— 14 Für römische Ueberbleibsel in dieser Gegend sprechen auch die vorkommenden Namen Hen-Walcharen, für Höhndorf und Wallern im 13. Jahr hunderte gebraucht, und Wall-Leiten. Hier war ferner der natürliche Uferwall der Donau durch den Kesselbach unterbrochen und gegenüber das Rannathal, so dass wir ein Castell mit Sicherheit annehmen und sogar einen kleineren Aussenposten bei Wesenurfahr oder auf der Höhe von Oberwesen vermuthen dürfen, sowie es wahrscheinlich ist, dass donauaufwärts bei Mühlbach, Kasten Krämpelstein kleinere Warten bestanden. Um die tiefe Schlucht des Kesselbaches zu umgehen, musste die Straße einen weiten Bogen landeinwärts machen; sie gelangte dabei über Wallern und Straß bei St. Sixt nach Waldkirchen und lief von hier in der Richtung der sogenannten Schiffer straße (der Straße, der sich als kürzeste Linie die Donauschiffer bei der stromaufwärts zu Füsse gebräuchlichen Rückkehr bedienten) auf dem Kamme der Donauleiten über Erledt, Stein und Straß in die Nähe des nächsten wichtigen Castells; die steil eingeschnittene Schlucht des Kesselbaches erlaubte aber nicht ein direktes Absteigen, sondern zwang zu einem neuen großen Umwege über Scharzeröd und Falling bis Haibach, von wo endlich die Station und Festung Joviacum, heute Schlögen, erreicht wurde. Dass neben dieser Straße am Donaufer selbst zwischen diesem und Engelharts zell ein Saumpfad bestand, ist wahrscheinlich. Joviacum liegt an einer merkwürdigen und in betreff der Grenze gefährlichen Stelle. Am Ende eines Grabens, der von der Höhe des Uferrandes zum Strome herabführt, springt das jenseitige Ufer mit einem 5 Kilometer langen, aber an der Basis nur 1 Kilometer breiten Felsrücken in das diesseitige vor; ein solcher Vorsprung war eine natürliche Warte des Feindes, der Graben des Freinthallerbaches eine natürliche Bresche im Schutzwalle, somit die Anlage eines Castelles erfordert. Dasselbe war ein längliches Viereck mit abgerundeten Ecken, 113 % lang 75 % breit, mit Mauern von 18. Dicke auf einer ebenen Stelle zwischen Freinthaller- und Mühlbach 95 % über dem Strombette der Donau, mit den Schmalseiten genannten Bächen, mit der Langseite dem Strome zugekehrt. Am linken Ufer des Freinthallerbaches wurden Reste von vier grösseren, mit Badeanlagen ausgestatteten Gebäuden gefunden, verschiedene Münzen und dgl. In späteren Zeiten lag hier eine Abtheilung Liburnarier, d. h. Pioniere unter einem Praefecten zur Bewachung der Donau. Zur Zeit der höchsten Gefahr in den Tagen Severins scheint aber die Bewachung sehr nachlässig gewesen zu sein oder die Einwohner zu vertrauensvoll auf ihre festen Mauern; Thatsache ist, dass trotz Severins Warnung und Ersuchen die Stadt wegen drohenden Ueberfalles zu verlassen, dies nicht geschah, dieselbe in einer Nacht von Heruler überfallen, die Einwohner gefangen oder getödtet und der Ort zerstört wurde. Nach diesem kleinen Excurse setzen wir unseren Weg fort. Von Joviacum zog die Straße an der Ruine Stauf vorüber nach Hilkering bis Pfaffing bei Hartkirchen; hier zweigte eine Straße zu einem Castelle ab
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