125 Jahre Gesellschaft der Musikfreunde Steyr 1838-1963

um den Zorn seines Herrn geweckt, der die Steyrer bereden wolle, ihn nicht aufzunehmen. So wenig Verständnis finde er bei seinem Herrn, dem er acht Jahre treu gedient. Er bittet nun seinen Gönner, für ihn ein gutes Wort beim Rat von Steyr einzulegen, damit dieser sich durch nichts abhalten lasse, ihm die Organis tenstelle zu geben. Außerdem bittet er, seine Frau und die Kinder bald nach Steyr bringen zu dürfen, damit sie nicht in der kalten Jahreszeit übersiedeln müßten . Er hoffe auf das in der Bestallung vereinbarte Zimmer, das er zugewiesen bekommen solle. Er beteuert, daß Herr von Puchheim aus seiner Suppli- cation genau entnehmen könne, daß er, Peuerl, 11 selbst umbden Dienst geraist" sei. Aus jedem Wort spricht der Wunsch, von Horn wegzukommen, und daß kein noch so lockendes Versprechen Horns ihn halten könne. Dieses Bemühen wird um so verständlicher, wenn man anderen Quellen entnimmt, daß Horn zu dieser Zeit einem Feldlager glich, daß seit dem protestantischen Landtag der Stände Einquartierungen die Bürger bedrängten und ein Katholik klagend an den Abt von Altenburg schrieb : 10 II" •• und stecken dahero die Unter- thanen in große Furcht und Drangsal . .. " Daß auch die Stadt Steyr das ihre tun wollte, die beiden Homer zu bekommen, erfahren wir aus einem ihrer Briefe an Tydeus (28. September 1609) . Sie boten darin ihm und Peuerl an, ihre Sachen nach Krems zu bringen, von wo sie der Kassier der Eisenhandelsgesellschaft auf seinem Schiff nach Steyr befördern würde. Auch ihre Familien sollten sie beizeiten nach Steyr schicken. Wie und wann die Übersiedlung stattfand, wissen wir nicht, doch wenn es auch noch einige Dispute hin und her gegeben haben wird, nach Steyr kamen beide, und das nächste, was wir von Peuerl hören, hören wir von ihm als dem 11 Stat-Organisten Paulsen Peyrl" . 11 Als Wirkungskreis kam für den Organisten der evangelischen Kirche damals nur die Schul- kirche im ehemaligen Dominikanerkloster in Frage . Die Pfarrkirche war 1598 nach Vertrei- bung der Protestanten wieder katholisch geworden. Die Schlüssel der Spitalkirche hatte seit 1600 der Abt von Garsten in Verwahrung, und die Bruderhauskirche in der Vorstadt (Steyr- dorf) lag schon zu weit abseits, um noch in Betracht zu kommen. In der Schulkirche war seit 15 59 12 der evangelische Gottesdienst gehalten worden, und 1608 zog Valentin Lang als erster lutherischer Prediger wieder in sie ein. Die Sorge für Orgel und Kirchenmusik wurde nun Peuerl übertragen, doch auf seine ordnunsgemäße, urkundlich gesicherte Bestallung mußte er noch bis 1614 warten. Das bedeutete, daß er bis dahin nur unregelmäßig und unzureichend bezahlt wurde und außer- dem nicht genau über seine Rechte und Pflichten informiert war. Es blieb ihm also nichts anderes übrig, als dasselbe zu tun, was seine Kollegen vor und nach ihm taten. Er schrieb Gesuche an Bürgermeister und Rat der Stadt : II" • • sie wölln mir nit für übl haben, daß ich 39

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