90 Jahre Fachschule für gestaltendes Metallhandwerk an der HTL Steyr

• 7 • Der Stahlschnitt in Steyr -Tradition und Verpflichtung Die künstlerische Bearbeitung des Metalles durch Eisenschnitt geht in die Antike zurück. Das Treiben, Tauschieren, Ätzen und Gravieren sind als Vorstufen des Eisen-schnittes zu bezeichnen. Vor allem die Tauschiertechnik - das Einhämmern von andersfärbigen Metall– drähten - führten die Mauren, Perser, Inder und Japaner aus. Das mittelalterliche Ritterwesen brachte diese Technik zu einer Hochblüte. Nach dem Gravieren gewann dann der Eisenschnitt immer mehr an Bedeutung. Der Übergang vom Oberflächendekor zur Durchbruchsplastik ließ noch lange auf sich warten. Zunächst wurde der Eisenschnitt als zusätzlich schmückende Kunst an fertigen Gegenständen, aber nicht als eigene Kunstform verwendet. Die zweite Wurzel des Eis~nschnittes ist bei den Schlossern des Spätmittelalters zu finden. Ohne diese Bearbeitung;form wären die komplizierten Schloßkonstruktionen nicht herzu– stellen gewesen. Der dritte Ursprung war der noch viel geübte Prägestempelsqhnitt. Die Renaissance verzeichnete eine Hochblüte der Eisenschnittkuns.t. Bedeutenden Ein– fluß darauf nahmen Künstler wie Albrecht Dürer (1471 bis -1528), Augustin Hirschvogel (1503 bis 1553), Hans Burgkmair (1473 bis 153l}und Hans Sebald Beham (1500 bis 1550). Von den italienischen Meistern soll vor allepi Benvenuto Cellini (1500 .bis 1573) genannt werden. Damals und noch heute ist der Eisenschnitt bei Messern die materialgerechte Bear– beitung. Die Messerschmiede wurden so die bevorzugten Träger dieser Kunst. Auch der Steyrer Michael Blümelhuber erlernte dieses Handwerk! Steyr war seit dem Mittelalter Hauptsitz der Messerschmiede. Augenfälliger Beweis sind u. a. die interessanten Objekte der Lamberg?schen Messersammlung im Heimathaus. Iri der traditionsreichen Eisenstadt wurden Türklopfer und -ringe in Eisen geschnitten und.verwendet. Der Blütezeit folgte ein langsamer Verfall im Zeitalter des Rokokos. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts und in den folgenden Jahrzehnten kam es zu einer Wiederbelebung dieser Kunst, der eine von Ritzinger, Zimpel, Blümelhuber, Gerstmayr begründete und noch immer währende Blütezeit folgte. Vor genau 110 Jahren wurde für den Nachwuchs in der allgemeinen Eisenbearbeitung ein eigener Schultyp in Steyr ins Leben gerufen. Am 8. Februar 1874 nahm im Realschulgebäude die vom Handelsministerium gegründete k. k. Fachschule für Eisen- und Stahlbearbeitung (Eisenindustriefachschule) den Unter– richtsbetrieb auf. Schon vier Jahre später wurde dieses Institut zur "k. k. Vereinigten Ver– suchsanstalt und Lehrwerkstätte für Stahl- und Eisenindustrie" erweitert. Im Bereich dieser Schule richtete man 1894 eine Lehrstelle für Gravieren und Ziselieren ein - die Schaffung der im Jahre 1984 das runde Jubiläum feiernden "Fachschule für gestaltendes Metallhand– werk". Diese Schule führt mit ihren Lehrern und Schülern in den einzelnen Fachrichtungen die Tradition des schon lange in Steyr heimischen Stahlschnittes fort.

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