60 Jahre Rotary Club Steyr 1929-1989

--------•-------- Die Brucknerstiege im laufe der Jahrhunderte Vor mehr als tausend Jahren wurde die Styraburg zum erstenmal urkundlich genannt. Sie hat sicherlich, wie die Ennsburg, schon vorher längere Zeit bestanden. Die den heiligen Ägidius und Koloman geweihte Kir- che in Steyr wird erst im Jahre 1275 in einem Konflikt zwischen dem Pfarrer von Sindelburg und dem Abt von Seitenstetten genannt. Die Lage der alten Kirche auf einem nach drei Seiten abfallenden Plateau läßt vermuten, daß sie als Wehrkirche erbaut worden war, in welcher die Bürger der Stadt wie in der Styraburg im Falle einer Bedrängung Zuflucht finden konnten. Mit der Erhebung zur Pfarrkirche um 1300 waren auch die Begräbnisse zugelassen. Zwischen den beiden Anfangspunkten - der Styra- burg und der Pfarrkirche - entwickelte sich an der parallel zur Enns führenden Straße der Stadtplatz als Kern der Steyrer Altstadt. Der große Stadtbrand von 1302 zerstörte die Pfarrkir- che. Nach ihrem Aufbau im romanischen Stil, war sie, wie aus Stiftungen zu ersehen ist, mit einer Orgel, einer Emporekirche, auf der sich drei Altäre befanden, aus- gestattet. Die Pfarrkirche, das Stadtbild hoch überragend und diese mit dem großen gotischen Chorhaupte beherr- schend, die Margaretenkapelle, der ehemalige Fried- hof, der wuchtige Stadtpfarrhof, das reizvolle Mesner- haus und die uralte Brucknerstiege bilden noch heute einen von der Stadt gesonderten Bezirk . Die direkte befahrbare Verbindung zwischen dem Stadtplatz und dem abgerissenen Gilgentor auf dem Brucknerplatz war der Kirchweg, die heutige Pfarr- gasse. Die Besonderheit dieses Straßenzuges sind die gestaf- felten Häuserfronten an der Kirchenseite schräg zur Längsachse der Gasse. Durch diese Aufstellung ist es möglich, aus den Fenstern auf die Gasse herunter zu blicken und aus einemFenster heraus die Straße hinauf zu beobachten. Die hatte ohne Zweifel eine strategische Bedeutung. Man konnte Feinde, die durch das Gilgen- tor eingedrungen waren und zum Stadtplatz hinunter- stürmten, Abwehrmaßnahmen entgegensetzen. Die Verbindung zum kirchlichen Bereich, die lediglich von Fußgängern zu bewältigen war, war die Friedhof- stiege. Eine Vorgängerin dieser Stiege ist imWiederauf- bau nach dem Stadtbrand von 1302 entstanden. Sie wurde als „Frey thofstiege'; also als Friedhofstiege am 20. November 1399 - vor fast genau 590 Jahren - genannt. Damals verkaufte Abt Florian von Garsten, sein„hawsze Steyr, stösset statthalben an den Freythof und gelanget vor an die Freythofstieg und ist weilent (früher) der Pfarrhof gewesen!" Damit ist das heutige Haus Pfarrgasse Nr. 11 gemeint. Die genannte Fried- hofstiege ging also durch den ehemaligen Pfarrhof .

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