18 herab. Die beiden folgenden Scenen enthalten die Erbitterung der Clytämnestra, die Drohungen Achills und die Bemühungen der Iphigenie, ihren erregten Geliebten von einer Begegnung mit ihrem Vater abzuhalten, als Übergang zur fallenden Handlung und bilden mit dem verheißungsvollen Versprechen Achills, Iphigenie noch zu retten, einen vortheilhaften Schluss. Die ersten zwei Scenen des folgenden Actes geben zunächst eine Schilderung von der veränderten Lage, in welche das tragische Moment die einzelnen Personen des Stückes gebracht hat, und machen uns namentlich mit der gedrückten Stimmung der Eriphile und ihren nächsten Plänen vertraut. Den übrigen Theil des vierten Actes nimmt die fallende Handlung in drei Abtheilungen ein. Die erste umfasst die 3. und 4. Scene: Agamemnon kommt selbst, um seine Tochter abzuholen; Iphigenie macht ihre letzten Versuche, ihren Vater umzustimmen, er aber bleibt bei seinem Vorsatze und wird von Clytämnestra aufs heftigste geschmäht. Scene 5, ein kurzer Monolog des Agamennon, verbindet damit den zweiten Theil: das Zusammentreffen Agamemnons mit Achilles und ihre Entzweiung, Scene 6, welche ebenfalls in einem Monologe, Scene 7, in Agamemnon den Entschluss reifen lässt, seine Tochter wirklich zu opfern. Der dritte Theil enthält drei dramatische Momente: die plötzliche Abänderung des früheren Entschlusses und das Verlangen des Agamennon, dass Iphigenie auf Achilles verzichte, Scene 8, die Erkenntnis seiner Ohnmacht gegenüber den Göttern und die Ergebung in ihren Willen, Scene 9, und seinen Auftrag zur Flucht, Scene 10. Die letzte kurze Scene bietet mit dem Entschlüsse der Eriphile, alles zu verrathen, einen besonders spannenden Schluss. Auch der fünfte Act beginnt mit einer einleitenden Scene, welche die Entschließungen enthält, zu welchen Ihigenie durch die Vereitelung ihrer Flucht, durch den allgemeinen Aufstand des Heeres und das Verbot ihres Vaters, je wieder mit ihrem Geliebten zu sprechen, gebracht wird. Daran schließt sich als Moment der letzten Spannung das Anerbieten des Achilles, sie vor der Wuth des Volkes zu beschützen, seine Aufforderung, ihm zu folgen, seine Erbitterung wegen der Ablehnung dieser Vorschläge und die Ankündigung seines Kampfes. Die zwei folgenden Scenen bilden den Übergang zur Katastrophe, über die zum Theil schon in der 5. und ausführlich in der letzten Scene berichtet wird, und bereiten zugleich den für Iphigenie günstigen Ausgang derselben vor. Dieselbe Sorgfalt, die der Dichter auf den Bau der einzelnen Acte verwendete, und welche sich namentlich in der Gliederung derselben, einer kurzen Einleitung, einem Höhepunkte und einem besonders wirksamen Schlusse, zeigt, ist auch bei den einzelnen Scenen zu bemerken. Durch den Wechsel von ausgeführten und verbindenden Scenen werden vor allem die einzelnen Theile deutlich von dem Ganzen abgesondert, durch Hervorhebung der Hauptsache wird das Verständnis gefördert und bei ausgeführten Scenen dieselbe Gliederung wie bei den Acten in Beginn, Steigerung und Schlussergebnis beobachtet. Selbst die Monologe, die stets einer bewegten Scene nachfolgen und einen Ruhepunkt in der Handlung darstellen, weisen, obwohl von äußerster Kürze, denselben dramatischen Bau auf; nur der erste Monolog des Agamemnon im vierten Acte ist nichts als eine kurze Unterbrechung zwischen zwei äußerst bewegten Scenen und von keiner weiteren Bedeutung. III. Mehr Anlass zu Meinungsverschiedenheiten gibt der nächste Punkt, der uns beschäftigen soll, die Charakteristik der einzelnen Personen. Hier hat der Dichter besonders Gelegenheit, die Ansichten seiner Zeit hervorzukehren. Bei Racine ist Iphigenie vor allem die Tochter des mächtigen Königs, voll Stolz auf die Stellung ihres Vaters und sich des hohen Ranges stets bewusst. Bei ihrer Ankunft
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