Opfer gesetzt; Racine entschied sich für die dritte, welche lautet, dass es außer der Tochter Agamemnons noch eine Tochter der Helena und des Theseus namens Iphigenie gab, und dass diese geopfert wurde), und schuf damit die folgende, zum großen Theil selbständige Handlung. Früh morgens, als das ganze Heer der Griechen noch schläft, weckt Agamemnon seinen Diener Arcas. Erstaunt fragt dieser, warum er schon so früh wach sei, und erfährt von dem Könige, der sich bitter über sein Schicksal beklagt, dass er, beunruhigt über die lange Unthätigkeit der Griechen, sich an die Göttin dieses Ortes mit einem geheimen Opfer gewendet, um die Ursache der andauernden Windstille zu erfahren, und diese ihm durch den Seher Calchas geantwortet habe, dass sie nicht früher gegen Troja ziehen könnten, bis sie nicht Iphigenie ihr geopfert hätten. Ganz betroffen über diesen Ausspruch, habe er sofort beschlossen, das Heer zu entlassen. Doch der Überredungskunst des Ulysses sei es gelungen, da er auch jede Nacht durch Träume beunruhigt werde, ihn zur Nachgiebigkeit zu bewegen, und er habe nach Argos geschickt, damit Iphigenie ins Lager komme, um sie mit Achilles, der sie angeblich zur Ehe verlange, zu vermählen. Voll Besorgnis fragt Arcas, ob er nicht fürchtete, den Namen eines so mächtigen Helden zu missbrauchen; Agamemnon entgegnet ihm, dass Achilles von seinem Vater Peleus zurückberufen wurde, um gegen dessen Feinde zu kämpfen, und er erwartete, dass er dort lange zurückbehalten werde. Gegen alle Voraussicht sei er aber gester nachts zurückgekehrt. Nun wolle er seine Tochter retten, und er übergibt ihm einen Brief, in welchem er mittheilt, dass Achilles sich anders besonnen und mit seiner Vermählung bis zu seiner Rückkehr warten wolle, und er fordert ihn auf, ihr entgegenzueilen und alles aufzubieten, um sie vom Lager der Griechen fernzuhalten. Inzwischen erscheint Achilles und erkundigt sich, was an dem Gerüchte sei, dass Iphigenie kommen und mit ihm vermählt werden solle. Mit Recht ist Agamemnon verwundert, dass er davon hörte. Ulysses aber weist darauf hin, wie unpassend es sei, an Hochzeitsfeierlichkeiten zu denken, während alle anderen voll Trauer über das Unglück seien, welches sie betroffen, und zweifelt an seiner Vaterlandsliebe. Doch Achilles will nur mit Iphigenie vereint sein und dann seinen ganzen Eifer für Griechenland zeigen und als der erste an der trojanischen Küste landen ungeachtet der Weissagung, welche an den Sturz Ilions seinen Tod knüpft. Er drängt auch noch zum Zuge gegen Troja, obwohl Agamemnon ihm erklärte, dass er die Griechen schon genügend an den Trojaner gerächt habe, da er zum Schrecken des ganzen Agäischen Meeres Lesbos verwüstet und von dort ein Mädchen von großer Schönheit, das sich in tiefes Schweigen hüllt, und welches sie für eine erlauchte Prinzessin halten, als Gefangene nach Mycenae geschickt habe; ja er will selbst den Rachezug unternehmen, und aus Rücksicht darauf willigt er sogar in eine Verschiebung seiner Vermählung. Aus dem Verhalten des Agamemnon glaubt Ulysses zu erkennen, dass er seine Ansicht geändert und Iphigenie retten wolle, und warnt ihn, das Volk durch den Bruch seines Versprechens zu reizen. Agamemnon erklärt, sein Wort zu halten und seine Tochter zu opfern, wenn sie ankäme, doch wolle er es als eine günstige Gelegenheit zu ihrer Rettung betrachten, wenn sie zufällig ferngehalten würde. Im nächsten Augenblicke erscheint Eurybate und meldet die Ankunft der Königin, welche Iphigenie bringe und von Eriphile, der jungen Gefangenen aus Lesbos, begleitet sei, die Calchas über ihr Schicksal befragen wolle. Agamemnon ist von dieser Nachricht auf das tiefste betroffen, doch fügt er sich in sein Schicksal; nur will er, dass Calchas noch schweige und Clytämnestra vom Altare ferngehalten werde. Gleich nach ihrer Ankunft zieht sich Eriphile mit ihrer Vertrauten Doris zurück, um die andern nicht in der Begrüßung zu stören und sich selbst ganz ihrer Trauer hingeben zu können. Vergebens sucht Doris, sie mit ihrem Schicksal zu versöhnen, ’) Vgl. die Vorrede zur Iphigenie.
RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2