250 Jahre Christkindl - 1708-1958

aller Gnadenbilder. Das Wachsfigürdten, mit Postament 12 cm hoch, ist in einem kleinen silbergetriebenen Gnadenschrein mit Rocailleumrahmung (wohl von 1756) geborgen. Da runter dient a ls Tabernakel die in Kupfer getriebene und vergoldete Weltkugel, als Aussctzungsthron darüber das ßudt mit den sieben Siegeln. An der Vorderbrüsrung der Leuchterbank sind in Vertiefungen Reliquien geborgen. Die 1810 abgelieferten Rocailleumrahmungen wurden durd, Nach– ahmungen ersetzt. Dazwisdten die von ca. 1715 stammenden Emailmedaillons mit Szenen aus der Kindheit Jesu. Das Speisgitter mit eisengesdtmiedeten Dok– kenformen stammt von ca. 1760. Die GesamtkomposiCLon des Hochaltares ver„ wendet Ideen Fischers von Erlach (Kollegicnkirdte, Franziskanerkirche in Salz– burg), verzichtet aber auf a lle Architektur und löst sich frei vom Apsishinter– grund. Sie bildet damit ein einzigartiges Werk österreid,ischen Barocks. Die Seitenaltäre entbehren in gleicher Weise fast jeder architektonisd1en Glie– derung. Aus mädtrigen Füllhörnern quillt schweres Akanthusgerank, das lodernd um Haupt und Oberbild züngelt. Diese ornamentalen Teile enmanden um 1690 (vgl. Seitenaltäre in Garsten) und wurden den aufgemachten Altarbildern erst später adaptiert. Die Begleitfiguren stammen aus der Werkstatt des Garsrner Laienbruders Marian Riuinger: am Marienaltar Joachim und Anna mit Maria, gute Arbeiten von c,. 17 10; am Kreuzaltar der reuige Petrus und Veronika mit dem Schweißtuch, derbere Werke von späterer Hand. Das Haupt– bild dieses Altares zeigt die Kreuzigung, ein Jugendwerk von Karl Loth. Die Komposition mit einer ohnmächtig hinsinkenden Maria ist, wie Loch es manch– mal liebt, diagonal stark nach links versdtoben und wird erst durdt überlegte Verteilung starker Beleuduungseffekte wieder ins Gleichgewidit gerückt. Der Hintergrund verdämmert in tiefem Rotbraun. Im Marienaltar bringt Reslfeld die Geburt Christi mit der Anbetung der Hirten von jener gedrängten Fülle, die von den Garstner Chronisten an ihm so gerühmt wurde. Davor steht in einem Rokokosdirein eine Maria mit dem Jesukind von ca. 1700, Fassung von Franz Wittmann um 1800. Die l}anzel am südwestlichen Vierungspfeiler ent– stand 1751. Auf den Kantenvoluten des Korbes und am Sdtalldeckel sitzen Putten mit Symbolen göttlidter Gesetzgebung, ein Erzengel Michael bildet die Krö• nungsfigur. Das Absdtlußgiuer von 1761 zeigt den Namen Jesu und sd,weres Rocaillewerk. Die seitlichen Nisdten der Eingangshalle dienten für zwei ßeidit– stühle, die um 1810 verkauft wurden. Sie glidten den bei den Seitenaltären auf– gestellten. Zum Heiligen Grab gehören zwei große Barockengel, von denen einer das Scbweißtudi mit dem Antlitz Christi, der andere Leidenswerk,:euge trägr. Wohl die ursprünglid,sten Begleitfiguren vom Kreu2altar. Der Auferstandene (Höhe 85 cm) stammt von Hans Spindler um 1630, Fassung erneuert. Spindler ist der Sdtnitzer der Frühbarockaltäre in Garsten, und die Figur ist wohl von dort nach Christkindl gelangt. Die schöne Barockkrippe, im älteren Bestand von ca. 1725, umfaßt die Hirtenschlafgruppe, Anbetung der Hirten, Anbetung der Weisen und Besdtneidung. Christkind und Schleppträger der Könige fehlen. Im Pfarrhof befindet sidt seit jüngerer Zeit eine große mechanische Krippe, die von dem 1936 verstorbenen Schlosser Karl Klauda aus Neuzeug bei Sierning stammt. Das Werk ist volkskundlich interessant. Klauda fuhr mit einer ähn– lichen, auf einem Wagen montierten Krippe mit zwei Pferden früher durch die Länder der alten Monarchie, ja sogar ins Ausland und kam bis Neapel. 21

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