60 Jahre GWG Steyr

33 langen Geschichte der Sozialdemokratie keine Berüh- rungsängste vor Journalisten, Intellektuellen und Fach- leuten zeigte, die entweder einer anderen oder keiner Partei angehörten. Symptomatisch für diese Eigenschaft war sein Antrittsbesuch beim Kardinal Erzbischof von Wien Franz König nach seinem Wahlerfolg. Seine lockere und dennoch bestimmte Art zu plaudern kam auch beim Publikum nach dem ersten TV-Duell der österreichischen Fernsehgeschichte mit seinem Kontra- henten Josef Klaus bestens an. Peter Michael Lingens schreibt über ihn: „Was Bruno Kreisky auszeichnete, war nicht überragender Intellekt, sondern gesunder Haus- verstand, gepaart mit sehr viel Fantasie und noch mehr Intuition. Diese Trias bescherte Österreich einen atembe- raubenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auf- bruch.“ Auch in Steyr hielt das „moderne Österreich“ Einzug. Dabei sollte kaum „ein Stein auf dem anderen bleiben“. So wurde im Jahr 1971 zunächst mit dem Bau der Um- fahrungsprojekte „Seifentruhe“ und „Hundsgraben“ be- gonnen, deren Pläne schon seit 1959 in der Schublade lagen. Bereits im November 1973 konnten die Zeitungen vermelden: „Die Schönauerbrücke wird eröffnet, der Ver- kehr aus der Innenstadt verbannt.“ Noch im Dezember desselben Jahres wurde in der Pfarrgasse Steyrs erste Fußgängerzone freigegeben und damit ein neues Ein- kaufsgefühl vermittelt. Eiskalter Wind wehte dem neuen Bürgermeister Franz Weiss entgegen, der im Oktober sein Amt antrat. Nach der Ablöse seines kränklichen Vorgängers, Josef Fellin- ger, bemühte sich Weiss, alle liegen gebliebenen Projek- te rasch einer Entscheidung zuzuführen. Dabei hatte er nicht mit dem Widerstand der erprobten Kulturerhalter gerechnet. Zwar fielen in der ersten heißen Umbaupha- se das Landgut Neulust, die Stohl-Villa, die Werndl-Villa und der Schönauer Stadl der Spitzhacke zum Opfer, aber beim Schiffmeisterhaus und beim gefährdeten Wehrgra- ben liefen die Abbruchgegner zur Höchstform auf. Der Bürgermeister musste sich geschlagen geben, doch weiß er heute (2012) mit 91 Jahren, dass ihn diese Kon- frontation auch reifer und verständnisvoller gemacht hat. Sportliche Glanzlichter und eine Tragödie Neben der großangelegten Umgestaltung der Stadt sorg- ten Anfang des Jahrzehnts in Steyr wieder einmal die Paddler für Furore: Zunächst wird Günther Pfaff 1970 gemeinsam mit Gerhard Seibold Weltmeister im K2 über 1.000 Meter und Bronzemedaillengewinner über 500 Meter. Ihm folgten 1971 Kurt Preßlmayr, Hans Schlecht Wohlstand und Zufriedenheit machen sich breit.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2