28 Heureux qui, satisfait de son humble fortune, Vit dans l’état obscur où les dieux l’ont caché (I, 1, 10, 12.) Tandis que vous vivrez, le sort, qui toujours change, Ne vous a point promis un bonheur sans mélange (I, 1. 33, 34). Les dieux sont de nos jours les maîtres souverains (I, 2. 99). Et les plus malheureux osent pleurer le moins ! (I, 5. 8.) Tout déplaît aux yeux d’une captive (II, 1. 7). Un oracle toujours se plaît à se cacher (II, 1. 38). Quels pleurs par un amant ne sont point essuyés ! (II, 3. 14.) Un moment quelquefois éclaircit plus d’un doute (II, 5. 14). Mais il faut des amants excuser l'injustice (II, 5. 49). Quel père de son sang se plaît à se priver? (III, 6. 67.) Il faut des actions, et non pas des paroles (III, 7. 31). Un bienfait reproché tint toujours lieu d'offense (IV, 6. 91). Sie alle gehen aus der Situation und dem Charakter des Redenden hervor, stehen mit dem Ganzen in innigem Zusammenhange und lassen nirgends den Schein aufdringlicher Weisheit aufkommen. Mehr berechtigt scheint der Vorwurf, dass der Dichter zwischen den einzelnen Personen keinen Unterschied macht; in der That sprechen alle Personen dieses Stückes dieselbe vornehme Sprache, und besonders Arcas wird dafür als Beispiel angeführt. Dieser ist aber nicht der Diener, sondern der Vertraute des Königs und wird als solcher auch von Agamemnon behandelt. Die Forderung, jede Person stets ihrer Stellung und ihrem Bildungsgrade gemäß sprechen zu lassen, ist selten streng durchgeführt worden, und es wird selbst als ein Vortheil angesehen, wenn sich die Dichtkunst auf eine etwas höhere Stufe des Lebens erhebt. *) Es erklärt sich diese Erscheinung aus dem all¬ gemeinen Streben jener Zeit nach feinem höflichen Benehmen und retorischer Sprechweise 2), das vom Hofe ausgieng und sich rasch auf die maßgebenden Kreise ausbreitete, hinter welchem sich aber oft noch große sittliche Roheit barg. Wenn alle Personen dieses Dramas dieselbe vornehme Sprache führen, so weichen sie daher nicht so sehr von der Wirklichkeit ab, als es auf den ersten Anblick scheint. Aller¬ dings darf unter „Wahrheit nicht eine treue Nachbildung der Natur verstanden werden, welche kein „Stilisieren“ und „Idealisieren“ gestattet; um ein naturwahres Bild von einem Menschen zu bieten, muss aber, wie A. v. Berger treffend nachweist, 3) nicht bloß derselbe geschildert werden, wie er in Wirklichkeit ist, sondern auch wie er zu sein glaubt und sein will. Obwohl der vornehme Ton und die rhetorische Sprache in diesem Drama vorherrschen, so verstand es der Dichter doch auch mitunter, für seine Personen eine charakteristische Ausdrucksweise zu finden, und es enthält die „Iphigenie", einige treffende Beispiele dafür. Ganz anders tritt Agamemnon Eurybate gegenüber, welchem mehr als Arcas die Rolle eines Dieners zukommt, und schnell macht er seiner Rede ein Ende (I, 4). Wie deutlich zeigt sich seine Schwermuth in der 2. Scene des II. Actes, wo Iphigenie nur mühsam einige Worte ihrem Vater entlockt und sein Verhalten sie sofort ein Unglück ahnen lässt! Fast sprachlos sind alle Personen über die Absicht des Agamemnon, seine Tochter zu opfern, und nur in einzelnen Worten drücken sie ihre Bestürzung aus (III, 5). Die Mittheilung von dem Verrathe der Eriphile versetzt Clytämnestra in die höchste Erregung, so dass sie fast ohn¬ mächtig vor Schmerz nur in abgerissenen Sätzen ihre Verwünschungen ausspricht (V. 4). Mit völliger Ruhe tritt Achilles in der 6. Scene des IV. Actes vor Aga¬ *) Vgl. W. Scherer a. a. O. S. 239 f. und F. Brunetière a. a. O. S. 334. 2) Vgl. H. Taine a. a. O. S. 175 ff. 3) A. a. O. S. 95 ff.
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