53. Jahresbericht des Bundesrealgymnasiums Steyr 1928/29

53. Jahresbericht Bundesrealgymnasiums (Oberrealschule in Steyr. Veröffentlicht am Schlusse des Schuljahres 1928/29. Inhalt: Schulnachrichten. Vom Direktor. Steyr 1929. Herausgeber: Direktion des Bundesrealgymnasiums (Oberrealschule) in Steyr. Druck: Tagblatt-Druckerei, Steyr.

10 12 5 Schulnachrichten. ch I. Lehrkörper. 2 I A. Veränderungen und Verfügungen. 1. Der Herr Bundesminister für Unterricht hat mit Erlaß vom 6. Juli 1928, Zl. 19.490/II (o.=ö. L. S. R. vom 21. Juli 1928, Zl. 1263/2, dem Professor Dr. Franz Eggermann eine erledigte systemisierte Lehrstelle an der Bundesrealschule in Knittelfeld mit Rechtswirksamkeit vom 1. September 1928 verliehen. Professor Dr. Eggermann hat seit dem Schuljahre 1923/24 an der h. o. Anstalt als Probekandidat, Lehrer in aushilfsweiser Verwendung widerruflicher= und wirklicher Lehrer in aller Pflichttreue ersprießlichst gewirkt und sich als äußerst eifriger und verläßlicher Mitarbeiter an den Aufgaben der Schule bewährt. Die besten Wünsche für die Zukunft beglei¬ ten den tüchtigen Kollegen auf seinen neuen Posten. Anläßlich seines Scheidens wurde ihm auch vom o.=ö. Landesschulrate der Dank für die in Oberösterreich geleisteten Dienste ausgesprochen. 2. Lehramtskandidat Ulrich Schöndorfer erhielt nach Zurück¬ legung des Probejahres an der h.o. Anstalt mit 1. September 1928 eine Stelle als widerruflicher Lehrer an dem Realgymnasium an der Theresia¬ nischen Akademie in Wien. Während seiner nur einjährigen Dienstleistung an der h.o. Anstalt hatte sich der junge Kollege bereits als eine ungemein tüchtige Lehrkraft gezeigt; zu seiner Ernennung auf einen selbständigen Posten sei er herzlichst beglückwünscht! 3. Mit dem Erlasse des Bundesministeriums für Unterricht vom 5. Juli 1928, Zl. 19.093/II/8 (o.=ö. L. S. R. vom 18. Juli 1928, Zl. 1712/2) wurde Professor Dr. Hubert Messenböck auch für das Schuljahr 1928/29 im Hinblicke auf die Ausübung eines Landtagsmanda¬ tes wieder vollständig beurlaubt. 4. Mit dem Erlasse des Bundesministeiums für Unterricht vom 24. August 1928, Zl. 20.804/II/8, bezw. des o.ö. L. S. R. vom 30. August 1928, Zl. 13374 wurden die bisherigen Lehrkräfte in aushilfsweiser Ver¬ wendung: Anna Bartl, Theresia Pichler und Anton Scholler auch für das Schuljahr 1928/29 in gleicher Eigenschaft wiederbestellt. für 5. Weiters wurde über Ermächtigung des Bundesministeriums Unterricht vom 10. September 1928, Zl. 26.137/11/8, bezw. mit Erlaß des o.ö. L. S. R. vom 14. September 1928, Zl. 2359/9 der Lehramtsanwär¬ ter Dr. Winfried Feder zum Lehrer in aushilfsweiser Verwendung für das Schuljahr 1928/29 bestellt. 6. Mit den Erlässen des o.ö. L. S. R. vom 18. Oktober 1928, Zl. 2863/7 und vom 19. Oktober 1928, Zl. 2538/3 wurde der Bürgerschul¬ lehrer Johann Prinz als Hilfs= bezw. Nebenlehrer für Gesang auch für das Schuljahr 1928/29 wieder bestellt.

7. Mit dem Erlasse vom 12. Oktober 1928, Zl. 2524/3 betraute der o.=ö. L. S. R., über Ermächtigung des Bundesministeriums für Unter¬ richt vom 9. Oktober 1928, Zl. 28.094/II/8 den evangelischen Pfarrer Hugo Fleischmann neuerlich mit der Erteilung des evangelischen Religionsunterrichtes. 8. Der Herr Bundesminister für Unterricht ernannte mit Erlaß vom 26. März 1929, Zl. 9202/II/8 (o.=ö. L. S. R. vom 18. April 1929, Zl. 10348) den bisherigen Hilfslehrer Anton Scholler mit Rechtswirk¬ samkeit vom 1. April 1929 zum wirklichen Lehrer, bezw. Professor der Verwendungsgruppe 5 unter Belassung auf dem bisherigen Dienstposten. 9. Die widerrufliche Lehrerin Dr. Gisela Dobrauz wurde zufolge Erlasses des Bundesministeriums für Unterricht vom 27. April 1929, Zl. 11.661/II (o.=ö. L. S. R. vom 14. Mai 1929, Zl. 1136/2) mit Rechtswirk¬ samkeit vom 1. Juli 1929 zur wirklichen Lehrerin, bezw. Professor der Verwendungsgruppe 5 mit Belassung auf dem bisherigen Dienstposten ernannt. B. Stand des Lehrkörpers und Lehrfächerverteilung am Schlusse des Schuljahres 1928/29. a) Direktor: 1. Anton Rimmer lehrte Latein in 6 b, Geographie und Geschichte in 6 a. b) Professoren: 2. Dr. phil. Gisela Dobrauz, Vorsteherin der 1. Klasse, lehrte Deutsch in 1, 20 und 45; Englisch in 3 b und 4 b. 3. Dr. phil. Friedrich Doppler, Vorstand der 3. Klasse, lehrte Latein in 2, 3, 4 und 5. 4. Dr. phil. Max Fankhauser, Verwalter der Programmsamm¬ lung, administrative Hilfskraft des Direktors, lehrte Geographie und Ge¬ schichte in 1, 22, 25 und 45; Geographie in 32; Schriftpflege in 12 und 1 b. 5. Josef Frauendorfer, Vorstand der 4. Klasse, lehrte Mathematik in 1a, 2, 42, 4 b, 5 und 6 b; geometrisches Zeichnen in 42, 4b und Darstellende Geometrie in 6 a. 6. Gregor Goldbacher, Verwalter der Lehrmittelsammlungfür Geometrie, Vorstand der 7. Klasse, lehrte Mathematik in 2 c, 3 a und geometrisches Zeichnen in 32, 3b und Darstellende Geometrie in außerdem Kurzschrift in 32, 3 b, 42 und 4 b. 7. Hildegard Holzer, Vorsteherin der 2. Klasse, lehrte Deutsch in 2b, 3b und 6 b; Französisch in 6 b; Englisch in 7. 8. Dr. phil. Anton Lang, Verwalter der historisch-geographischen Lehrmittelsammlung, der Lehrmittelsammlung für Gesang und der Unter¬ richtsbücherei, Vorstand der 6. Klasse, lehrte Geographie und Geschichte in 2c. 3 b und 6 b, Geschichte in 3 a; obligaten Gesang in 1a, 1 b, 22, 25 und 20; außerdem leitete er Chorgesang und Orchester in drei Abteilungen, sowie den Kirchengesang. 9. Viktor Losert, Verwalter der Lehrmittelsammlung für Frei¬ handzeichnen, lehrte Freihandzeichnen in 1a, 1, 22, 2 b, 2, 3, 4 a, 6 a und 7 und den unobligaten Zeichenunterricht auf der Oberstufe in einem Kurse für die 5. und 6. b Klasse zusammen.

10. Dr. phil. Hubert Messenböck als Landtagsabgeordneter beur¬ laubt. 11. Anton Neumann, Verwalter der Schülerbücherei, Vorstand der 2. Klasse, lehrte Deutsch in 22, 5, 6 a und 7; Französisch in 6 a und 7 und unobligat in der 5. Klasse. 12. Dr. phil. Martin Pawlik, Verwalter der Lehrerbücherei, Vor¬ stand der 5. Klasse, lehrte Latein in 2b; Englisch in 32, 4, 5 und 6 a und unobligat in der 6. Klasse. 13. Hans Pichler, Verwalter der Lehrmittelsammlung für Tur¬ nen, lehrte Turnen in 1a, 22, 2, 3, 4, 5, 6, 7 und leitete in diesen Klassen den Freiluftnachmittag. 14. Rudolf Reinelt, Verwalter der chemischen Lehrmittelsamm¬ lung, Vorstand der 4. Klasse, lehrte Mathematik in 2 a; Chemie in 5 und 62; Naturlehre und Chemie in 42 und 4 b, Handfertigkeit in 1a, 2 a und 2c in 5 Abteilungen und leitete die chemisch=praktischen Schüler¬ übungen in zwei Kursen. 15. Dr. phil. Leo Schmalzer, Vorstand der 1. Klasse, lehrte Deutsch in 12 und 3 a; Geographie und Geschichte in 12, 4, 5 und 7. 16. Anton Scholler lehrte Zeichnen in 3 b und 4 und assistierte im Freihandzeichenunterricht in 1a, 1, 22, 2 b, 2, 3 a und 4 a. 17. Dr. phil. Heinrich Seidl, Verwalter der naturgeschichtlichen Lehrmittelsammlung, lehrte Naturgeschichte in 1a, 1, 22, 25, 2c. 5, 62, 6 b und 7 und leitete die naturgeschichtlichen Schülerübungen in vier Kursen. 18. Emil Stephan, Verwalter der physikalischen Lehrmittelsamm¬ lung, Vorstand der 3. Klasse, lehrte Mathematik in 1, 3b und 62; Naturlehre in 32, 3 b, 62, 6 b und 7. 19. Rudolf Stockenhuber, Weltpriester, Vorstand der 6. Klasse, lehrte katholische Religion in allen Klassen und hielt den Schul¬ gottesdienst und die Exhorte ab. c) Hilfslehrer: 20. Dr. phil. Winfried Feder, Vorstand der 2. Klasse, lehrte Deutsch in 42; Latein in 2c. 3 b und 4 b. 21. Anna Bartl lehrte Nadelarbeiten obligat in 1 und 2b in je zwei Abteilungen und unobligat für die Mädchen von der 3. bis 7. Klasse in einem Kurse. 22. Therese Pichler lehrte Turnen für die Mädchen in den Klassen 1 b, 2, 3, 4, 5, 6, 6 b und 7 in vier Abteilungen und leitete in diesen Abteilungen auch den Freiluftnachmittag. 23. Johann Prinz, Gesangslehrer (wegen Krankheit beurlaubt). d) Akatholischer Religionslehrer: 24. Hugo Fleischmann, evangelischer Pfarrer, erteilte den evan¬ gelischen Religionsunterricht in zwei Abteilungen. e) Schularzt: 25. Dr. Ludwig Lebisch. Schulwart: Karl Hofer.

II. Lehrverfassung. I. Die neuen Lehrpläne. Mit dem Gesetze vom 2. August 1927, B. G. Bl. Nr. 244, waren die äußeren Formen des Mittelschulwesens festgelegt worden, mit dem Durch¬ führungserlasse vom 1. Juni 1928, B. G. Bl. Nr. 138 wurde die innere Einrichtung der österreichischen Mittelschulen durch die Herausgabe voll¬ kommen neuer Lehrpläne vollendet. Es ist im Rahmen dieses kurz zu haltenden Berichtes nicht möglich, ausführlicher über diese neuen Lehrpläne zu berichten. Es möge nur kurz hervorgehoben werden, daß die neuen Lehrpläne zunächst in dem „Allge¬ meinen Teil“ die Grundsätze behandeln, von denen sie sich leiten lassen, indem sie eingehend über die Erziehungsarbeit in sozialer, staatlicher, nationaler, sittlich-religiöser, künstlerisch-technischer Hinsicht, über Kunst und körperliche Erziehung, über die nunmehr in ihnen verankerten Bil¬ dungsideen handeln und schließlich die wichtigsten Grundsätze des Unter¬ richtes und der Arbeit in der Schule im allgemeinen darlegen. Der „Besondere Teil“ enthält die Lehrpläne und die Stundentafeln der nunmehr gesetzlich festgelegten, durch einseitige Bildungsaufgaben durchaus nicht gegenseitig abgegrenzten Mittelschultypen des Gymnasiums, des Realgymnasiums, der Realschule und der Frauenoberschule. Der bei uns in Steyr nunmehr gänzlich eingeführte Typus des Real¬ gymnasiums erfährt eine besonders weite Ausgestaltung, indem er neben dem Latein auch die modernen Sprachen und die mathematisch-natur¬ wissenschaftlichen Fächer der Realschule zu seinen Hauptgegenständen zählt und so den praktischen Bedürfnissen und Forderungen unserer Zeit und damit auch den Wünschen weitester Kreise der Bevölkerung entspricht. Das neue Realgymnasium weist zwei Arten auf, als in ihm entweder das Latei¬ nische oder die lebende Fremdsprache „grundständig ist. Die erste Form A lehrt Latein von der 2. bis zur 8. Klasse; die modernen Fremd¬ sprachen (die eine obligat, die andere unobligat) setzen in der 5. Klasse ein; die realen Fächer sind stärker betont, insbesondere kommen geometrisches Zeichnen und Darstellende Geometrie hiezu. Diese Form A ist an unserer Anstalt eingeführt; ihre Absolvierung berechtigt (von wenigen Spezial¬ richtungen, wie z. B. Theologie abgesehen) zum ungehinderten Zutritt zur Universität, zur Technik und zu allen anderen Hochschulen jeder Art. Die zweite Form B beginnt auf der Unterstufe mit der modernen Fremdsprache, während Latein erst auf der Oberstufe einsetzt. Die dritte Form C zeigt den Unterschied, daß die Darstellende Geometrie entfällt und die dadurch erreichten Stunden zur Vermehrung des Sprachunter¬ richtes verwendet werden. Gerade diese Form läßt auch die Eigenart der Mädchen durch besondere Bildungsziele und Lehraufgaben berücksichtigen. Diesen Typus C des Realgymnasiums und zwar mit Französisch als grundständiger Fremdsprache wird die nächstjährige zweite Parallelklasse für Mädchen aufweisen. II. Lehrplan im Schuljahre 1928/29. 1. Im Berichtsjahre 1928/29 wurde in der 1. und 2. Klasse vollständig nach dem neuen realgymnasialen Lehrplan, Form A, und außerdem noch mit besonderer Bewilligung des Bundesministeriums für Unterricht vom 31. August 1928, Zl. 24.597/II/7 (o.=ö. L. S. R. vom 6. September 1928,

Zl. 2377/11) in der 3. Klasse in Physik und in der 5. Klasse in allen Gegen¬ ständen mit Ausnahme des Englischen unterrichtet. 2. In der 3. Klasse (mit Ausnahme von Physik) und in der 4. Klasse warder alte realgymnasiale Lehrplan vom 8. August 1908, Zl. 34.180 maßgebend. 3. Die 6. a und 7. Klasse waren nach dem alten Realschullehrplan vom 8. April 1909, Zl. 14.741 eingerichtet. 4. Schließlich wurde die mit Zustimmung des Bundesministeriums für Unterricht vom 19. März 1927, Zl. 71467 (o.ö. L. S. R. vom 24. März 1927, Zl. 728/2) bewilligte Klasse mit reformrealgymnasialem Lehrplane (aus dem Jahre 1925) als Parallelklasse zur 6. Realschulklasse geführt. III. Lehrplan im Schuljahre 1929/30. 1. Im kommenden Schuljahre 1929/30 wird in der 1., 2. und 3. Klasse vollständig, in der 4. Klasse in Physik, in der 5. und 6. Klasse in allen Gegenständen, mit Ausnahme im Englischen, nach dem neuen Lehrplane, Form A, und in der 2. Parallelklasse für Mädchen nach Form C mit Französisch als grundständiger Sprache unterrichtet werden. 2. Die 4. Klasse wird (mit Ausnahme von Physik) nach dem alten realgymnasialen Lehrplan3. die 7. Klasse nach dem alten Realschul= und endlich 4. die 7. Klasse nach dem reformrealgymnasialen Lehrplane (aus 1925) wieder eingerichtet werden. III. Verzeichnis der Lehrbücher für das Schuljahr 1929/30 wird wegen zu erwartender Neuausgaben von Lehrbüchern erst vor Beginn des neuen Schuljahres 1929/30 veröffentlicht werden. IV. Vermehrung der Lehrmittelsammlungen. Zuwachs im Schuljahre 1928/29. A. Büchereien. a) Lehrerbücherei: Ankauf: Zeitschriften: Grimm I. u. W., Deutsches Wörter¬ Handbuch der Literaturwissenschaft. Hg. Walzel, Liefe¬ buch, 2 H. Volks¬ rungen. Die Literatur, 30. Ig. — Der neue Pflug, 1928, 3. Jg. Zeitschrift für Deutschkunde, Ig. 1928. erziehung, 10. Ig., 1928. Zeit¬ Zeitschrift für den französischen und englischen Unterricht, 27. Bd. Christliche Kunstblätter, schrift für pädagogische Psychologie, 29. Ig. Schulreform, Wien, 1928, 69. Ig. Der neue Weg, 7. Jg., 1928. Mitteilungen der geographischen Gesellschaft, Bd. 71, 8. Ig., 1928. 1928. — Einzelwerke: Jahrbuch des oberösterreichischen Museal¬ — Hirt Max, Mädchenturnen. — Link Hanna, Der Ein¬ vereines, 1928. fluß des Mannes auf die Mädchenbildung. — Helmer=Kaindlstorfer, Neue Auswahl Beiträge zur Methodik des erdkundlichen Unterrichtes, 1928. aus römischen Dichtern. Hg. von Gaar=Schuster=Meister. Text und Kom¬

mentar, 1924. — Catull=Tibull=Properz, Auswahl von K. Jacoby, 1928, 2 Bde. — C. J. Caesaris Commentarii belli civilis ed. A. Klotz, Vol. II, 1926. 5 Bde. (Stücke). — Ciceros Reden, bg. v. C. Stegemann, 1927, 3 Bde. — Cicero Cato maior de senectute, 1917. Ekkehards Walther¬ lied. Eingeleitet und erläutert von Kl. Bojunga, 1923. Horaz in Aus¬ wahl, bg. von K. Jakoby, 1928, 2 Bde. — Qu. Horatius Flaccus. Sämt¬ liche Werke, Oden und Epoden, erklärt von Nauck, 1926. — Die Oden und Epoden des Horaz, bearbeitet von H. Menge, 1904. Qu. Horatius Flaccus, Die Sermonen. Deutsch v. C. Bardt, 1914. — Titi Livii ab Urbe liber I, 1921, 3 Bde. Ovid in Auswahl, bg. von K. Jacoby, 1929. Tacitus P. Cornelius, Germania, 1927, 2 Bde. Vergils Aeneis in Auswahl, 1928, 4 Bde. — Vergils Gedichte. Bukolika und Georgika, 1915. Remarque Erich, Im Westen nichts Neues, 1929. Ohnet G., Les vieilles rancunes, Paris 1895. — Leitmeier Hand, Die österreichischen Alpen, 1928. — Stieve Friedrich, Deutschland und Europa, 1890—1914. Rosen R., Brutpflege und Elternfürsorge, 1912. — Graetz L., Die Elektrizität und ihre Anwendungen, 1928. Schulze Heinrich, Radio im Physikunterricht, 1925. — Seemiller Adolf, Grundversuche mit Detektor und Röhre, 1925. Dr. Alois Hartl, Oberösterreich. Gang durch Sitten¬ und Kunstgeschichte, 1928. — Dr. Hans Anschober, Maurus Lindemayrs „Lustspiele und Gedichte", 1928. Geschenke: Vom Bundesministerium für Unterricht: Oesterreichische botanische Zeitschrift, 57. Ig.; Hessederflein, Bau und Leben der Tiere Kende O., Geographisches Wörterbuch; Klemperer, Geschichte der franzö¬ sischen Literatur, V., 3; Krebs N., Die Ostalpen und das heutige Oester¬ reich; R. N. Coudenhove-Kalergi, „Paneuropa“. Von Herrn Landes¬ regierungsrat Kaltenegger: P. Terentius Afer, Phormio. — Von Pro¬ fessor Anton Neumann: Ostböhmische Heimat, 2. und 3. Jg., 1927, 1928. Von Prof. Dr. H. Seidl: Zeitlinger I. und Walther Ch., Ueber die Kleinseen im Flußgebiet der Alm und Steyr.— Ebenso: Die Milben¬ fauna der Kleinseen im Flußgebiet der Alm und Steyr. Stand Ende 1928/29: 2952 Werke mit 1172 Bänden. b) Schülerbücherei: Ankauf: Das neue Universum, Nr. 1069/14. Ginzkey, Die Reise nach Komakuku. Die einzige Sünde, Nr. 1559/1, 2. — May K., Der Sohn des Bärenjägers. Der Geist des Llano Estacado, Nr. 1512/11, 12. 1 Sudermann, Frau Sorge, Nr. 1500. — Heer, Tobias Heider, Nr. 481/2. Meyer K. F., Jürg Jenatsch, Nr. 1454/3. — Zahn E., Firnwind, Nr. 689/1.— Bonsels, Die Biene Maja, Nr. 1536. — Eimer E., Christian, der Dorfjunge, Nr. 1537. Viera Rose, Das Frühlingsheim, Nr. 1538. Viera Josef, Waldläufers Jugendland, Der afrikanische Robinson, Sturmvogel, Nr. 1517/3—5. Mayne=Reid, Die Jagd des weißen Rosses, Nr. 1539. — Else Morstatt, Hinter dem großen See, Nr. 1540. Stevenson, Die Schatzinsel, Nr. 1541. — Günther Agnes, Die Heilige und ihr Narr, Nr. 1542; Frohes Schaffen, Nr. 13975. — Reut=Nicolussi, Tirol unterm Beil, Nr. 1545. Keller Paul, Ferien vom Ich, Nr. 493/1. — G. Hauptmann, Florian Geyer, Der rote Hahn, Nr. 478/11, 12. K. H. Strobl, Heerkönig Ariovist, Nr 1546. — Trautzl V., Franz Schu¬ berts letzte Liebe, Nr. 1547. — Schreckenbach P., Die letzten Rudelsburger, Nr. 1548. R. P. Garrold, Kleine Brauseköpfe, Echte Jungen, Das wilde Kleeblatt, Nr. 1549/1—3. — Achermann, Aram Béla, Im Banne

der ewigen Gletscher, Kannibalen der Eiszeit, Die Kammerzofe Robes¬ pierres, Nr. 1550/1—4. — Svenson Jon, Nonni, Nonni und Manni, Sonnentage, Die Stadt am Meer, Auf Skipalon, Abenteuer auf den In¬ seln, Nr. 1551/1—6. Müller, Die Jugend und der Völkerbund, Nr. 1559. Geschenke: Von der Elternvereinigung: Breier, Gems of English Poetry, Nr. 1552/1—3. Francé R. H., Urwald, Nr. 1531. — Günther H., Die Eroberung der Tiefe, Nr. 1532. Goldbacher Gregor, Aus Steyrs Vergangenheit, Nr. 468/1. — Bachner A., Gedichte, Nr. 1533. — Floerike, Vögel auf der Reise, Nr. 955/3. — Venzmer, Geißeln der Tropen, Nr. 1534. — Ganghofer, Rachele Scarpa, Nr. 458/1. — Vom Verlag Velhagen und Klassing: Nesbit E., Children's stories from Shakespeare, Nr. 1543/1—3. — Hanse E., True Stories of Brave Deeds, Nr. 1544. — Vom Ministerium für Unterricht: Baeßler, Die Frithjossage, Nr. 1553; Bon¬ sels, Mario und die Tiere, Nr. 1536/1; Ginzkey, Bunte Welt, Nr. 1459/3; 9 Grabein, Jürg Frey, der Wandervogel, Nr. 2381; Handel=Mazetti, S'Engerl, Nr. 1399/1; Hohlbaum, Wiener Novellen, Nr. 1554; Scheffel, Griechische Heldensagen, Nr. 399/1; Koch, Papas Junge, Nr. 1555; Schwab, Deutsche Volksbücher, Nr. 141/3—4; Sealsfield, Nathan, der Squatter, Nr. 403/1; Stehr, Wanderer zur Höhe, Nr. 1556; Steil, Deutsche Redekunst, Nr. 1557; Weitbrecht, Deutsche Heldensagen, Nr. 1558. c) Sprechplatten: Zuwachs 1928/29: Keiner. d) Programmsammlung: Zuwachs 1928/29: 13 Stück. DE Stand Ende 1928/29: 10.009 Stück. e) Unterrichtsbücherei: Zuwachs 1928/29: 920 Stück. Stand Ende 1928/29: 7416 Stück. Verwaltung der Unterrichtsbücherei. Der Stand der Unterrichtsbücherei hat sich im abgelaufenen Schuljahr um 920 Stück vergrößert. Vom Unterrichtsministerium wurden 20 Atlan¬ ten und 10 Lehrbücher geschenkweise überwiesen. Hiefür sind laut Rech¬ nungen S 4339.79 ausgelegt worden. Stark abgenützte und daher nicht mehr verwendbare Bücher werden auch heuer wieder ausgeschieden werden müssen. Sämtliche Schüler und Schülerinnen wurden mit Lehrbüchern beteilt. Als Beitrag wurden im 1. Halbjahr 5—6 S, im 2. Halbjahr 6—10 S ein¬ gehoben; hievon waren Kinder von Arbeitslosen und Unbemittelten ganz befreit, Kinder von Arbeitern und Kleinrentnern wurden von dieser Zah¬ lung teilweise enthoben. Die Erhaltung und die weitere Ausgestaltung der Unterrichtsbücherei ist eine große Wohltat, für die die studierende Jugend nicht genug dankbar sein kann. Die sorgfältige und schonungsvolle Behandlung der Bücher muß daher allen Benützern neuerdings und dringend ans Herz gelegt werden! Prof. Dr. Anton Lang.

B. Lehrmittelsammlung für Geographie und Geschichte. Ankauf: Wandkarte: Orbis christianus. Geschenke: Winkler Wilhelm, Dr., Sprachenkarte von Mitteleuropa, 2. Aufl. Vom deutschen Schulverein. Stand Ende 1928/29: 8 Globen, 151 Karten, 8 Atlanten, Pläne usw., 437 Wandbilder, 50 Bilderbogen aus der Sammlung „Schule und Haus“, 5 Geräte, 429 Photographien, 175 Diapositive, 17 Ansichtskarten, 10 Reliefs und 11 Präparate. C. Lehrmittelsammlung für Naturgeschichte. Ankauf: Modelle und Bildwerke: 1. Bilder vom Dresdener Hygiene= museum: Lage der Eingeweide, Knochen, Sehnen, Bänder und Gelenke, Niere des Menschen. 2. Pfurtscheller Tafel: Anatomie und Entwicklung der Zauneidechse. 3. Schröder=Küll Tafel: Regenwurm. 4. Koch=Quentel Tafel: Wandschüsselflechte. Für die naturgeschichtlichen Schülerübungen: 19 Stück mikroskopischer Präparate von Gesteinsschliffen, Holzquerschnitten und tierischen und menschlichen Schnittpräparaten. Geschenke: 1. Zoologie: Vom Afrikareisenden Karl Ohneiser: 1 großes Chamäleon, 1 großer Kaffernskorpion, 1 getrocknete Lederschild¬ kröte, 1 Termitenkönigin mit Eiern, je 1 Schädel vom Warzenschwein, von der Hyäne, von der Duckantilope, von der Schopfantilope, vom Wüsten¬ luchs, vom Ichneumon, von der Ginsterkatze, vom Raubbarsch; Hautstücke vom Zebra, vom Kaffeernbüffel und vom Nilpferd; eine Buschschlange, 10 afrikanische Vögel; Haut und Schädel vom Querezaaffen. 2. Mineralogie und Geologie. 1 geschliffener Amonit von Theodor Gaigg (6. Kl.). Stand Ende 1928/29: Zoologie und Anthropologie 989 Stück, Bota¬ nik 26 St., Mineralogie und Geologie 1367 St., Modelle und Bildwerke 366 St., Schülerlaboratorium 47 St. Endsumme: 2795 Nummern. D. Lehrmittelsammlung für Physik. Ankauf: Kapselluftpumpe nach Gaede und Gebläse mit Drehstrom¬ motor (764). Hebersäuremesser (766). Kanalstrahlenrohr (767 Entladungsröhre zum Auspumpen (768). — Apparat zum Gefrieren des Wassers unter der Luftpumpe (769). —Teslarohr und Kugel (770). Schiefer Zylinder für Standfestigkeit (772). Modell eines Aneroid¬ barometers (773). — Totalreflektierendes Prisma für die optische Scheibe (774). Geschenke: Treibriemen für die Dynamomaschine, gespendet von Herrn R. Hasselberger. — 3 Akkumulatorenzellen (765), gespendet von der Philips=Audion¬ Direktion der Steyr=Werke A. G. — Werdegang einer Co., Steyr. röhre (771), gespendet von der Firma Kammerhofer & 1 Epidiaskop (775), gespendet von der Elternvereinigung. E. Lehrmittelsammlung für Chemie. Zuwachs 1928/29: Ankauf: Demonstrationsobjekte: Eine Sauerstoffbombe mit Redu¬ zierventil, Inv. Nr. 80, V. Eine Wasserstoffbombe mit Reduzierventil, Inv. Nr. 81, 10

Stand Ende 1928/29: 346 Inv.-Nummern: Geräte und Apparate; 583 Inv.=Nummern: Präparate und Rohmaterialien; 81 Inv.=Num¬ mern: Demonstrationsobjekte. F. Lehrmittelsammlung für Mathematik und Geometrie. Zuwachs 1928/29: 7 Nummern. Ankauf: 5 Tafelzirkel und 2 Dreiecke. Stand Ende 1928/29: 795 Nummern. G. Lehrmittelsammlung für Freihandzeichnen. Zuwachs 1928/29: Keiner. und Stand Ende 1928/29: 2743 Stück. H. Lehrmittelsammlung für den Handarbeitsunterricht. Ankauf: Schneidebretter, 26 Stück; Eisenlineale, 32 St.; Falzbeine, 41 St.; Messer, 44 St.; Kleisterschalen, 6 St.; große Pinsel, 15 St.; kleine Pinsel, 10 St.; Scheren, 9 St.; Ahlen, 5 St.; Leimtöpfe, 2 St.; Locheisen, 1 St.; Stemmeisen, 2 St.; Feile, 1 St.; Kochtöpfe, 2 St.; große Schnitzer, 2 St.; kleine Schnitzer, 2 St.; Schleifstein, 1 St.; Abziehsteine, 2 St.; Beschneidepresse, 1 St.; Preßbengel, 3 St.; Beschneidhobel mit 3 Zungen, 1 St.; Buchbinderpressen, 5 St.; Preßbretter, 10 St.; Heft¬ laden, 4 St.; Kantenlineal, 1 St.; Schneidezirkel, 1 St.; Fuchsschwanz, 1 St.; Tischlerhämmer, 2 Stück. I. Lehrmittelsammlung für Turnen. Zuwachs 1928/29: 96 Stück. Ankauf: 1 Aluminium=Sprunglatte, 2 Patent=Tragöfen, 1 vierfache Reckeinrichtung, 6 Reckstangen, 4 Paare Schaukelringe mit Walzenroll¬ zeug, 1 Sprossenwand (siebenfach), 7 Trockenschwimmgurten, 30 Schlag¬ hölzer, 20 Schlagbälle, 11 Paare Ski, 1 Rechen, 1 Schaufel. Abgang: 114 Stück. Stand. Ende 1928/29: 792 Stück. K. Lehrmittelsammlung für Gesang und Orchester. Zuwachs 1928/29: Brunner=Einfalt=Prammer, Oesterreichischer Liederquell für Bürger¬ Händel, Largo. Mozart, Vorspiel zur Oper Titus. schulen. Mühlberger, Kaiser Jäger=Marsch. Ziehrer, Schönfeld=Marsch. Wagner Richard, Tannhäusers Lied „Dir töne Schumann, Träumerei. Strauß Johann, Geschichten aus dem Wiener Wald, Walzer. Lob. V. Förderung der körperlichen Ausbildung der Schüler. Turnen: Wie im Vorjahre leitete auch heuer den Turnunterricht der Knaben Prof. Hans Pichler, jenen der Mädchen Frl. Therese Pichler. Durch den Schularzt waren im 1. Halbjahre 12 Knaben und 13 Mädchen, im 2. Halbjahre 11 Knaben und 14 Mädchen ganz befreit. 11

Mit Beginn des neuen Schuljahres wurde in allen Klassen der neue Lehrplan für Turnen eingeführt. Da den Turnsaal der Anstalt auch noch die im selben Hause untergebrachte Volksschule benützt, so gestaltete sich die Unterbringung der Turnstunden außerordentlich schwierig. Die vom Bundesministerium für Unterricht im Herbste 1928 erfolgte Ueberweisung von Geldmitteln zur Ausgestaltung des Turnsaales mit einer vierfachen Reckeinrichtung, 4 Paar Schaukelringen und sieben Sprossenwand=Abteilungen wurde von Lehrern und Schülern dankbar und freudig begrüßt. Die Firma Plaschkowitz baute die angegebenen Geräte in vorbildlicher, einwandfreier Weise ein. Am Achtkampf der österreichischen Mittelschulen, welcher für unsere Anstalt unter der Leitung des Herrn Prof. R. Hartmann aus Linz in Steyr am 10. Mai durchgeführt wurde, beteiligten sich 10 Schüler der Skihütte auf der „Hohen Dirn“ Mittelstufe und 6 der Oberstufe. Leider wurde durch die Ungunst des Wetters das notwendige Ueben im Freien fast ganz ausgeschaltet, wodurch die Leistungen, besonders die der Mittelstufe, sehr litten. Gleichzeitig tra¬ ten zum erstenmal 12 Schülerinnen der Anstalt zum Mehrkampf der öster¬ reichischen Mädchenmittelschulen an, welcher ebenfalls unter der Leitung Prof. Hartmanns durchgeführt wurde. Schließlich sei noch erwähnt, daß die im U.=M.-Erlaß vom 26. No¬ vember 1928, Zl. 29.470 geforderte Turnkleidung an der Anstalt einge¬ führt wurde. Freiluft nachmittag: Die Leitung der Freilustnachmittage liegt seit Beginn dieses Schuljahres in den Händen der beiden Turnlehr¬ kräfte. Von der Teilnahme an diesen Uebungen waren durch den Schularzt befreit im 1. Halbjahre: 13 Schüler und 12 Schülerinnen, im 2. Halb¬ jahre: 11 Schüler und 15 Schülerinnen. 12

Ein außerordentlicher Zuschuß von seiten des Bundesministeriums für Unterricht für unseren Spielfond im Betrage von S 700.— ermöglichte es, eine Reihe von Anschaffungen vorzunehmen. Das bemerkenswerteste Ereignis aber war, daß es der Anstalt durch den Erlaß des Bundesministeriums für Unterricht vom 3. Jänner 1929, Zl. 24.846/1928 heuer ermöglicht wurde, den 32.000 m2 großen Sommer¬ turn= und Spielplatz des deutschen Turnvereines in Steyr für die Anstalt zu pachten. Seit Jahrzehnten hatte unsere Schule keinen Spielplatz. Immer mußten wir als geduldete Gäste irgendwo unterzukommen trach¬ ten. Nun ist auch dieser Uebelstand aus der Welt geschafft und unsere Anstalt hat nunmehr das Recht, den schönsten Spielplatz Steyrs mit¬ benützen zu können. Im Herbst wurden die Spiele bis Ende November fortgesetzt, den Wiederbeginn aber verzögerte der kalte, regenreiche Frühling außer¬ ordentlich. Schutzhütte am „Hochbuchberg“ bei Trattenbach Winterübungen: In Durchführung des Erlasses des Bundes¬ ministeriums für Unterricht vom 27. Dezember 1928, Zl. 25.661, führte unsere Anstalt 3 Schüler=Skikurse unter der Leitung Prof. Hans Pichlers durch, und zwar: 1. Kurs für Anfänger der 4.—7. Knabenklasse vom 13.—17. Jänner, 5tägig mit 23 Teilnehmern; 2. Kurs für Anfänger der 4.—7. Mädchenklasse vom 20.—24. Jänner, 5tägig mit 13 Teilnehmern; 3. Kurs für Vorgeschrittene der 4.—. Knabenklasse vom 6.—9. Februar, 4tägig mit 20 Teilnehmern. Außerdem leitete Prof. Hans Pichler an 10 Nachmittagen einen Lehr¬ gang für Anfänger und Anfängerinnen der 1.—3. Klasse. Der 1. und 2. Kurs wurden auf der Skihütte der Alpenvereins=Sektion Steyr auf der „hohen Dirn“ bei Losenstein, der 3. Kurs auf der Schutzhütte der Alpen¬ vereins=Sektion Grünburg am Hochbuchberg bei Trattenbach durchgeführt. Die Kosten für die Hüttenbenützung waren von den beiden Sektionen für die Schüler bedeutend ermäßigt worden. Hiefür sei auch an dieser Stelle den beiden Sektionen der beste Dank zum Ausdrucke gebracht. Alle Teil¬ nehmer wurden vorher vom Schularzt untersucht und waren gegen Unfälle versichert. In den Hütten wurden sie gemeinsam verpflegt. Das Rauch¬ 13

verbot wurde strengstens eingehalten. Die Schüler und Schülerinnen, welche an den Kursen teilgenommen haben, werden sich an die herrlichen Tage und die gemütlichen Abende wohl noch lange erinnern. Zu erwähnen ist noch, daß 120 Knaben und 22 Mädchen eigene Schneeschuhe haben. An jene Schüler, welche keine Bretter besitzen, gibt die Schule leihweise Ski ab. Die Anstalt besitzt derzeit 35 Paare Leibski. Der lange, strenge Winter gab auch den Eisläufern reichlich Gelegen¬ heit zur Ausübung ihrer Kunst und zahlreiche Schülerinnen und Schüler bevölkerten die Eisbahnen, sind doch 193 Schüler im Besitze von Schlitt¬ schuhen. Eifrige Pflege fand auch das Rodeln, besonders in den Mädchen¬ klassen. Unter Leitung der Turnlehrerin wurden 16 Rodelausflüge in die nähere Umgebung Steyrs unternommen. An der Anstalt wurden 296 Rodeln gezahlt. Baden und Schwimmen: Das Baden im Freien wird vor fast allen Schülern und Schülerinnen betrieben. 182 sind Freischwimmer. Die Verhandlungen mit der Direktion der Steyr=Werke betreffend die Ueberlassung ihrer großen Schwimm= und Badeanstalt haben zu einem günstigen Ergebnis geführt. Es wurde uns die Benützung der Schwimm¬ schule an Donnerstagen von 10—11 Uhr gegen Erlag eines Pauschal¬ betrages gestattet. Die beiden ersten Klassen begannen daher am 5. Juni mit dem Schwimmunterricht. Diese Uebungen fanden bei Knaben und Mädchen reichen Beifall. Wandertage wurden in diesem Schuljahre nur drei durchgeführt, u. zw. am 15. September, 18. Oktober und 8. April. Als Direktorstag wurde der 15. Juni freigegeben und zum „Maiausflug", der diesmal ein¬ tägig war, benutzt. Vorträge über Wandern fanden drei statt. Prof. R. Stockenhuber sprach über „Leben und Treiben der Pfadfinder“ und Prof. A. Neumann hielt zwei Lichtbildervorträge über „Wanderungen durch französische Städte“. Die Jugendherberge war auch heuer während der Hauptferien offen und wurde von einer Anzahl von Wanderern besucht. Die an der Anstalt bestehende Jugend=Wandergruppe führte eine große Anzahl von Winter= und Sommerfahrten durch, welche durch Benützung der ermäßigten Eisenbahn=Fahrscheine bedeutend erleichtert wurden. Jugendaustausch an die Ostsee: Zum viertenmale wurde in den vergangenen Ferien der vom deutschen Schulverein Süd¬ mark in Verbindung mit dem Verein für das Auslanddeutschtum in Ber¬ lin veranstaltete Austausch unter der Leitung des Prof. G. Goldbacher durchgeführt, an welchem sich 22 Schülerinnen und Schüler unserer Anstalt beteiligten. Im Juli befanden sich aus dem Freistaat Danzig die Kinder in den Steyrer Familien, am 1. August wurde die Reise unter Führung Prof. Goldbachers über Berlin nach Swinemünde und hierauf in 14stün¬ diger Seefahrt nach Zoppot bei Danzig durchgeführt. Die reizvolle, huge¬ lige Umgebung der Stadt, welche wohl zu den schönsten deutschen Hansa¬ städten zählt, ihr Hafen, wie die vielen Seebäder, wo unsere Jugend unter¬ gebracht war, werden stets in ihrer Erinnerung verbleiben. Außerdem wurde eine Anzahl von Ausflügen veranstaltet, so auf die interessante Halbinsel Hela im polnischen Korridor und zur großartigen Marienburg, dem Sitze der ehemaligen deutschen Ordensritter. Einige Gruppen dran¬ gen bis zu den Masurischen Seen und bis Königsberg und zum Samland

vor. Segeln, Schwimmen und Sonnen im herrlichen Sand stärkte die Gesundheit aller, so daß am 31. August alle wieder froh, gesund und reich an unvergänglichen Erinnerungen in Steyr einlangten. Tätigkeit des Schularztes. Der mit dem Erlasse des Bundesministeriums für Unterricht vom 10. Februar 1923, Zl. 21.178/II (bezw. des o.ö. L. S. R. vom 23. März 1923, Zl. 6651) bestellte Schularzt Dr. Ludwig Lebisch führte die ärzt¬ liche Ueberwachung des Gesundheitszustandes der Schüler durch. Er hielt wöchentlich eine Sprechstunde ab, in welcher die besonderen ärztlichen Weisungen erteilt wurden. Die neu eingetretenen Schüler und Schülerinnen aller Klassen wur¬ den nach ihrer Körperbeschaffenheit und ihrem Ernährungszustande gründlichst untersucht, die Krankheitserscheinungen einzeln festgestellt und darüber die Eltern verständigt. Der Schularzt besorgte weiters die ärztlichen Untersuchungen für Turn= und andere Unterrichtsbefreiungen und traf die notwendigen Ma߬ nahmen zur Förderung der hygienischen Zustände im Schulgebäude. 1 Schulärztlicher Bericht für 1928/29. Aerztlich untersucht wurden 102 neueingetretene Schüler. Hiebei wurde folgender Befund erhoben: 1. Der Ernährungszustand war bei 14—13.7% ein sehr guter, bei 68—66.6% ein guter, bei 20=19.6% ein schlechter. erkrankungen fand sich Blutarmut vom leichte¬ 2. Von allgemeinen sten bis zu höheren Graden bei 42—41.1%, Skrofulose bei 10.9% Rachitis bei 10.9% 3. Schilddrüsenvergrößerungen zeigten 25=24.5% im mittleren Grade. 4. Zahn=Karies wurde konstatiert bei 38=37.3%, plombierte Zähne bei 48470. 5. Nasen= und Rachenraum: vergrößerte Mandeln bei 52=50.90, Mandeln entfernt 10.9 6. Lunge: Lungenschwäche 3=2.90, Lungenspitzenkatarrh 10.9% Hilusdrüsenaffektion 10.90, Lungenasthma 10.9 7. Unterleib: Druckempfindlichkeit der Blinddarmgegend 5=4.9% Blinddarmreizung 21.9%, operierte Blinddarmentzündung 2=1.9% Leistenbruch 10.9%, operierter Nabelbruch 10.9%, Hoden im Leisten¬ kanal 43.90. 8. Zirkulationsorgane: Herzfehler 10.9%, anämisches Geräusch 21.9%, Pulsbeschleunigung 18=17.60 9. Knochen= und Muskel: sehr kräftig 14=13.7%, kräftig 54= 52.90, zart 34=33.3% 10. Nerven: Hochgradige Nervosität 4=3.9%. 11. Augenerkrankungen: Kurzsichtigkeit 109.80, Schielen 10.9% 12. Ohrenerkrankungen: chronische Mittelohrentzündung 2=1.9% 13. Hautkrankheiten: Ekzem 10.90, Kleimflechte 120. 14. Sonstige krankhafte oder abnormale Zustände: Skoliose 8=7.8% Linkshändigkeit 4—3.9%, angeborener Plattfuß 10.9%, partieller Verkümmerung der Hand 10.9%, operierte Muskelschwund 10.90 Dr. Ludwig Lebisch, Schularzt. Hasenscharte 10.9%.

VI. Unterstützungswesen. A. Stipendien und Stiftungen. Im abgelaufenen Berichtsjahre stand kein Schüler der Anstalt im Genusse eines Stipendiums oder einer Stiftung. B. Schülerlade. Vermögensstand am 15. Juni 1929: a) Einnahmen * S 6358.04 b) Ausgaben „ 5074.82 Kassarest * S 1283.22 Die Tätigkeit der Schülerlade erstreckte sich fast ausschließlich nur auf die Beschaffung von Lehrbüchern für die Unterrichtsbücherei (siehe c. V, Abschnitt A, Punkte, Seite 9; geldliche Unterstützungen erfolgten nur gelegentlich in besonderen Ausnahmsfällen. Der größte Teil der Einnahmen floß der Schülerlade aus den am Beginn und am Schlusse des Schuljahres von der Elternvereinigung gelei¬ steten Beträgen zu. Außerdem spendete die Stadtgemeinde einen Betrag von 200 S. Allen Spendern und Gönnern sei auch an dieser Stelle der beste Dank zum Ausdruck gebracht. VII. Reifeprüfungen. Die Reifeprüfungen wurden nach dem Erlasse des Bundesmini¬ steriums für Unterricht vom 6. Oktober 1924, Zl. 22.011, abgehalten. 1. Herbsttermin 1928. In diesem Termin legte der Realschulabsolvent Hirtmayr Robert (Maturajahrgang 1927) mit Bewilligung des Bundesministeriums für Unterricht vom 22. Juni 1928, Zl. 19.083/II/7 die reformrealgymnasiale Reifeprüfung ab. Die schriftliche Prüfung fand am 14. und die mündliche Prüfung am 17. September unter dem Vorsitze des Realgymnasialdirektors Alois Wolfersberger aus Linz statt. Der Kandidat wurde für reif erklärt. II. Februartermin 1929. In diesem Termin unterzogen sich mit Bewilligung des Bundes¬ ministeriums für Unterricht vom 1. Dezember 1928, Zl. 34.720/II/7 die Magistratsbeamten Blüml Franz und Sturm Karl, welche die Realschul¬ matura im Jahre 1913, bezw. 1915 abgelegt haben, der reformrealgymna¬ sialen Reifeprüfung. Die schriftliche Prüfung fand am 9. März und die mündliche am 15. März unter dem Vorsitze des Anstaltsdirektors statt. Die beiden Kandidaten wurden für reif erklärt. III. Sommertermin 1929. In diesem Termin unterzogen sich die 21 Abiturienten der Prüfung. A. Verzeichnis der Reifeprüfungs=Hausarbeiten. 1. Bartl Walter: Die schädlichen Insekten des Nadelwaldes. „einer Bildebene. 2. Buchner Alfred: Darstellung auf 3. Derfler Alois: Durchdringungen. 16

Exler Ferdinand: Les femmes savantes. Comédie en cinq actes par Molière. Fenzl Gustav: Three fairy tales from Oscar Wildes's book „A House of Pomegranates“. Inhaltsangabe und Uebersetzung. Gärber Hermann: Determinanten. Holub Bruno: Wärme und Arbeit. 8. Holub Gunter: Iphigenie par Racine. Uebersetzung und Inhalts¬ angabe. Holub Ilse: Joy. A play on the letter „1“. In three acts by John Galsworthy. 10. Huber Willibald: Meeresströmungen. 11. Lunzer Viktor: Schattenkonstruktionen an krummflächigen Körpern. 12. Mayrhofer Ludwig: Alpenblumen im Steyrtal. 13. Metzger Hedwig: Sphärische Trigonometrie. 14. Pfaffeneder Max: La jeune Sibérienne von Kavier de Maistre, hagb. von F. d'Harque. Uebersetzung und Inhaltsangabe. 15. Pflug Hubert: The Bottle Imp. R. L. Stevenson. Uebersetzung. 16. Saiber Alois: Washington Irving. The Sketch Book. Daraus drei Geschichten: 1. Rip van Winkle; 2. The Stage Coach; 3. Christ mas Eve. 17. Scheinhart Josef: The invisible Man by H. G. Wells. 18. Schloßbauer Friedrich: Der Vogelschutz. 19. Schober Gertrude: The Happy Prince; The Nightingale and the Rose; The Selfish Giant von Oskar Wilde. Uebersetzung und Nach¬ erzählung. 20. Schuster Franz: „Rikki-Tikki-tavi, und „Wee Willie Winkie Zwei Geschichten aus dem Buche: „Four Stories" von Rudyard Kip¬ ling. 21. Weidmann Alfred: „Les aventures du dernier Abencérage par Chateaubriand. Uebersetzung und Nacherzählung. B. Klausurprüfungen. Diese fanden vom 13. bis 17. Mai statt. Es wurden folgende Themen gegeben: Aus der deutschen Sprache wurden zur Auswahl gestellt: a) Welche Veränderungen verursacht der Mensch im Landschafts¬ bild¬ b) Was gewinnt Deutschland durch Oesterreichs Anschluß? c) Deutsche und Franzosen, ein Rückblick auf beider Geschichte. Aus der französischen Sprache: La cuisse d'oie. Eine Nachherzählung. Aus der englischen Sprache; „Death and the Rioters“ zur Nacherzählung (aus Chauer's Canterbury Tales). 4. Aus Mathematik: 234 16449 567 791. b) Ein Kapital, welches zu 4.5% auf Zinseszinsen angelegt war, hatte sich, obwohl jährlich 420 S behoben wurden, in 18 Jahren verdoppelt. Wie groß war das Kapital? 17

c) Welche geographische Breite hat ein Ort, dessen längster Tag 20 Stunden beträgt? (8=23° 27 117). d) Man bestimme die Schnittpunkte der Hyperbel 95—167 144 mit jenen Geraden, welche durch die Brennpunkte parallel zu den Asymptoten gezogen werden, und die Gleichungen der in den gefundenen Schnittpunkten gezogenen Tangenten an die Kurve. 5. Aus Darstellender Geometrie. 18•9 125 a) Eine Gerade g (G. 4·6 19, M. trifft die Ebene 2 75 (Knoten 9.5, 2=45°, 160°) in S. Durch diesen Punkt sind Gerade zu legen, welche in der Ebene liegen und mit g einen Winkel von 65° bilden. Konstruktionsbeschreibung. b) In einer zu den 3 Bildebenen gleich geneigten Ebene « (Knoten 12 c) liegt der Grundkreis eines 4 cm hohen Kreiszylinders, der die 3 Bildebenen berührt. Die drei Bilder dieses Körpers sind darzustellen. Perspektivische Darstellung zweier gleich großer, auf der Grundebene hintereinander stehender Torbogen, welche aus 2 quadratischen, (s=3 cm) 10 cm hohen, von einer halben regel¬ mäßigen 6seitigen prismatischen Platte gedeckten Säulen beste¬ hen und unter 30° gegen die Bildebene geneigt sind. Selbst= und Schlagschatten. Die mündlichen Reifeprüfungen wurden am 18. und 19. Juni unter dem Vorsitze des Landesschulinspektors Herrn Hofrates Dr. Hans Hal¬ bich abgehalten. Der Prüfung unterzogen sich sämtliche 21 Schüler der obersten Klasse. Von diesen erhielten sieben ein Zeugnis der Reise mit Auszeichnung acht ein Zeugnis der Reife, vier wurden auf 2 Monate, und zwei auf ein halbes Jahr reprobiert. C. Namensliste der für reif erklärten Abiturienten. Die mit einem Bezeichneten erhielten Auszeichnung. Barl Walter, geb. 1911, Steyr, Exler Ferdinand, geb. 1911Wien; Fenzl Gustav, geb. 1911, Steyr, Gärber Hermann, geb. 1911,Perg; Holub Bruno, geb. 1911, Steyr, Holub Gunter, geb. 1911, Steyr; Holub Elisabeth, geb. 1910, Lorch bei Enns; Huber Willibald, geb. 1910, Steyr, Mayrhofer Ludwig, geb. 1910, Aschach a. Steyr, Metzger Hedwig, geb. 1911, Wallsee a. D.; Pfaffeneder Max, geb. 1910, St. Valen¬ tin; Pflug Hubert, geb. 1910, Aschach a. D.; Scheinhart Josef, geb. 1911, Wilhelmsburg; Schober Gertrude, geb. 1909, Linz a. D.; Weidmann Alfred, geb. 1911, Steyr. 18

VIII. Wichtigste behördliche Verfügungen und Erlässe. Bundesministerium für Unterricht vom 21. Juni 1928, Zl. 19.362: Uebergangsbestimmungen für den neuen Lehrplan an Mittelschulen. vom 24. Juli 1928, Zl. 19.349: Sonntagsgottesdienst bei Wande¬ rungen und sportlichen Veranstaltungen an Sonntagen. vom 26. Juli 1928, Zl. 22.222: Organisation des Turnunter¬ richtes an Mittelschulen. vom 27. Juli 1928, Zl. 19.468: Handarbeitsunterricht für Mädchen in den gemischten Klassen der Mittelschulen. vom 18. August 1928, (B. G. Bl. Nr. 224 vom 25. August 1928): Studienberechtigungen der Mittelschüler. vom 13. Oktober 1928, Zl. 29.942: Schulfeier am 12. November 1928. vom 14. November 1928, Zl. 28.062: Körperliche Uebungen als Freigegenstand an Bundesmittelschulen. vom 26. November 1928, Zl. 29.470: Turnkleid und Schulkleid. vom 18. Dezember 1928, Zl. 4417: Errichtung von Skischulen; Befähigung des Leiters. 10. vom 27. Dezember 1928, Zl. 25.661: Urlaub für Schülerskikurse. 11. vom 28. Dezember 1928, Zl. 35.415: Externisten=Reifeprüfungen nur nach den gesetzlich festgelegten Mittelschultypen möglich. 12. vom 10. Jänner 1929, Zl. 37.645/28: Dienstesverhinderung des Direktors an Bundesmittelschulen; Vertretung bezw. Bestellung eines provisorischen Leiters. 13. vom 14. Jänner 1929, Zl. 96: Studienkontraktionen bei der Zu¬ lassung von Externisten zur Mittelschulreifeprüfung. 14. vom 22. Jänner 1929, Zl. 34.616/1928: Organisation des Turn¬ unterrichtes an Mittelschulen. 15. vom 21. März 1929: Zl. 35.884/1928: Ferienausweise für Ab¬ gänger von Mittelschulen. 16. — vom 8. Mai 1929, Zl. 13.338/II/7: Einrichtung des unverbindli¬ chen Unterrichtes an den Mittelschulen. (Freifächerverordnung.) 17. vom 10. Mai 1929, Zl. 15.217/11/8: Sicherstellung des Lehrer¬ bedarfes an Bundesmittelschulen im Schuljahre 1929/30 18. vom 11. Mai 1929, Zl. 15.281/II/7: Prüfen und Klassifizieren in den gemäß dem Mittelschulgesetz eingeführten Mittelschulklassen. 19. vom 11. Mai 1929, Zl. 15.215/11/8: Klassenteilungen an Bundes¬ mittelschulen. IX. Schule und Haus. Der Verkehr zwischen Schule und Elternhaus wird einerseits durch die Sprechstunden vermittelt, die größtenteils auf zwei Tage in der Woche zusammengelegt sind, um den Eltern den Verkehr zu erleichtern, anderer¬ seits bildet die „Elternvereinigung“ ein wichtiges Bindeglied zwischen Schule und Haus. In den am 7. und 9. November 1928 stattgefundenen Hauptversamm¬ lungen der Elternvereinigung wurden in den Elternausschuß für das lau¬ fende Schuljahr 1928/29 folgende Herren und Damen gewählt:

1. Klasse: Eduard Ernstbrunner, Oberlehrer i. R.; 1. Klasse: Emmy Reder, Kaufmannsgattin; 2. Klasse: Josef Sieghardt, Hauptkassier; 2. Klasse: Dr. Alois Steffelbauer, Oberlandesgerichtsrat; 2. Klasse: Ludwig Stallinger, Buchhalter; 3. Klasse: Julius Rußmann, Justizsekretär; 3. Klasse: Dr. Rudolf Schneeweiß, Rechtsanwalt; 4. a Klasse: Martin Schaden, Apo¬ theker; 4. Klasse: Elisabeth Graßl, Kaufmannsgattin; 5. Klasse: Oskar Kaltenegger, Landesregierungsrat; 6. Klasse: Dr. Emil Tursky, Landesgerichtspräsident; 6. Klasse: Dr. Ferdinand Haus¬ mayr, Magistratsdirektor; 7. Klasse: Matthias Bartl, Hilfsschul¬ direktor. Der Lehrkörper war durch den Direktor und die Professoren Hilde¬ gard Holzer, Anton Neumann und Dr. Anton Lang vertreten. Zum Obmann wurde wieder Herr Gerichtspräsident Dr. Emil Tursky gewählt. Die Elternvereinigung hat mit dem heurigen Schuljahre das 10. Jahr ihres Bestandes vollendet; sie hat während dieser Zeit bis zum heu¬ tigen Tage die Interessen und das Wohl der Anstalt stets gefördert und unterstützt. Insbesonders hat sie seit ihrer Gründung der Anstalt nam¬ hafte Mittel zur Verfügung gestellt, und zwar in den Jahren 1919 bis 1924 2,539.747 K und seit 1925 bis einschließlich des heurigen Schuljahres 3.374 S, aus welchen Beträgen ein Epidiaskop (im Betrage von über 1300 S), 39 Sprechplatten und 306 Bücher für die Schülerbücherei ange¬ schafft werden konnten. Dazu kommen noch die in jedem Semester von den Eltern geleisteten Beträge für die Unterrichtsbücherei, welche bis zum Jahre 1924 28,200.000 K betrugen und von da ab bis zum Schlusse des heurigen Schuljahres den Betrag von 15.185 S erreichten. Mit diesen Geldern, die in den Zeiten schwerer wirtschaftlicher Not aufgebracht wurden, konnte die derzeit schon aus 7416 Lehrbüchern bestehende Unterrichtsbücherei geschaf¬ fen werden, aus der alle Schüler und Schülerinnen fast mit allen Lehr¬ büchern beteilt werden können. Aber auch in manchen Fragen der Erziehung, in der Frage der Um¬ wandlung der Anstalt in einen realgymnasialen Typus und in vielen an¬ deren Belangen stand die Elternvereinigung, bezw. deren Ausschuß der Anstalt stets fördernd und unterstützend zur Seite. Mit dem Ausdrucke herzlichsten Dankes für diese vielseitige Unter¬ stützung während der abgelaufenen 10 Jahre verbinden Direktion und Lehrkörper die Bitte, die Elternvereinigung möge auch in Zukunft die so äußerst wertvolle Verbindung zwischen Schule und Haus bleiben; sie möge auch weiterhin im Interesse und zum Wohle unserer studierenden Jugend so erfolgreich wie bisher wirken! Mit Ende dieses Schuljahres scheidet der bisherige Obmann der Elternvereinigung und des Elternausschusses, Herr Dr. Emil Tursky infolge seiner Ernennung zum Präsidenten des Landesgerichtes I in Wien aus dem Ausschusse der Elternvereinigung. Aus diesem Anlasse bringt der Berichterstatter auch an dieser Stelle dem bisherigen Obmann, dessen Scheiden von Direktion, Lehrkörper und Elternschaft nur mit dem grö߬ ten Bedauern hingenommen wird, für seine mehrjährige, ebenso verdienst¬ volle wie umsichtige und in jeder Beziehung objektive Führung der Geschäfte der Elternvereinigung im Namen der gesamten Anstalt den allerherzlichsten Dank zum Ausdrucke. 20

Herr Landesgerichtspräsident Dr. Emil Tursky, der dem Bericht¬ erstatter wiederholt aus seiner reichen Lebenserfahrung heraus mit Rat und Tat zur Seite gestanden ist, wird an der h. o. Anstalt stets in treuer und dankbarer Erinnerung bleiben. X. Schulgeschichte. Das neue Schuljahr 1928/29 wurde im Sinne der Verordnung des Bundesministeriums für Unterricht vom 12. Jänner 1928, Zl. 816 heuer zum erstenmale am 1. September mit 13 Klassenabteilungen (7 Stamm¬ und 6 Parallelklassen) eröffnet. Am 1. und 3. September fanden die Auf¬ nahms=, Wiederholungs= und Nachtragsprüfungen statt. Am 4. Septem¬ ber wurde in der Vorstadtpfarrkirche der Eröffnungsgottesdienst abgehal¬ ten; am selben Tage fand auch die Eröffnungskonferenz statt. Der regel¬ mäßige Unterricht erfolgte am Mittwoch, den 5. September. Die Fortführung der bisherigen Parallelen zur 1., 3. und 4. Klasse wurde vom o.=ö. Landesschulrate mit Erlaß vom 14. September 1928 Zl. 1330/2 genehmigt. Infolge des Uebertrittes von Schülern der 1. Hauptschule in die 2. Mittelschulklasse mußte diese sogar in 3 Parallelen geführt werden, welche Dreiteilung vom Bundesministerium für Unterricht mit Erlaß vom 17. August 1928, Zl. 24.464/11/8, bezw. o.=ö. Landesschul¬ ratserlaß vom 23. August 1928, Zl. 2165/2, bewilligt wurde. Die Lehr¬ fächerverteilung sowie der Stundenplan wurde vom o.=ö. Landesschulrate mit Erlaß vom 24. September 1928, Zl. 2696/1 genehmigt. Am 14., bezw. 17. September legte der Realschulabsolvent Robert Hirtmayr (1927) die reformrealgymnasiale Reifeprüfung unter dem Vorsitze des Realgymnasialdirektors Alois Wolfersberger aus Linz mit gutem Erfolge ab. Am 22. September war der erste Wandertag. An der am Montag, den 1. Oktober 1928, im Festsaale des Bun¬ desgymnasiums in Linz durch den Herrn Bundesminister für Unter¬ richt Schmitz selbst vollzogenen feierlichen Eröffnung der ersten öster¬ reichischen Arbeitermittelschule nahm der Berichterstatter in Vertretung der Anstalt teil. Am 5. Oktober war die Schulgeldbefreiungskonferenz des ersten Semesters für die 2. bis 7. Klasse und am 20. November für die 1. Klasse. Am 18. Oktober war Wandertag. Am 3. und 4. November feierte die Bundeslehranstalt für Eisen= und Stahlbearbeitung und Elektrizität in Steyr in würdiger Weise unter der Anteilnahme aller Behörden und Faktoren, die mit der Anstalt verknüpft sind, die Feier des 50jährigen Bestandes. Den aus diesem Anlasse veran¬ stalteten Festlichkeiten wohnte in Vertretung der Anstalt der Direktor bei. Möge es der jubilierenden Anstalt gegönnt sein, auch weiterhin so erfolg¬ reich wie bisher zu wirken! Mittwoch, den 7. und Freitag, den 9. November, fanden die Vollver¬ sammlungen der Elternvereinigung zwecks Wahl der Elternklassenvertreter und zur Besprechung anderer wichtiger Angelegenheiten statt. Die Gedenkfeier anläßlich des 10jährigen Bestandes unse¬ rer Republik Oesterreich wurde von der Anstalt bereits am Sams¬ tag, den 10. November, in besonders feierlicher Weise begangen. Sämtliche Schüler und Schülerinnen versammelten sich an diesem Tage um 8 Uhr früh in den Klassenzimmern im Schulgebäude, von wo sie im geschlossenen

Zuge vom Lehrkörper in den mit den Farben der Republik und mit Blattpflanzen schön geschmückten Brauhausfestsaal geführt wurden, wo die Feier mangels eines geeigneten größeren Raumes im Schulgebäude abge¬ halten werden mußte. Die Republikfeier wurde mit Mozarts „Bundes¬ lied“, gesungen vom gemischten Anstaltschor unter Leitung des Gesangs¬ lehrers Joh. Prinz eingeleitet. Hierauf hielt der Direktor der Anstalt die Eröffnungsansprache, in der er in einer der studierenden Jugend passenden Form die Bedeutung des 10. Geburtstages des neuen Oesterreich würdigte, kurz den schweren und schicksalsreichen Leidensweg der jungen Republik schilderte und schließlich die Jugend aufforderte, dem Geburtstagskinde das schönste Geschenk zu weihen, das Versprechen, immerwährende Treue dem geliebten Vaterlande, der Republik Oesterreich zu halten. Hierauf trug die Schülerin Wera Straznicky der 4. Klasse die als Festgedicht gewählte „Hymne an Oesterreich“ von Ottokar Kernstock vor. — Die eigentliche Festrede hielt Professor Gregor Goldbacher. Er brachte einlei¬ tend zuerst ein Bild des Unterschiedes zwischen dem ehemaligen großen Vaterlande Oesterreich und dem heutigen kleinen Oesterreich, wies dann auf die Schönheiten und die zahlreichen Vorzüge unseres kleinen Vaterlandes hin, welches die Deutschen der einstigen gro¬ ßen österreichisch=ungarischen Monarchie unter den schwersten Opfern und mit viel Leid, umgeben von Haß und Mißgunst, geschaffen haben, und forderte schließlich die Jugend auf, in inniger Liebe, fester Treue und mit ganzer Kraft zur schönen Heimat zu stehen, damit einstens nicht ein krankes und sieches, sondern ein gesundes und kräftiges Kind mit offenen Armen von unserem großen deutschen Vaterlande aufgenommen werde. Mit einem dreifachen Hoch auf unsere Republik Oesterreich und mit dem Singen der Bundeshymne durch den Schülerchor schloß die würdige Schulfeier anläßlich des 10jährigen Bestandes unseres Staates. An diesem Tage sowie am 12. November, dem Nationalfeiertage selbst, war schulfrei. Der Direktor nahm auch noch an der am Sonntag, den 11. November, vom Gemeinderate der Stadt Steyr veranstalteten Festsitzung teil, zu der die Spitzen und Vertreter aller Behörden und Aemter geladen waren. Bürgermeister Sichlrader hielt die Festrede, in der er der weltgeschicht¬ lichen Bedeutung des Festtages gedachte, einen Rückblick auf die vergange¬ nen zehn Jahre vom furchtbaren Kriegsende bis zum heutigen Tage hielt und schließlich dem Wunsche nach baldiger Vereinigung mit unseren Stam¬ mesbrüdern in einer gemeinsamen deutschen Republik Ausdruck verlieh. Am Montag, den 19. November, fand die vom Unterrichtsministerium angeordnete Gedenkfeier anläßlich des 100. Todestages des großen Meisters der Musik, Franz Schubert, statt. Die Vortragsordnung dieser Schulfeier, welche in den Nachmittags¬ stunden des genannten Tages fast zur selben Stunde stattfand, als vor 100 Jahren Schuberts Geist sich zu den Sternen schwang, war folgende: 1. Schuberts Militärmarsch in G Dur (Schülerorchester); 2. Ansprache des Direktors; 3. Schubert: Wiegenlied (Klassen 1, 2 b.); 4. Schubert: Das Wandern (Klassen 22, 2 c); 5. Gedächtnisrede, geh. von Prof. Dr. Anton Lang; 6. Schubert: Das Heidenröslein, Der Lindenbaum (Klasse 12); 7. Schubert: Impromptu, Klaviervortrag von Brunhilde Zimmermann der 4. Klasse; 8. Schubert: An die Musik (Klassen 3—7); 9. Schubert: Die Forelle (Metzger Hedwig, 7. Klasse); 10. Schubert: Andante aus der 1. Violinsonate (Franz Biramperl, 5. Klasse); 11. Schubert: Frühlings¬ glaube und Litanei auf das Fest Allerseelen (Klassen 3—7); 12. Schubert: 22

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