24. Jahresbericht der k. k. Staats-Oberrealschule in Steyr, 1894

54 Schoberstein in Nebel gehüllt war, marschierte doch die junge Schar wohlgemuth bergan. Die Ankunft auf dem Schoberstein erfolgte um 11 Uhr. Gegen den leider sich bald einstellenden Regen fand man Schutz in einem Heustadel, woselbst auch der mitgenommene Mundvorrath verzehrt und einer nahen Quelle lebhaft zugesprochen wurde. Nachdem es zu regnen aufgehört hatte, besuchte man nacheinander die vier „Mauern des Schobersteines, genoss die spärlichen Ausblicke und erfreute sich an der interessanten, den Schülern zumeist fremden Flora des Berges. Reich mit Blumen geschmückt, verließen die jungen Bergsteiger um 1 Uhr den Schoberstein. Der Abstieg wurde durch einen ausgiebigen Gewitterregen erheblich erschwert. Bald nach 2 Uhr fanden alle Schirm und Stärkung im Gasthause „Kammergraber“ zu Trattenbach. Nach dem Mittagessen unterhielt sich ein Theil der Schüler mit Kegelspiel, während andere die spärlichen Regenpausen zu kurzen Spaziergängen in der nächsten Umgebung benützten. Der geplante Besuch des nahen romantischen Wendbachgraben musste der ungünstigen Witterungsverhältnisse wegen unterbleiben. Um 6 Uhr 15 Minuten wurde die Heimfahrt nach Steyr angetreten. — Die Schüler der dritten Classe wanderten unter Führung der Professoren Bauernfeind und Rieger nach Enns. Nachdem sie die in der Stadt befindlichen Überreste aus der Römerzeit besichtigt hatten, begaben sie sich in das dortige Museum, woselbst Herr Landgraf Fürstenberg die Erklärung der gesammelten Gegenstände zu übernehmen so gütig war. Zum Schlusse erfolgte die Besichtigung der Ausgrabungen sowie ein Besuch der altehrwürdigen Lorcher Kirche. Abends führte die Eisenbahn alle Theilnehmer dieses Ausfluges nach Steyr zurück. — Die vierte Classe verließ mit Professor Watzger um ¾5 Uhr früh die Stadt, durchwanderte das Kleinramingthal und erreichte um ¼10 Uhr Neustift. Nach fünfviertelstündiger Rast giengs zum Nellingbachthal und durch dasselbe abwärts. Die Aufsuchung eines von einem Schüler verstreuten Gegenstandes verursachte einen Zeitverlust von 12 Stunden; deshalb wurde Waidhofen a. d. Ybbs erst um 4 Uhr nachmittags erreicht. Eine Besichtigung der Stadt schloss die Wanderung. Die Rückfahrt (über Klein-Reifling erfolgte um 8 Uhr abends. — Die Schüler der fünften Classe wählten Leonstein zum Zielpunkte ihres Ausfluges und schlugen mit den Professoren Babsch und Langer den Weg über das Auergut, die Sass, Aschach und Grünburg ein. In Ober-Grünburg, also nach einem ziemlich anstrengenden Marsch von 18 Kilometern, wurde ein kräftigender Imbiss eingenommen. Da keiner der 11 Schüler ermüdet war, wurde der Marsch schon nach einer Rast von 40 Minuten fortgesetzt. Um 1 Uhr 30 Minuten langte man in Leonstein an, woselbst in dem Gasthause „Wecht“, das Mittagsmahl genommen wurde. Heitere Gesänge mit Clavierbegleitung, Declamationen und Spiele aller Art verkürzten die Zeit des Aufenthaltes. Wegen der um 2 Uhr eingetretenen ungünstigen Witterung konnte das schöngelegene Molln nicht besucht werden; jedoch wurde die 20 Minuten vom Orte Leonstein entfernte neue Brücke über die Steyr besichtigt. Während des Marsches ergab sich vielfach Gelegenheit, den Schülern über physikalische Erscheinungen des Bodens, Süßwasserbildungen im Steyrthale und über die Bewirt¬ schaftung des Bodens so manche Aufklärung zu geben. Um 7 Uhr 17 Minuten wurde die Rückfahrt mit der Steyrthalbahn angetreten. — Die sechste Classe brach mit den Professoren Doleschal und Erb bei herrlichem Sonnenschein um 6 Uhr früh vom Versammlungsplatz „Schnallenthor auf. Der Weg führte zunächst über Stein, Gleink und Dietach nach Hofkirchen. Hier wurde (in Brunners Gasthause) ein stärkender Imbiss eingenommen. Nach demselben wurden einige Studentenlieder gesungen, und dann gieng es flott weiter nach dem Ziele des Ausflugs St. Florian, wo die Ankunft um halb 12 Uhr mittags erfolgte. Nach dem Mittagsmahle und einer ungefähr zweistündigen Ruhepause begab man sich in das Stift St. Florian, dessen Kirche, Gemächer und Sammlungen einer ziemlich gründlichen Besichtigung unterzogen wurden. Höchst befriedigt von den im erwähnten Kloster Gesehenen, verließen die Ausflügler den schönen Ort und marschierten nach der Bahnstation Asten, wo sie noch vor dem

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