17 memnon in seiner ganzen Unselbständigkeit zeigt, der, zuerst geblendet durch seine Macht, sich zum größten Opfer bestimmen lässt und erst, als es bereits zu spät ist, der Stimme seines Herzens folgt und Iphigenie vor seiner Schwachheit, wie er es selber nennt, retten will und damit soviel Leid über seine Familie bringt; so charakterisiert der zweite Theil der Exposition, welcher über Achilles Auskunft gibt, ihn zugleich als ungestümen Liebhaber, dem Ehre und Ruhm über alles geht. Mit der zweiten Scene ist aufs engste das erregende Moment verknüpft, welches in dem Entschlusse des Agamemnon besteht, den Kriegszug gegen Troja aufzugeben. Damit ist der Beginn der Handlung gegeben; sie äußert sich darin, dass Achilles, der alle Einwendungen des Agamemnon widerlegt, bei dem einmal gefassten Plan, Troja zu bekriegen, beharrt, und dass Ulysses (in der 3. Scene) dem Agamemnon die Gefahren vorführt, welche er gegen sich heraufbeschwört, wenn er das Volk durch seinen Widerstand reizt. Sie wirkt zugleich exponierend, da sie die zwingenden Umstände darlegt, unter welchen Agamemnon handelt. Jetzt folgt die erste Steigerung, die unerwartete Nachricht von der Ankunft der Iphigenie, welche den bisherigen Rettungsplan vollständig vereitelt. Die 5. Scene zeigt die Wirkung dieser Meldung auf Agamennon, der davon ganz gebrochen ist und sich schließlich in den Willen der Götter ergibt, und enthält einen passenden Abschluss, da sie einen klaren Einblick in den Gang, welchen die Handlung nehmen kann, gewährt. Der zweite Act bringt nach einer kurzen Einleitung in einer ausführlichen Scene Aufschluss über die bisherigen Schicksale der Eriphile, das Geständnis ihrer Liebe zu Achilles und ihrer Falschheit und lässt durch ihr Verhalten gegen ihre Freundin zugleich durchblicken, wessen sie in ihrer Eifersucht noch fähig ist. Dieser einleitenden Scene schließt sich die weitere Steigerung der Handlung in zwei ähnlich gebauten Theilen an. Der erste Theil enthält nach zwei vorbereitenden Scenen (Begrüßung Agamemnons durch seine Tochter, ihr kalter Empfang und die Befürch¬ tung irgendeines bevorstehenden Unglücks, ihre Klage vor Eriphile über das befremdende Verhalten ihres Vaters und die Zurückhaltung ihres Geliebten) die Mittheilung der Untreue des Achilles und als Folge davon den Entschluss, nach Argos zurückzukehren, und die bewegte Scene, in welcher ihre Eifersucht gegen Eriphile in den lebhaftesten Worten ausbricht. Viel Ähnlichkeit in der Anlage zeigt mit diesem Theile der zweite. Er besteht in dem Zweifel des Achilles, ob Iphigenie ihn auch liebe. Die Befürchtung, keine Gegenliebe mehr zu finden, steigt in ihm bei ihrer kurzen Begegnung plötzlich auf, da sie so schnell vor ihm entflieht, wird in der Unterredung mit Eriphile noch gesteigert und drängt ihn nach Aufklärung über dieses überraschende Verhalten. Der Ärger der Eriphile, dass sie sich in ihren Hoffnungen getäuscht sieht, schließt diesen Act wirksam ab, und ihre Bemerkung, dass dem Glücke der Liebenden doch noch Gefahren drohen, die sie hoffen lassen, dass sie noch gerächt werde, ist besonders geeignet, die Spannung regezuhalten. Besonders kunstvoll ist der dritte Act gebaut. Nach einer Vorscene, welche über das Verhältnis der Liebenden Klarheit bringt, folgt ein kurzer Monolog, in welchem Clytämnestra sich aus Freude über das Glück ihrer Tochter trotz aller Bedenken in die seltsame Forderung des Agamemnon, dass sie vom Altare fernbleibe, fügt, der aber zugleich beim Zuschauer die Ansicht aufkommen lässt, dass noch andere, wichtigere Gründe als die, welche vorher Agamemnon angegeben oder sie erwähnt hat, dabei mögen mitgewirkt haben. Hierauf führen zwei Scenen, welche die Liebenden in ihrem Glücke zeigen (Achilles bringt die Einwilligung des Agamemnon zur ihrer Verbindung, und Iphigenie erbittet sich als erstes Liebespfand die Freilassung der Eriphile), zu dem Höhepunkte des Dramas, welcher in der Aufforderung des Arcas an Iphigenie liegt, ihm zum Altare zu folgen. Damit steht unmittelbar das tragische Moment in Verbindung, der Verrath des geheimen Planes des Agamennon, seine Tochter zu opfern, und stürzt Iphigenie und alle, die ihr nahestehen, jählings von ihrem Glücke
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