel und die Bestäubung ist vollzogen. Etwas bescheidener, ooch nicht weniger schon, leuchtet das purpurgefleckte Fleischrosa der Bluten des Turken¬ bundes (Lilium martagon L.) aus dem Tiefgrun des Augebüsches oder dem Schatten subalpiner Waldrander. Der deutsche und der eine der englischen Namen (turcs cap) spielt auf die turvan¬ ähnliche Gestalt der reifen, hangenden Blute an, deren Blutenblatter gleichmäßig zurückgetrummt oder gerout, „gerrunt sind, daher wohl

auch der Name „Krüll=Lilier. Das Hangen und reichen erinnert an die Bluten der nahverwandten, aus Persien in unsere Garten eingewanderten Kaisertrone (Fritillaria imperialis L.), doch stehen bei dieser die sicht¬ gedrangten roten Blüten in Buschein, während der Turrenbund seine Blumen einzeln pendeln läßt. Kleine Tagschwärmer, wie der putzige Taubenschwanz, konnen leicht ihre weit über leibeslange Zunge tief in die Nettarrinne der Blutenblätter einsenden. Dabei rüttelt der Tauben¬ schwanz wie ein Kolibri vor einer Orchteenolute und bestäubt sich an tiefrostroten Staubbeuteln. Möglich, daß den weit heraushangenden, diese Rostfarbe, die auch oft auf den Blutenblättern das Purpurbraun der Flecken vertritt, an dem Artnamen „martagon beteiligt ist, der frei übersetzt worden ist und den auch die eng¬ mit Kind des Mars lische und die franzosische Sprache übernommen haben. Recht, äußerlich ist auch der alte Alchimistenname „Golowurz in Ansehung der heu¬ gelben Schuppenzwiebel. Diese ist recht langsam im Wachstum, aber ziemlich ausdauernd und bringt im ersten Jahr nur ein paar breite Blattuirte mit bogenabrigen Blättern hervor. Entgegen der Duftlosig¬ keit der Feuerlilie riecht der Türkenbund durchaus nicht gut und wird darum auch oft von großen Ausfliegen besucht. Die dritte, unter ober¬ österreichischem Naturschutz stehende Lille, die Schachblume (Fritillaria), hat auf dem ohnedies außerst beschränkten Raum der Pflanzenschutztafeln nicht Platz gefunden; ihr Name, der auch in Damenbrett= oder Brettspielblume abgewandelt worden ist, sagt auch genug, denn keine einheimische Blüte zeigt ein so ungewohnliches „geb¬ metrisches Muster: auf weißlichem bis rötlichem Grund tragen die sechs Blumenblätter dunkelrote, viereckige, nach der Art der Schachbrettfelder abwechselnde Flecken. Die große breiteilige Marbe, sechs kurze Staub¬ gefäße, langlanzettliche Blätter und eine einfache kleine Zwiebel vervoll¬ tändigen das Bild dieser leider außerordentlich selten gewordenen Pflanze, welche im Steyrer Bezirk vollständig fehlt. Die Blütezeit (Mai-Juli) ist einen Monat früher als die der beiden ersten Lilien. In manchen Gegenden heißt die Pflanze auch „Kievizei, mit welchem sie aber recht wenig Aehnlichkeit besitzt, da ist der lateinische Artname meleagris = Perlyyn noch erträglicher, am besten aber der lateinische fritillus = Schachbreit, Würfelbecher, dem das franzosische „fritillaire“ und das englische „ritillary nachgebilder sind. Nahe ver¬ wandt mit den Liliengewachsen sind die Marzissengewachse. Von diesen hat Niederösterreich die bei uns noch verhältnismäßig häufige Früh¬ lingsknotenblume (Leucoium vernum L.), das „Märzenbechert, vom Verkaufe ausgeschlossen, Salzburg dagegen das bei Steyr fehlende Schneeglöckchen (Galanthus nivalis L.) mit den drei langen, schmalen Außenperigonblattern. Von den Schwertlinien oder Iris hat der o.=o. Natur¬ schutz nur die gemeine oder gelbe Wasserschwertel (Iris pseudocorus L.) unter bedingten Schutz gesteur, also nur vom Verkaufe ausgeschlossen, alle anderen wild wachsenden Arten mit ihren mannigfaltigen blauen, violetten und gewen oder violett ge¬ zeichneten Blumenblättern stehen unter strengem Schutz, der auch das Pflücken von mehr als drei Bluten verbietet. Der deutsche Name Schwertilie oder Schwertel ist sehr anschaulich, denn die langen, bogen= bis parallelabrigen, etwas fleischigen Blätter sind langs der scharfen Mittelrippe zusammengefaltet und stehen schwer¬ artig wie geschwungene Savel vom fleischigen Stengel an, sie „reiten

auf ihm, wie die botanische Vorabel lautet. Immer entspringen einem sehr flach in der Erde wuchernden, knolligen bis wurstformigen, sehr ausdauernden Wurzelstock, der bei manchen Arten, besonders bei soge¬ der florentinischen Iris, die hie und da bei uns verwildert, als nannte „Veilchenwurz zur Duftstoffbereitung verwendet wurde.Auch als „Beißwurzel sind diese Rhizome schon seit dem klassischen Altertum benutzt worden, um den Säuglingen das Zahnen zu erleichtern und ihrem Bedürfnis nach kräftiger Betätigung der kleinen Kieferchen ent¬ gegenzukommen. Der griechische Gattungsname Iris (= Regenbogen) be¬ sehr sich auf die herrlichen Farben der Blüte und auf die Gotterbotin Iris, die auf dem Regenbogen zwischen Dymp und Erde den „inter¬ urbanen Verkehr herstellt. Weniger poetisch ist der Volksausdruck „Fleder¬ maus" — offenbar wegen der weit abstehenden, am Rande oft sonderbar gefaltelten drei außeren Perigonblatter. Die drei inneren Blutenblätter neigen nach oben zusammen, und zwischen ihnen liegen noch drei, am Rande meist feinzerschlissene, blattartige Gebilde, die drei riesigen, korollinisch (blumenblattartig entwickelten Griffel, die weit aus dem stets unter¬ ständigen Fruchtrnoten herausragen. Unterhalb des Griffelendes sitzt ein kleines Lappchen, die Marbe. Die drei Staubgefäße liegen zwischen den Griffellappen und den außeren Perigonblattern und entwickeln sich ein bis zwei um Selbstbestäubung möglichst zu verhindern — Tage vor den Narben. Die Blutengäste und Bestäuber, meist die lang¬ russeligen Hummeln und Schwebefliegen, sind genötigt, ihren Kopf und Vorverkörper zwischen Griffellappen und Blutenblatt hineinzuzwangen, um zu den zum Nertar führenden Griffelsurchen zu gelangen. Bei der deutschen, der bunten und der Zwergiris ist außerdem noch auf dem verschmälerten außeren Blumenblatt ein sogenannter Bart (zum Beispiel bet 1. germanica herrlich schwefelgeld auf blauem Grund). Wundervoll ind die dunkelvioletten Blumenblattabern, welche alle strahlig zum Blüteninnern führen, am schönsten auf der hellgelben Iris variegata und der Iris sibirica, wo die violetten Adern vom blaßblauen Blutenblatt¬ rand bis zum gelb und orange gezeichneten Blutengrund führen. Diese Saftmale“ sind von Schmeil als regelrechte Wegmarkierung für Insekten erklärt worden. Gerade Schmeil, dem der heutige Natur¬ geschichtsunterricht einen großen Teil der Befreiung aus dem Bann der trockenen Systematik verdankt, hat sich besonders eingehend mit der Blutenbiologie der Iris beschäftigt. Die Mehrzahl der Schwertilien gemahnt mit der auffallenden, großen, aber kürzledigen Blüte und dem außerordentlich zahlebigen, nahrstoffreichen Wurzelstock, endlich durch oft ganz fläche, vom Wind leicht verschleppbare Samen an Steppenpflanzen und manche Arten tammen auch aus den östlichen Steppen oder mittelländischen Trocken¬ gebieten. Eine Art aber, die Wasserschwertlinie (Iris pseuda¬ corus L.) (1. 2) hat sich der feuchten Wiese und dem Leich= und Bach¬ rand angepaßt und mancher Schloßreich erfreut sich dauerno dieses ent¬ zuckenden Rahmens. Die Wasseriris oder Gugenwurz wird auch falsch¬ lich Teichlilie genannt. Der Armame pseudacorus heißt soviel wie falscher Kalmus nach der Aehnlichkeit mit einer in der alten Medizin gebräuchlichen Wurzel. Der pralle grüne Stengel erhebt sich bis meterhoch an der Wassergrenze langsam fließender oder stehender Gewässer (manchmal auf feuchten Wiesen, wie in den Donauauen) und es hat sich gezeigt, daß mir der Wärme des Leiches die Fruchtbarkei der Wasserschwertel steigt. Blumenblätter und Marde sind rein hellgelo,

nur auf den großen außeren Perigonblattern fuhren braunliche Sait¬ male ins Innere. Die Frucht ist eine recht große braune, breiteilige Kapfel. Glücklicherweise verfügt die herrliche Uferpflanze über eine zweite (vegatitive) Vermehrung durch einen besonders großen, verzweigten Wurzelstock. Außer der Wasserschwertlilie sind in Oberösterreich noch folgende Irideen gefunden worden (im Bezirte Steyr nur sehr vereinzelt in stillen Gebirgstalern): die niedrige oder Zwergschwertel (Iris pumila L.) mit fast ganz blauvioletter, großer, aber kurzengeliger Blute; ähnlich niederwüchsig ist die Grasschwertel (Iris grami¬ nea L.) mit sehr schmalen Blättern, zweischneidigen, sehr kurzem Stengel und violetten Bluten mit roter und gelber Zeichnung des Außenperigons. Am wenigsten selten durfte die deutsche Schwert¬ lilie (Iris germanica L.) mit ihren hohen blauen, gelb gebarteten Bluten sein. Der bunten Schwertel (Iris variegata L.) mit ihren prachtvollen, violetten Aderzeichnungen auf hellgelbem Grund wurde schon gedacht. Die Holunverschwertel (Iris sambucina L.) mit ihrem Fliederduft hat mehr Graublau im Perigon, mit gelber Zeich¬ nung, die sibirische Schwertel (Iris sibirica L.) unserer Alpen durfte an Adel der Form und Farbe alle einheimische Schwerteln über¬ treffen; ihrer reichen Farbenrombination wurde schon Erwähnung getan. Sie ist auch auf der 1. Tafel abgebilder, auf der 2. Tafel die Wasserschwertel. Pfarrer Seraphinus Sailer führt in seiner vor fast hundert Jahren herausgegebenen „Flora von Oberöstereich“ noch die blaßviolette Iris (Iris spuria L.) an, die aber Fritsch hier nicht mehr angetroffen hat. Aus der Familie der Irisgewachse ist auch die bei Steyr leider nicht wild vorkommende Sumpfsiegwurz, Sumpfschwertel (Cla¬ diolus palustris L.) (1. 2) unter bedingten Schutz gestelt worden, eine bescheidene Verwandte der herrlichen Gartengladiolen, welche uns vor¬ zugsweise das Kapland geliefert hat. Unsere wilde Gladiole wird nur zwei bis drei Dezimeter hoch, aber ihre nur nach einer Seite gerichtete Blutentraube mit den gegen die Spitze immer kleineren, jüngeren Bluten und den wie bei Iris „reitenden Blättern lassen die Verwandtschaft mit den vornehmen Auslandern sofort erkennen. Der wissenschaftliche Name heißt Schwertel des Sumpfes, von gladius = Schwert und plus .Sumpf. Die kleine dunkelgezeichnete Knollenzwiebel ist perennierend und liefert jedes Jahr eine orei= bis siebenblutige Traube. Drei obere fleischrotgeberte Perigonblatter stehen den drei unteren so gegenüber, als ob die Blüte zweilippig wäre. Die drei unteren Bluten¬ blätter zeigen auf rotem Grund einen weißen, dunkel eingefaßten Langsfleck. Sonderbar wirken auch die drei Marben auf dem hellen, die drei Staubgefäße weit überragende Griffel. Die Unterstandigkeit des Fruchtsnotens, die Stabilitat in der Zahl der Blutenorgane und die Vereinigung des Verigons zu einer Blütenrohre beuten darauf hin, daß Iris und Glaviolus als sehr hochentwickelte Spitzheimer zu werten sind. In noch höherem Maße kann dies von den Knabentrautern oder Orchideen gesagt werden, bei denen noch eine ganz außerordentlich spezialisierte Anpassung der Blüten an die Insektenbestäubung dazu= kommt. Diese Spezialisierung hat zu den abenteuerlichsten Beutenformen geführt, die an der Jahrhundertwende unter den Blumenzuchtern die fanatischesten Liebhaber gefunden haben, so daß auch heute noch ver

großen internationalen Blumenausstellungen Preise von 20.000 S eine einzige Pflanze nicht selten sind. Die Orchibeen, welche ihren Namen von der griechischen Bezeichnung für eine Druse führen, mit denen die Knollen vieler Orchideen Aehnlichkeit haben, sind auf den heimatlichen Talwiesen bis hinauf zu den trockenen Alpenmatten eine sehr häufige Erscheinung und jeder kennt wohl die vielblutigen weißen, grünlichen, rosigen bis dunkelroten Blutenahren von einigen Dezimetern Hohe, die meist aus der Mitte saftiger, bogenabriger Blätter entspringen und oft angenehm duften. Alle diese Orchibeen sind im v.=ö. Landesgesetz vom Marktverkehr ausgeschlossen. Drei Blutenstanotypen, die gedrungene Blutenahre der tugelährigen Orchis (Orchis globosa L.), die mehr ge¬ reckt kegelförmige der breitblättrigen Orchis (O. latifolia L.) und die lockere zylindrische der zweiblättrigen Stenverwurz (Platanthera bifolia sino daher auf Tafel 2 (Mitte oben) frizziert, während auf Tafel 1 die unter strengem Schutz stehenden (Frauenschuh, Kohlroserl und die insekten¬ tragenden drei Ragwurzarten) vertreten sind. Nur auf diese kann in diesem engen Rahmen näher eingegangen werden. Vorher noch einige allgemeine Eigenschaften. Als C. v. Linne 1764 sein weltberühmtes Pflanzensystem heraus¬ gab, zählte er noch 102 Arten, Lindley, der Vater der Orchibeenzucht, beschrieb 1840 gegen 2000 Arten und heute stehen wir vor über 10.000 bekannten Orchibeenarten, die jährlich um Dutzende bis Hunderte durch neue Entdeckungen vermehrt werden. Die Mannigfaltigkeit ist sinnverwirren, besonders in den Tropen, der Heimat der meisten Orchideen, und in manchen Talern des Himalaya überwiegen diese Pflanzen an Arten und Stückzahl alle anderen. Einige der vizarren, baumbewohnenden Orchibeen kann man in dem prachtvollen Paimen¬ haus in Schönbrunn bewundern. Die verhältnismäßig wenigen und schlichten einheimischen Orchibeen entspringen alle einer starre, eiweiß= und pflanzenschleimreichen, aus¬ dauernden Knolle (seltener einem nahrstoffreichen Wurzelstock), welche arttennzeichnende Gestalt besitzt und jährlich mindestens eine Reserve¬ kolle erzeugt; außerdem sorgt die Pflanze durch die ungeheure Zahl ihrer winzigen Samen ausgiebig für ihre Vermehrung. Eine einzige Orchis z. B. erzeugt im Jahre etwa 180.000 Samen, der aus einer langsspaltigen Kapsel hervorgeht. Nur die Korauwurz und der Widder¬ bart besitzen keine eigentlichen Wurzeln, sondern sangen mit wurm¬ artigen unterirdischen Organen an den Faunisstoffen des Waldbodens; ähnlich auch die Nestwurz. Alle drei kann man als Moderorchideen kenn¬ zeichnen, und wie unselbständig sie in der Ernährung geworden sind, zeigt, daß keine der drei grüne Blätter besitzt, ja die Mestwurz ist ganz braun und die Koranwurz bleichgelb. Doch dies sind interessante Aus¬ nahmen. In der Regel sind die fleischigen, bogenabrigen Blätter saftig grün, nicht selten dunkel geflect (z. B. Orchis maculata). Die Bluten sind — vom Frauenschuh abgesehen — ziemlich klein, dafür zahlreich und meist in Aehren (seltener Trauben) vereinigt. Drei außere und drei oft großere und andersfarbige Perigonblätter sitzen auf einem langen, fast stets um 180 Grad gedrehten Fruchtrnoten, der schmal und stel¬ artig aussieht und sich häufig in die Blute hinein als Griffelsäule ver¬ längert. Eines der Innenblätter ist, als sogenannte Honiglippe (Label¬ lum, von oft stattlicher Länge und dient den besuchenden Inserten als bequemer Sitzplatz. Häufig ist zur Aufnahme des Blutensaftes ein „Hönigsporn“ entwickelt und schone oder vizarre Farben und Formen

laden die bestäubungswilligen Kerfe zur Tafel. Von den ursprünglichen sechs Staubgefäßen ist nur mehr eines (beim Frauenschuh 2) übrig ge¬ blieben, dieses aber von ungewohnlicher Gestalt, häufig gespalten und, wie bei Orchis, mit Klebemasse versehen, so daß die besuchende Hummer ich die beiden Staubbeutelhaften unwillkürlich an den Kopf heftet. Ueber die verschiedenen Bestäubungsarten der Orchideen sind schon Bande geschrieben worden und die Arten noch lange nicht geschlossen. — Einen von der Regel abweichenden Bau zeigt der prunkvollste Vertreter der streng geschützten Orchideen, der Frauenschuh (Cypripe¬ dium calceolus L.) (1. 1), dessen viertel bis halb Meter hoher Stengel eine bis drei große Bluten mit riesiger, parschenförmiger, gold¬ gelber Honiglippe tragt. Prachtvoll umsäumen die übrigen braun¬ violetten, lang abstehenden Perigonblätter den „Schuh der Venus (wie der frei übersetzte lateinische Name lautet. Die beiden normalen Staubblatter schließen ein steriles (unfruchtbares), rorfleckiges Staubblatt in der Mitte ein. Auch der Besitz eines langen Wurzelstockes zeigt den abweichenden Bau dieser nur noch in entlegenen Tätern häufigen Orchidee. Auch das schwarze und das rote Kohlroschen (Nig. tella nigra L. 1. 1 und N. rubra L.) — in Ober= und Niederösterreich, weichen vom gewöhnlichen Salzburg und Steiermark geschützt — Orchideenbau insofern ab, als ihr Fruchtrnoten nicht gedreht, daher die Honiglippe nach oben gestellt ist. Die oft raum handhohen, intensiv nach Vanille duftenden Alpenorchideen mit ihren gedrungen regel- bis spitz¬ kugelförmigen Blutentrauben sind wohl jedem Bergwanderer bekannt. Der deutsche und der lateinische Name beziehen sich auf die tiefroten Farbone des winzigen und doch so herrlichen Blutenstandes, ebenso der Name „Brunelle“, der aber von der Botanik schon für eine andere, gar nicht verwandte Pflanze, einen tiefbraunvioletten Lippen¬ blutter, vergeben ist. Der Ausbruck Hoswurz weist auf die Form des meist zweizipfeligen Knollens, der mit einem kurzen Kinderhoschen etwas Aehnlichkeit vortauscht. Der salzburgische Name Schweißblümel erinnert an verlorene Bluts (= „Schweiß stropfen. Wie sehr dem ent¬ zuckenden Pflänzchen von Pflanzenmardern zugesetzt wird, zeigt ein Fall, wo im Gesause ein Mann mit einem riesigen Kriegsrucksack ange¬ halten wurde, in dem er sich weit über 1000 ausgegrabene Kohlroschen zum Verkauf mitnehmen wollte. Kaum ein Zehntel davon waren noch lebensfähig. Die origineusten einheimischen Orchibeen sind unzweifelhaft die Ragwürz= (Ophrysarten, deren wunderlich gestaltete Bluten sitzende Kerbtiere nachzuahmen scheinen. In diesem Fall ist der franzö¬ sische Name „teur-allée geflügelte Blume jedenfalls besser als der „lateinische“, der sich vom griechischen „Oprys = Augenbraue wegen der gebogenen Außenperigonblätter ableitet. Jedenfalls hat die Insektenähnlichkeit die Bedeutung eines „Longastes in einem noch¬ wenig besuchten Gasthof. Sitzt einer vort, so bener sich mancher Vorüber¬ gehende, da ware es auch gut sein, und kehrt ein. Bei der feinsten, der fliegentragenden Ragwurz (Oprys myodes) (1. 1 Mitte deutet der griechisch=lateinische Artname auf die schmale braunviolette, vierlappige Honiglippe, die mit den sehr schmalen overen und inneren Perigonblattern etwas Aehnlichkeit mit einer Fliege har. Treffender ist der Volksausdruck „Bergmandl, denn mehr noch als einer Fliege gleicht der dunkle Blutenteil einer winzigen menschlichen Gestalt mit er¬

hobenen Armen, wobei die Griffelsaule mit dem Staubblatt den Kopf Pflänzchen entspringt zwei dunklen darstellen. Das etwa spannhohe rugeligen Knollen und tragt spitzovale Taubblatter mit einer arm¬ blutigen schmalen Aehre. Auf der Höniglippe ist ein klafarbener quadratischer Fleck. Die außeren Perigonblatter sind klein, grün und teichartig entwickelt. Bei der viel größeren spinnentragenden Ragwurz (Oprys aranifera Herds.) (1. 1) sind alle Perigonblätter grünlich, nur die breitovale Honiglippe ist samtig unreviolettoraun und tragt eine bald H-förmige, valo unregelmäßig förmige, grünliche Zeichnung. Der lateinische Artname leitet sich von Arachne = Spinne ab. Bei der hummeltragenden Ragwurz oder dem Kerfstendel (Ophrys arachnites L.) sind die außeren Perigonblätter blaßrosa mit grünlicher Mittelaber, die große dice Honiglippe ist faltig, rottschbraun bis violett mit grün¬ lichen Buckeln und einer balo X, balo 1-förmigen Zeichnung. Bein¬ uhlerartig wirken die schmalen, schief aufwarts gerichteten, oder inneren, rötlichen Perigonblatter. Die Einzelbluten der genannten drei Kerfstendel sind auf Tafel 1 in der obigen Reihenfolge dargestellt. Von den übrigen Orchiveen Oberösterreichs erlaubt der targe Raum nur noch eine einfache Nennung der Arten. Die Bestimmung ist oft äußerst schwierig, weil die Orchween, wie kaum eine andere Pflanzenfamilie, Kreuzungen nicht nur nahverwandter Arten, sondern ogar verschiedener Gattungen bilden und außerdem noch sehr zu Lokal¬ variationen neigen. Gemeines Knabentraut (Orchis moris L.), Stintendes K. (Orchis coriophora L.), Kugelahriges K. (O. globosa L.), Buntes K. (O. tridentata Scop.), Brandblättriges K. (O. ustulata L.), Purpur=K. (O. purpurea Huus.), Heim. (O. militaris L.), Stattliches K. (O. mascula L.), Bleiches K. (O. pallens L.), Tockerblutiges K. (O. laxiora Lam.), Geflecktes K. (O. maculata L.), Breitblättriges K. (latifolia L.), Fleischfärbiges K. (O. incarnata L.), Hundswurz (Anacamptis pyramidalis (E. Rich.). Einnollige Herminie (Hermin¬ ium monorchis L.). Ferner das gemeine, das weißliche und das wohlriechende Friggagras (Gymnadenia conopea L., albida und odoratissima L.), die zweiblättrige und die Bergstendelwurz (Pla¬ tanthera bifolia und montana Kch.), der rote, der bleiche und der chmalblättrige Kopfstendel (Waldvoger“) (Cephalanthera rubra Rehb., alba Rich., longifolia Fritsch.), der gemeine, der klein= und breitblättrige und der braunrote Sumpfstendel (Epipactis palustris Cr., microphylla Sw., latfolia All. und rubiginosa Gaud.), der blattlose Widerbast (Epipogon aphyllus. Sw.), der violette Dingel (Centrosis abortiva Sw.), die Sommer= und die Herbstorehahre (Spirantes aestivalis Rich. und spiralis C. Koch.), das eiblättrige und das rundblättrige Zweiblatt (Listera orata R. Br. und cordata R. Br.), ote Nestwurz (Neottia nidus avis Rich.), der Drehling (goodyera repens R. Br.), Zwiebelstendel (Stürmia loesem Rehb.), der Kleingriffel (Microstylis monophyla Lindl.), die Korauwurz (Coralliorniza innata R. Br.) Mit den Orchideen nehmen wir Abschied von der Klasse der Spitz¬ keimer (Monocotyledones) und wenden uns der viel größeren, den

16 Blattkeimern (Dicotyledones) zu, und zwar zuerst den entwicklungs¬ geschichtlich niedriger stehenden Sternblutigen (Choripetalen, die ihren Namen von den freistehenden und einzeln abfallenden Blumenblättern haben. Besonders prächtig zeigt sich diese Sternform, wenn wir eine der herrlich rosig angehauchten Magnolienbluten unserer Parkanlagen von oben betrachten; sie erinnern an die großten einheimischen Blumen, die Seerosen. Die Magnolien, die teils aus Nordamerika, teils aus Asien stammen, sind mit den Seerosen so nahe verwandt, daß sie mit diesen, dann den Hahnenfußgewachsen und einigen kleineren Familien als Vielfruchtler (Polycarpiae) zusammengefaßt werden. Sie stehen im Pflanzenstammbaum ziemlich lief unter den meisten anderen Stern¬ blüttern. Die geringe Höhe der Entwicklung prägt sich schon aus in der noch nicht ganz stetig gewordenen Zahl der Blutenorgane, so schwankt z. B. bei der weißen Seerose die Zahl der Blutenblätter zwischen 20 und 30, noch mehr aber die der zahlreichen Staubgefäße, und zwischen beiden Gebilden finden wir in derselben Blute meist alle Uebergangsformen vom Staubblatt zum Blumenblatt; erstens normale Staubgefäße mit großen, dicken, gelben Staubeutein und unnen, schlanken, fast weißen Staubfäden, dann Staubblätter mit schwacheren Beuteln und breiteren Staubfäden und endlich schmalere, weiße Blumenblätter, an deren oberem Rand nur mehr zwei schmale, gelbliche Streichen stehen. Der Fall ist geradezu zum „Paradebeispiel für die Umwandlungsfähigkeit der Blutenorgane geworden, die schon Goethes universeller Geist vor¬ ausgeahnt und in seiner „Metamorphose der Pflanzen“ bearbeitet hat, Die Art der Durchführung ist wohl von der heutigen Entwicklungslehre überholt, die Tatsache der Wandlungsfähigkeit der Organe aber besteyt und wird durch viele neue Beispiele bewiesen. Auch sonst sind die Seerosengewachse von entwicklungsgeschichtlicher Bedeutung. Keimform und Stammanatomie zeigen mit den Spitz¬ keimern soviel Aehnlichkeit, daß man die Abstammung von einer gemein¬ samen, auch den Hahnenfußgewachsen nahestehenden Urform annehmen tann. Ihr Entwicklungshohepunkt war in der für unsere Länder warmen, zum Teil subtropischen Tertiarzeit. Da waren tellergroße See¬ rosen eine ebenso kennzeichnende Pflanzengestalt wie die Totosolute, ihre nächste Verwandte, heute noch für die Teiche und Seen des sub¬ tropischen Orients und die Victoria regia mit ihren zwei Meter breiten Schwimmblättern in Südamerika. Das heutige Mitteleuropa beherberge nur mehr die beiden Gattungen Nymphaea und Nuphar, von denen in Oberösterreich nur die beiden unter Markiverbot gestellten Arten, die weiße Seerose, Teichrose, Seelilie oder Nixolume (Nymphe Castalia alba L.) und die gelbe Seerose oder Mummelblume (Nuphar luteum Sm.) (1. 2) in Seen, Teichen und langsam fließenden Gewässern, besonders in Auen leben. Wer den stillen Zauber der Schacherreiche bei Kremsmünster und die verschwiegenen Marchenlandschaften der Donauauen des Eferoinger Beckens kennengelernt hat, wird den wunderbaren Gegensatz der rein¬ weißen Sternbluten und der tiefgrünen Gewässer als einen Höhepunkt heimatlicher Schönheit empfinden. Aber auch die spannlangen, breit¬ ovalen Schwimmblätter mit ihrer glänzenden, durch eine Wachs¬ oberhaut unbenetzbaren Oberfläche Fragen durch ihre Betonung der Waagrechten des Wasserspiegels, die uns zum Sinnbild der Ruhe und der Stille geworden ist, zur Naturstimmung wesentlich bei. Schwimmt man zwischen den Wasserrosen, so kann man beobachten, daß

die Mitte des Blattes, die vom Blattstiel unterstützt wird, ganz wenig hoher gestellt ist, damit jeder auf das Blatt fallende Tropfen abrinnen tann und so die Atemoffnungen freigt, welche sich bei den Nymphaaseen, im Gegensatz zu den meisten anderen Pflanzen, auf der Blattoberseite befinden. Sehr lange wird diese beschauliche Natur¬ betrachtung nicht dauern, denn balo schlingt sich einer der gut bleistift¬ dicken, schleimig glatten Stengel um die Beine; nur sehr vorsichtige, ruhige Bewegungen führen zur Entwirrung und manches junge Menschenleben hat in Seerosenreichen den Wassertoo gefunden. „... Halb zog sie ihn, halb sant er hin, on wars um ihn geschehen“ singt Goethe in seinem unsterblichen „Fischer, dem die lockende Kühle und geheim¬ nisvolle Schönheit stiller Gewässer in Gestalt der holden Wasserfrau erscheint, der Nixe der deutschen Sagenwelt, der Nymphe der griechischen Mythologie. Auf diese Namen geht ja auch der deutsche (Nixblume und der lateinische Gattungsname (Nymphaea) zurück. Der Ausdruck „Seelilie“ kehrt im franzosischen „lis d'eau wieder; ebenso im englischen „water-lily“ oder „water-rose“. Weniger poetisch ist der Armame der gelben Wasserrose (Nuphar lutea = „Butterfaß; der lateinische Gattungsname Nuphar stammt nach dem alten Hildesheimer Botaniker Joh. Teunis vom persischen ne nuphar = nicht eßbar, vielleicht im Gegensatz zu den eßbaren „Pythagorischen Boynen, den Samen der ägyptischen Lorosblume. Der auffallendste Unterschied zwischen der weißen und der gelben Seerose ist natürlich das reine Weiß der Blutenblätter der manchmal doppelt handgroßen Nymphaea alba L. und das satte Hochgelb des viel kleineren Nuphar luteum Sm. Die außeren vier Perigonblatter der weißen Seerose sind reichartig entwickelt außen grün, innen aber weiß), die gelbe Seerose schaurelt auf fünf „Keichblattern, erhebt sich aber nicht selten etwas über die Wasserfläche. Die zahlreichen Fruchtrnospen sind zu einer großen Samenkapsel vereinigt, die bei der weißen Art einer Mohnkapsel ahnein, bei der gewen mehr einem gerungenen Kruge, daher auch der Name „Kannenblume. Die Bestäubung erfolgt großtenteils durch Schilftafer. Der Wurzelstock ist bei beiden Arten sehr groß, manchmal armoick und auch sehr ausdauerno und war im Mittelalter ein beliebtes Heil¬ mittel. Im Winter stellt er das einzige überlebende Organ dar und muß daher viel Starre speichern; die japanischen Arten liefern dort ein Volksnahrungsmittel. Es ist vielfach versucht worden, die Seerosen, welche durch den Marktverkauf an manchen Stellen fast ausgerottet worden sind, wieder anzubauen. Das Einschließen der Samen in Leym¬ tugeln, die dann, ins Wasser geworfen, sich lockern und den Samen im Schlamm einwurzeln lassen, führt nicht zu sicheren Ergebnissen. Besser gelingt die Aufzucht in zehn= bis zwolfgradigem Wasser an frostfreien Orten, mit nachträglicher Ueberpflanzung, oder das Teilen großer Wurzelstocke. Die Züchtungsergebnisse neuer Arten sind seit Malics „Seerosenhybridenzucht heute schon sehr weit gediehen und verschonern manchen Part. Von den Haynenfußgewachsen (Kanunculaceae) schützt unser Landesgesetz die grüne Nieswurz und die Kühschelle, welche beide früher als giftige Heilpflanzen gegen Nerven= und Geisteskrankheiten eine große Rolle spielten. In Niederösterreich war man sogar genötigt, die weißblühende, nach ihrem dunklen Wurzelstock auch schwarze cieswurz (Helleborus niger L.) genannt, unsere gewohnliche Schnee= oder

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