setzt: Iphigenie jammert über ihr Schicksal, Clytämnestra fällt Achilles zu Füßen, fleht um seinen Schutz und eilt zu Agamemnon. Achilles verspricht, sie nicht nur zu schützen, sondern auch zu rächen und selbst den König wegen des Missbrauchs seines Namens zur Rechenschaft zu ziehen; Iphigenie lässt ihn jedoch bedenken, dass es ihr Vater ist, und sucht, denselben zu entschuldigen. Als darauf ihre Mutter, welche der König nicht einmal vor sich ließ, zurückkehrt und alles für verloren hält, wenn Achilles ihnen nicht beisteht, so bedarf es der ganzen Überredungskunst der Iphigenie, um ihn zurückzuhalten. Endlich beruhigt er sich und eilt, die nöthigen Vorbereitungen zu ihrer Rettung zu treffen. Während alle andern über das traurige Geschick, welches Iphigenie erwartet, entsetzt sind, beneidet sie noch Eriphile darum. Sie hat deren Glück gesehen und nähme viel Ungemach auf sich, wenn sie an ihrer Stelle wäre. Dass Iphigenie geopfert würde, glaubt sie nicht; sie ist überzeugt, dass Achilles sie rettet, da man selbst den Ausspruch der Götter, der sie zum Tode bestimmt, unterdrückt und noch nicht das Opfer kennt. Eine dunkle Ahnung sagt ihr, dass sie dafür bestimmt sei. Plötzlich reift in ihr der Entschluss, alle Pläne, welche zur Rettung der Iphigenie führen sollen, zu verrathen, und sie freut sich schon der Ehren, welche ihrer in Troja warteten, wenn sie Achilles auf Agamemnon hetzen könnte und die Griechen, sich selbst befehdend, ihren Kampf mit Troja vergäßen. Nach vergeblichem Warten kommt Agamemnon selbst, um seine Tochter abzu¬ holen. Clytämnestra fragt nach dem Opfer, und als Agamemnon eine ausweichende Antwort gibt, ruft sie ihre Tochter, sie solle kommen, ihr eigener Vater wolle sie zum Altare führen. Aus dieser Bemerkung und an den Thränen der Iphigenie erkennt er nur zu wohl, dass Arcas ihn verrathen. Iphigenie aber stellt ihm ihr Leben zur Verfügung und erklärt, mit derselben Bereitwilligkeit, mit welcher sie ihren Gemahl aus seinen Händen empfangen hätte, auch den Todesstreich entgegenzunehmen; um ihn zu rühren, erinnert sie ihn noch an ihre früheste Jugend und an ihre Pläne für die Zukunft und bedauert besonders das Schicksal ihrer Mutter und ihres Geliebten. Alle ihre Mühe ist vergeblich; ihr Vater zählt ihr auf, was er alles gethan, um sie zu retten; doch die Götter wollen ihren Tod. Nun überhäuft ihn Clytämnestra mit den ärgsten Schmähungen: es soll Hermine, die Tochter der Helena, für die Verbrechen ihrer Mutter büßen, diese sei nicht wert ihrer Heldenthaten, nur aus Herrsch¬ sucht opfere er seine Tochter, und sie werde ihr Kind bis aufs äußerste vertheidigen. Noch schlimmer ergeht es Agamemnon bei seiner Begegnung mit Achilles. Dieser stellt ihn über die Täuschung, welche er mit ihm beabsichtigte, offen zur Rede, will durchaus Iphigenie retten und weigert sich selbst, mit ihm gegen Troja zu ziehen, so dass er ihn seines Eides entbindet und vollständig mit ihm bricht. Gereizt durch den Widerstand Achills und besorgt um seine Macht, ist nun Agamemnon entschlossen, seine Tochter zu opfern; bald aber siegt die Liebe zu seinem Kinde, und er will sie retten, sie aber soll auf Achilles verzichten. Er übergibt sie ihrer Mutter und fordert sie zur schleunigsten Flucht auf, ehe noch Calchas von ihren Plänen erfahren. Jetzt sieht Eriphile den günstigen Augenblick gekommen, um sie zu verrathen. Die Wirkung ihrer Niedertracht zeigt sich nur zu bald: das ganze Heer geräth in Aufruhr und stellt sich den Flüchtlingen entgegen. Iphigenie, untröstlich über die Entzweiung ihres Vaters mit Achilles, gibt nun jeden Widerstand auf und will sich den Griechen ausliefern. Da erscheint Achilles und erbietet sich, sie durch Waffen¬ gewalt zu befreien. Sie lehnt jedoch jeden Beistand ab und weist namentlich seinen Vorschlag, dem Willen ihres Vaters entgegen zu handeln, mit Entrüstung zurück, so dass Achilles, erbittert über das geringe Entgegenkommen, welches er findet, an ihrer Liebe zweifelt und droht, ein entsetzliches Blutbad am Altare anzurichten. Auch Clytämnestra hat noch nicht ihren Widerstand aufgegeben und will ihre Tochter vertheidigen, solange sie lebt. Iphigenie sucht sie jedoch von der Noth¬
RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2