Sonderdruck zur Feier des 125jährigen Bestehens der Schuie am Michoeierpiotz
Grußworte nst und Spon J, ^ * ■' ■' yDr.HilckHawr^iik'^ Es ist mir eine besondere Freude, dem Bundesreoigymnasium Steyr zu seinem 125jährigen Bestehen meine herziichen Giückwünsche aussprechen zu können. Nicht vieie unserer mehr eis 300 oiigemeinbiidenden höheren Schuien können out eine so ionge Vergan genheit zurückbiicken. Ein solcher Rückblick zeigt aber auch, daß durch das Zusammenwirken von Eitern, Lehrern, Schülern und Schulleitung das Bundesreaigymnasium Steyr den pödagogischen Erfordernis sen der Zeit immer wieder gerecht werden konnte, Mein Dank gilt allen, die dem Bundesreaigymnasium Steyr verbunden sind, und ich wünsche allen an der Biidungsarbeit Beteiligten viel Freude und Erfolg für ihre weitere Tötigkeit. Dr. Hilde Hawlicek Bundesminister für Unterricht, Kunst und Sport ■■■*
Bildung erleichtert Lebensglück Daß dos Bundesrealgymnasium Steyr zu den ältesten drei tiöheren Bundesschuien Oberösterreictis zäiiit, ist kein Zufall, Dies ist vieimetir der Ausdruck der Blüte, die die Eisenstadt im vorigen Jakirtiundert im Zuge der tecinnischen und wirtschaftiictien Entwicklung genom men inat. Aucii wenn diese Region iieute Sctiwierigkeiten in manctien Bereictien iiat, so ist sie doch weiterhin eines der wichtigsten Wirtschaftszentren unseres Lan des. Eine wesentliche Grundlage dafür bildet der hohe Ausbiidungsstand der Bevölkerung, zu dem das Bun desrealgymnasium seit nunmehr 125 Jahren einen wichtigen Beitrag leistet. Damit zeigt sich auch hier, daß eine solide Bildung so wohl den wirtsohaftiichen und beruflichen Erfolg, als auch das Lebensgiück Insgesamt erleichtert. Anläß lich dieses schönen Jubiläums möchte ich allen Schuiverantwortiichen für ihr Bemühen um die Bildung der Jugendlichen herzlich danken. Den Schülern wünsche ich insbesonders, daß sie mit ihrer gediegenen Ausbil dung sowohl im Beruf als auch bei der persönlichen Lebensgestaitung den entsprechenden Erfolg finden. Dr. Josef Ratzenböck Landeshauptmann
Das Bundesrealgymnasium Steyr feiert heuer sein '125jährlges Bestehen. Damit Ist diese Schule außer halb von Linz die älteste öffentliche höhere Schule. Wie jung und attraktiv das BRG Steyr geblieben Ist, zeigt sich daran, daß es nun Im Jubllöumsjahr mit 32 Klassen und mehr als 900 Schülern eine der größten höheren Schulen In Oberösterreich Ist. Beachtlich Ist aber nicht nur die 125jöhrlge Tradition dieser Blldungslnstitution, sondern vor allem auch die zeltgemöße gute Zusammenarbeit, die die Schulpart nerschaft Im Bundesrealgymnasium Steyr kenn zeichnet. Es wird sicher auch in Zukunft darum gehen, unter den Bedingungen einer Großorganisation die Geslohtspunkte der Qualltöt und der Mensohlichkelt zu verwirk lichen. Allen derzeit Im Bundesrealgymnasium Steyr tötigen Mitgliedern des Lehrkörpers, der Elternverelnigung und der Schülerschaft seien viele gute Wünsche für eine gedeihliche Zukunft ausgesprochen. Der Amtsführende Prösident des Landesschulrates für Oberösterreich: Prof. Dr. Karl Albert Eokmayr Prösident des oö. Landessohulrates
# Das Bundesrealgymnasium Steyr feiert im heurigen Jahr das stoize Fest seines 125jährigen Bestandes. Dieses Jubiiäum der ältesten höheren Lehranstalt der Stadt ist damit 125 Jahren höheren Biidungswesens in Steyr gleichzusetzen, in der langen Zeit ihres Bestehens hat sie tiefgreifende politische und geseiischaftliche Veränderungen miterlebt, mehrmals mußte sie den Namen ändern, doch war sie stets, ihrem Biidungsauftrag getreu, bemiüht, einen hohen Biidungsstand ihrer Absolventen zu erreichen und auch zu halten. Wenn man in den Annaien der Stadt blättert, wird dies durch die Namen zahlreicher bedeutender Persönlichkeiten, weiche ihren Bildungsweg an der Anstalt begonnen haben, bestätigt. Sie wurde damit auch zu einem Be griff für die sprichwörtliche Steyrer Qualität. Ais Bürgermeister der Stadt Steyr beglückwünsche ich das Bundesrealgymnasium Steyr zu seinem Jubiiäum sowie zu seiner allzeit hervorragenden Bildungsarbeit und verbinde damit die Wünsche der Stadt und ihrer Bewohner für eine ebenso erfolgreiche Zukunft. Fleinrich Schwarz Bürgermeister
Das Bundesrealgymnasium Steyr 1863—1988 Unsere Schule ist im Herbst 1863 als dreikiassige Unterreaischule gegründet worden. Nach Erweiterung zu einer Oberrealschule konnte cm 12. Juli 1875 die erste Reifeprüfung mit4 Kandidaten abgehalten werden. In den folgenden Jahrzehnten nahm die Schule bestän dig an Schülern und Klassen zu; ab dem Schuljahr 1923/24 wurden auch Mädchen aufgenommen und die Realschule schrittweise In ein Realgymnasium [mit Latein anstelle Französisch) umgewandelt. Ab 1938 als „Oberschule für Jungen" nach relchsdeutschem Muster geführt, erstand unsere Schule 1945 wieder als Realgymnasium. Mit dem Inkrafttreten des Schulorganlsatlonsgesetzes von 1962 fand eine wesentliche Erweiterung des Bil dungsangebotes statt: Die nunmehr In „Bundesgym nasium und Bundesrealgymnasium Steyr" umbenann te Schule führte einen neusprachllchen Zweig (mit Englisch, Latein und Französisch) und zwei realistische Formen (mit Latein ab der dritten oder fünften Klasse und technisch-naturwissenschaftlichem Schwerpunkt In derOberstute). Die stürmlscheZunahmean Schülern und Klassen In den folgenden Jahren erzwang schließ lich den (seit 1930 geplanten) Neubau eines Schulge bäudes Im Werndipark. Im Herbst 1973 bezogen die 31 gymnasialen Klassen das neue Gebäude, während das Realgymnasium mlt20 Klassen am Michaelerplatz verblieb. Nach hartem Ringen von Lehrerschaft und Eiternverein wurde das Schulgebäude In den Jahren 1977 bis 1980 generalsanlert und erweitert; seither zählt das BRG Steyr zu den schönsten und bestaus gestatteten Schulen In Österreich. Im Herbst 1983 konnte auch die alte Realschultraditlon wiederaufgenommen und ein technisch-naturwissen schaftlicher Zweig mit Französisch anstelle von Latein eröffnet werden. Eine trotz allgemeinem Schüler schwund ungebrochene Zunahme an Schülern und Klassen hat neue Raumprobleme geschaffen. Diese und die In Aussicht genommene Reform der AHSOberstufe lassen erwarten, daß die Schule am Mlchaelerplatz auch In Ihrem 125. Bestandsjahr noch entwicklungsfähig und für sinnvolle Veränderungen offen Ist. \ ^ Dir. Mag. Dieter Grillmayer Direktor des BRG Steyr
Schulqeschichte: Der Abend-Matura-Kurs 1926 —1931 Es hat fallweise immer wieder Schüler gegeben, wel che außerhalb des normalen Schul-Unterrichtes den Lehrstoff der Mittelschule erarbeiteten und dann als Prlvotisten die Matura absolvierten. Es fiel ober auf, wenn In der Schulstotlstlk mehr als 2 Prlvotlsten Im Johrols Ma turanten ausgewiesen wurden. In den 75 Jahren 1975-1950 gab es nur einige solcher Prlvotlsten. Ein or ganisatorisches und schulpädagogisches Neuland ergab sich 1926. Auf eine Umfrage, deren Initiatoren nicht mehr feststellbar sind, meldeten sich 41 Interes senten, welche eine Moturo-Ausblldung anstrebten. Absolut neu war auch die Tatsache, daß die lernwilli gen Schüler schon Im Beruf stehende Arbeiter und An gestellte aus Steyr und Umgebung waren. Aus dem Vorgriff auf dos Jahr 1931 konnte festgestellt werden, daß Im Juni dieses Jahres tatsächlich eine Dome und fünf Herren zusammen mit der damaligen achten Klasse eine reform-reolgymnaslale Matura be standen haben. Für den an der Schulgeschlchte Inter essierten Leser ergaben sich schon 1926 einige Fra gen; welche schuladministrative Vorgänge logen vor, um der ungewöhnlich hohen Anzahl von Interessenten auch gerecht zu werden? Wer entlohnte die unterrich tenden Professoren? Der Unterricht wurde fünf Jahre hindurch jeden Abend In den Realschulräumen erteilt. Dafür war die Schulverwolterln zuständig. Der Verfasser möchte hier zu seiner Rechtfertigung elnflechten, daß diese formol-jurldlsche Frage kaum die Abfassung eines Elaborates rechtfertigen, obwohl dar über seines Wissens nie berichtet wurde. Die nachste hende Darstellung gilt vielmehr der Bewunderung der enormen Lernwilligkelt und der ungeheuren Ausdauer der Kursteilnehmer. Die wirtschaftliche Loge In Steyr hotteslch In den Berichtsjahren bedrohlich verschlech tert (In der 2. Jahreshälfte 1930 hatten die Steyr-Werke It. Manfred Brandl'"4253 Arbeiter und 350 Angestellte, dos waren 70 % der Belegschaft, entlassen. Davon wa ren auch Teilnehmer am Maturakurs betroffen. Unter den Beweggründen für die Kursteilnahme wird man wahrscheinlich die Einsicht erwähnen müssen, daß dos Studium als ein steiniges, ober doch wesent liches Pflaster zur Erhöhung des Lebensstandardes an gesehen wurde, wenn von den Immateriellen Werten der Bildung ganz abgesehen werden soll. Die ersten Nachforschungen zur Klarstellung der Dinge blieben entgegen der Erwartung ergebnislos. Die ge druckten Schulberichte erwähnten diesen Abendma turakurs nicht. Aber auch In den Akten des Realgymna siums und der Gemeinde Steyr Ist der Gegenstand nicht aktenkundig. Festgestellt wurde u. a. auch, daß kein Zusammenhang mit der Oktober 1928 In Linz erst malig eröffneten Arbeitermittelschule bestand. Licht in die Finsternis brachte ein ausführlicher Brlef^des kürz lich verstorbenen Ehrenbürgers der Stadt, Direktor Hans Schanovsky, an den Verfasser, worin jener auf An frage über die Entstehung und Führung eines Matura kurses für Berufstätige von 1926 bis 1931 beriohtete. Da dieser selbst einer der 6 Privatlsten war, welche 1931 In Steyr maturierten, dürfte es wohl keinen geeigneteren Zeugen geben. Der Bericht verwies eingangs darauf, daß Schanovsky sich an keinen besonderen Initiator erinnere, obwohl man eine Anregung etwa bei der Arbeiterkammer, bei einem prominenten Mitglied einer politischen Fdrtel, bei einer kulturellen Einrichtung oder bei einer sonsti gen Persönlichkeit suchen könnte. Der damalige Direk tor der Schule, Anton Rimmer, (Foto, S. 85) förderte zwar die Unternehmung weltblickend, wahrte aber stets die Distanz. Kernpunkte der Darstellung von Schanovsky waren, daß essich bei diesem Kurs nicht um eine „offizielle" Ein richtung handelte, well es dafür keine gesetzliche Be-
Stimmung gab. Direktor Rimmer förderte einen rein pri vaten Maturakurs, leitete itin aber nictit. Vielmehr war Schanovsky 1926 von den 41 Interessenten zum Spre cher gewählt worden, welche die Verhandlungen mit dem Direktor (über Stundenpläne, Zeiteinteilung etc.) führte und die BeiträgederTeilnehmer kassierte und an den Direktor abführte. Zur Deckung der Kosten wurden nämlich 5,12 S pro Lehrstunde eingehoben. Die Stun denanzahl wurde mit 15 Lehrstunden pro Woche (Mon tag bis Freitag) festgelegt, also 3 Stunden täglich von 18 bis 21 Uhr. Der Kurs hatte Latein als ein Hauptfach. Den Unterricht besorgten vornehmlich die Professoren A. Neumann, Dr. M. Pawlik, Dr. Fritz Doppier, E. Stephan u.a. (Foto, S. 85) Der private Maturakurs hat erst im Schuljahr 1929/30 eine „offizielle" Anerkennung dadurch gefunden, daß die Teilnehmer eine Aufnahmsprüfung fürdie 7. Klasse eines Reform-Realgymnasiums abzulegen hatten. Die Erfolgreichen wurden ab September 1929 als „Privatisten" der reform-realgymnasialen Abteilung des Real gymnasiums Steyr geführt. Diese Maßnahme fand in der Schüler-Statistik für das Schuljahr 1929/30 erstmals ihren Niederschlag darin, daß die 7 B-Klasse plötzlich 23 öffentliche Schüler und 7 Privatisten auswies. Da wir „öffentliche" Schüler jedoch In der Schulzelt nie mit den Privatisten zusammentrafen, kannten wir natürlich we der deren Anzahl noch deren Namen. Das „Amtsgeheimnis" um die Privatisten lichtete sich erst am 18. Mai 1931, als im Geometrie-Saal der Real schule eine Dame und 5 Herren erschienen, welche mit den 23 Schülern der 8. Klasse zu den schriftlichen Reife prüfungen antraten. Dieselben „Privatisten" waren nun schon etwas vertrauter, als sie auch vom 10. bis 13. Juni 1931 an den mündlichen Reifeprüfungen teilnahmen. Allesamt waren wir ein Musterfall: für unsere ehrwürdi ge Schule. Kein Prüfling mußte zurückgestellt werden. Einer der Privatisten, Franz Sauberer, maturierte neben den 10 übrigen Vorzugsschülern sogar mit Auszeich nung. Schlußendlich erzielten sie dasselbe Reifeprü fungszeugnis wie die ,äffentlichen Schüler" mit densel ben Studienberechtigungen, wovon 4 von ihnen auch ein Universitätsstudium abschlössen. Ich darf nochmals aus Schanovskys Bericht zitieren; „Dieser Kurs war für uns als Berufstätige nicht leicht. Er dauerte doch 5 Jahre und war durch die laufend sin kende Zahl auch kostenmäßig, besonders für die zelt wellig Arbeltslosen eine harte Leistung." Die Arbeitslosen wurden dann vom Präsidium der Kam mer für Arbeiter und Angestellte für Oberösterreich un terstützt. In der Festschrift der Steyr Mittelschule 1875-1950 ent sprechen im „Verzeichnis der Maturanten und Matu rantinnen" dieZiffern und Namen, was den Maturajahr gang 1931 betrifft, nur teilweise den tatsächlichen Verhältnissen. Vorweg wurde nicht erläutert, daß es sich bei dem Klassenzug 1923-1931 zum Unterschied von jenen von 1923 bis 1930 (Realschule) um die sehr seltene Schultype Reform-Realgymnasium handelt. Die Schülerzahl der 8. Klasse mit 24 stimmt nicht (richtig 23), etwas abrupt schnellte die Zahl der Reifeprüfun gen ohne Erläuterungen auf 31 hoch. Wirklich haben 1931 einschließlich der 6 Privatisten jedoch nur 29 Ma turanten die Reifeprüfung abgelegt. Abgesehen von den Tippfehlern bei den Namen scheinen im Verzeich nis zwei Personen auf, welche sowohl den öffentlichen Schülern als auch den Privatisten ganz unbekannt wa ren und geblieben sind. Der während der Mittelschulzelt mangelnde persönli che Kontakt wurde durch die Kontaktfreude der Privati sten bald überbrückt, wie zahlreiche spätere Fotos do kumentieren. Mögeesalsein Zeichen des besonderen Respektes vor der einmaligen Arbeitsleistung und der Charakterstärke der Privatisten angesehen werden.
wenn nachstehend kurz die Nomen und Lebensschick sale dieser Matura-Koiiegen festgehalten werden. Lei der sind alle 6 schon verstorben. Privatisten-Matura 1931 Die späteren: Dr. Maria Sprin ger, Dr. Franz Ftann, Joh. Darringer, Dr. Franz Sauberer, Dir. Fians Schanovsky, Dr. Karl Enzeimüiier. Johann Donner war 1904 in Pfarrkirchen bei Bad Fiall geboren und seit 1925 bereits Gemeinde-Sekretär in Kronstort, als er das Matura-Studium begann. Mit ihm hatten wir nach der Reifeprüfung am wenigsten Kon takt. Er soll später noch Musik-Studien betrieben ha ben, starb jedoch mit 35 Jahren am 5. April 1939 in Kronstort. Die nächsten vier Maturakoiiegen strebten den zwei ten Biidungsweg ottensichtiich deshalb an, um noch ein Universitäts-Studium anzuschließen. Sie wollten nach Absoivierung der gewerblichen Lehrzeit durch eine zweite Biidungsarbeit einen höheren Lebensstan dard erreichen. DerspätereDr. Karl Enzeimüiierwarzwar 1909inSiegen (heutige BRD] geboren, seine Eitern übersiedelten aber bald nach dem 1. Weitkrieg nach Steyr. Seine ge hobene Fachausbildung aisSchiosser erhielt er bereits in Steyr (Bundesiehranstait für Eisen und Stahl und Eiektromechanik). Während des Matura-Kurses war er von 1929 bis 1931 mit Unterbrechungen Schlosser in den Steyr-Werken. Auch das Jus-Studium in Wien mußte er des Geidverdienens wegen fallweise unterbrechen. Er promovierte am 20. Feber 1940. Da er wegen einer Rückgrat-Erkrankung nur beschränkt kriegsdiensttaugiich war, verbrachte er die Kriegsjahre als Gerichtsassessor in Wien und Korneuburg. Die weitere berufliche Karriere begann für Enzeimüiier, als er mit 1. September 1945 in den Dienst der Stadtge meinde Steyr trat. Bis zum Abzug der russischen Besat zungsmacht am 5. August 1945 hatte er schon proviso risch den Stadtteil Steyr-Ost verwaltet, in der Folgezeit vertrat erbis 1953denMagistratsdirektorDr. Fiäusimayr, dem er sodann biszu seiner eigenen Pensionierung im Juli 1973 nachfolgte. Nach einem sehr erfolgreichen, auf Bildung stützen den Leben verstarb er, 71 Jahre alt am 13. September 1980 in Steyr. Bei der 25jährigen Maturafeier (1956] lie ferte Enzeimüiier, wieein Foto bezeugt, eine wohlgeiungene humoristische Darbietung. Auch Franz Fionn, geboren 1903 in Steyr, war schon Facharbeiter in den Steyr-Werken, als er sich für die Abend-Mitteischuieentschloß. Seine Matura (1931] war das erforderliche Sprungbrett zum Medizin-Studium in Wien, wo er mit Fiilfe eines Stipendiums der Stadt Steyr am 5. Juni 1937 zum Doktor der gesamten Fieilkunde promovieren konnte. Nach der praktischen Ausbil dung eröffnete er am 1. November 1939 eine Praxis in Fauerbach, der bald eine Werksarzt-Tätigkeit zuerst in Steyr, dann bei Voest-Linz folgte. Ab 1. Juli 1949 war er
als praktischer Arzt in Linz tätig, wo er mit 58 Jahren starb. Wir erwähnen gerne, daß uns Franz Flann erstmaiig am 14. Juni 1931 — 2 Tage nach der Matura — mit schönen Liedern zur Gitarre erfreute. Auch während des Studiums in Wien griff er failweise noch gerne zur „Zupfgeige". Sein Leibiied „Fioch auf dem geiben Wagen" biieb in der Erinnerung an ihn haften. Zu einer wissenschaftiichen Koryphäe entwickeite sich Maturakoiiege Franz Sauberer. Wie bei vieien Werkstu denten begann sein Lebensweg sehr bescheiden. 1899 in Wien geboren — er war der Äiteste unserer gan zen Schar — eriernte er im ersten Bildungsweg das Eiektrogewerbe, wurde von 1916 bis 1919 noch Teilnehmer des 1. Weitkrieges. Mit Unterbrechungen durch Arbeits losigkeit warer von 1919 bis 1931 indenSteyr-Werkenais Mechaniker, Schlosser, Motorprüfer und natürlich als Elektriker tätig. Er griff zu, wo man ihn brauchte. Für seine initiative spricht, daß er 1923 eine einjährige Fuß wanderung nach Konstantinopel und zurück unter nahm. Die Matura bestand er mit Auszeichnung. Ein Sti pendium der Arbeiterkammer Linz ermöglichte ihm das Universitäts-Studium in Wien in den angestrebten Wissensgebieten Physik und Meteorologie. Seine Dis sertation von 1936 „Strahlungsbiianz über der Erdober fläche" stand am Anfang einer wissenschaftiichen Laufbahn, die ihn zu einem Pionier der Strahienforschung werden ließ. Dabei war Franz Sauberer, wie wir.ihn kennenlernten — alles andere als ein weitfremder Theoretiker. Er ent wickeite so nebenbei neue meteorologische Beob achtungsgeräte, verbesserte die bestehenden Beob achtungsverfahren in der Strahienforschung und machte die damaligen Forschungsergebnisse für die Biologie, für die Land- und Forstwirtschaft, die Medizin, die Industrie, die Bautechnik und die Stadtplanung nutzbar. Nach Kriegsende erwarb er sich 1945 große Verdienste um den Wiederaufbau und die Wiederaufnahmedes Dienstbetriebes seinerDienststelle, derZentraianstaitfür Meteorologie und Geodynamik in Wien. Die Leitung dieses Institutes wäre aber nicht sein Fach gewesen. Es zog ihn mit allen Fasern zur Forschungsar beit. 96 wissenschaftliche Arbeiten sind mit seinem Na men verbunden. VerdienteAuszeichnungen waren es, daß ihm die Österreichische Akademie der Wissen schaften 1954 den angesehenen Fieitinger-Preis ver lieh und ihm die Republik Österreich den TheodorKörner-Preis für grundlegende Forschungen auf dem Gebiete der UV-Strahiung zuerkannte. Mitten in Vermessungsarbeiten beendete ein Flerzund Kreislauf-Kollaps das Leben des Sechzigjährigen am 24. öktober 1959 am Flohen Sonnbiick. Nichts beleuchtete seine Fernwirkung mehr als der Um stand, daß sich 1984 ein bioklimatisches Symposium der Universität für Bodenkultur in Wien ausdrücklich mit dem Gedächtnis zum 25. Todestag von Franz Sauberer befaßte. Ais 4. Privatistin wandte sich Mario Springer dem Matura-Studium zu. Es war für eine Frau noch bewun dernswerter, daß sich die 1911 in Steyr geborene und 1926 als kleine Bankbeamtin tätige hübsohe Blondine nooh zu einem 5 Jahre dauernden Abiturienten-Kurs entschloß und diesen zielstrebig beendete. Auch dos anschließende medizinische Fiochschulstudium in Wien schloß sie mit Hilfe eines Stipendiums noch erfolg reich ab. Leider konnte sie sich selbst medizinisch nicht helfen. Mit 31 Jahren verschied sie am 19. September 1942 in St. Veit im Pongau an Lungentuberkulose. Der letzte und gar nicht geringste der 6 Privatisten, die mit der normalen 8. Klasse im Jahre 1931 maturierten, war der spätere Direktor der Steyr-Werke Hans Schonovsky. Bemerkenswert an ihm war, daß wir Maturakoiiegen nur seine hauptberufliche Tätigkeit, eben die in den Steyr-Werken, wahrnehmen sollten, während er
seine kommunalpolitische Nebentätigkeit den zu ständigen Stellen zur Würdigung überlassen sehen wollte. Der Verfasser fügte sic,h weltgehend seinem Wunsche. HansSchanovsky wurdeam 19. Juni 1903 in Steyr gebo ren und trat bereits als löjdhriger im September 1918 als Lohnbuchhalter in die damalige Österreichische Waffenfabriksgesellschaft in Steyr ein. Seine Karriere in Steyr hängt einigermaßen mit der öfteren Umorganisation des Werkes zusammen. 1930 übernahm er das Auf tragsbüro der Steyr-Solothurn Waffen AG in Steyr und behielt die Leitung dieses Büros auch im Hauptwerk bis 1938. Es ist nicht recht faßbar, wie der junge Mann ne ben dieser beruflichen Auslastung von 1926-1931 auch noch das Matura-Studium verkraften konnte. Bei der Reifeprüfung „schwamm" nämlich keiner der Prlvatlsten. Auf Grund seiner erworbenen BranchenKenntnisse erhielt er 1941 ein großes Referat mit Han delsvollmacht und 1943 die Prokura der Steyr-Werke. Ab 1945 bis zu seiner Pensionierung hotte er die Leitung des gesamten Verkaufes der Steyr-Werke Inne, so daß es fast seibstverständlich war, daß er 1956 zum DirektorStellvertreter und 1958 zu einem Direktor des Unterneh mens ernannt wurde. Nach 50jährlger Dienstzeit ging er am 31. Dezember 1968 In Pension. Es erweist seine Vertrauenssteliung, daß ihm 1955/56 die öffentliche Verwaltung des Nibelungenwerkes In St. Valentin über tragen wurde und daß er außerberuflich und ehren amtlich von 1953 bis 1981 als Vorsitzender der Spar kasse Steyr tätig war. Wer hätte diesem ruhigen, nie auffallen-wollenden Matura-Kollegen von 1931 je diese Laufbahn zugemutet? Von seiner kommunalpolltlschen Betätigung darf ich nur festhalten, daß er ab 1945 Im Gemeinderat, schon ab 1946alsStadtratund dann von 1961 bis 1967aisgeschäftsführender Bürgermeister-Stellvertreter In Steyr tätig war. Duroh 22 Jahre wirkte er als Finanzreferent der Stadtverwaltung. Öffentliche Auszeichnungen gab es während der Be rufszeit mehrere. Sehr stolz war er auf die ganz seltene Ehrung, die Ihm 1967 mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt verliehen wurde. Hans Schanovsky starb am 9. Mai 1987 In Steyr. Ein Jahr zuvor konnten wir ihn bei Maturatreffen noch persön lich zum 83. Geburtstag beglückwünschen. Abschließend möchte der Verfasser noch darauf hin weisen, daß sich „unsere Privatlsten", die wir erst anläß lich der Reiteprüfung 1931 persönlich kennenlernten. In zunehmendem Ausmaße zur Klasse gehörend fan den. Zur 25. Maturafeier (1956) waren alle 4 noch Le benden erschienen. In den nächsten Jahren hielt der letzte Überlebende, eben Hans Schanovsky In beacht licher Rüstigkeit brieflich und persönlich den Kontakt erfreulicherweise aufrecht, 1986 ließ er den Beginn einer Kur verschieben, um bei der großen Maturafeier anwesend sein zu können. Was diese „Privatlsten" so auszeichnete, war Ihr Mut, ihr Eifer und ihre Ausdauer, womit sie noch Abschluß eines ersten Bildungsweges, sich nach des Tages Mühen nochmals Abend für Abend durch 5 Jahre hindurch auf die Schulbank setzten, um einen zweiten Bildungs weg In Angriff zu nehmen. Während der Studienzeit bildeten die Externisten unter sich eine verschworene Gemeinschaft, was ihre Durchhaitekraft wesentlich verstärkte. Sie erinnerten sich spä ter noch gerne an die für sie harte Zeit. Aus ihrem Matu raerfolg entstand die besondere Bindung an die jüngeren Menschen, mit denen sie gemeinsam die Reifeprüfung abgelegt hatten. Für sie war die bestan dene Prüfung ein sehr bedeutsamer Freudentag.
Der vorstehende Beitrag über die Privatisten-Moturonten von 1931 entstand aus keineriei sohriftsteiierischen Ehrgeiz. Es war angezeigt, den Berioht zu verfassen, da im offizieiien Verzeichnis der Maturanten und Maturan tinnen diese Menschen einfach unter den Ncrmaischüiern ausgewiesen wurden, wobei die Nomen und die Anzahi nicht mit der Wirkiichkeit übereinstimmten. Ein öhniiches Schicksai wurde übrigens im 66. Jahres bericht der Schuie (Seite 47] dem Maturajahrgang 1931 aisGanzeszuTeii. Eine Matura im Jahre 1931 biieb bei der sonst ausführiichen Darsteilung der besonde ren Ereignisse von 1930 und 1932 überhaupt unerDr. E. Weixibaumer ^] Manfred Brandi, Neue Geschichte von Steyr, Seite 16 2] Brief vom 14. Mai 1986 Zwei Übergangslösungen zum Realgymnasium in Steyr Zur Feier des 125jährigen Bestandes des aiigemein biidenden höheren Unterrichtswesen in Steyr scheint es angezeigt, jene zwei Überbrückungsiösungen zwi schen den Schuisystemen genauer aufzuzeigen, wei che den betroffenen Schüiern trotz der einschneiden den Veränderungen eine sinnvciie Förderung ihres schuiischen Weiterkcmmens ermögiichten. Die Verfasser sind der Meinung, daß der damaiigen Schuiieitung daran ein besonderes Verdienst zuzu rechnen ist. Der fcrmai-juridischen Beschreibung der Begieitumstände wohnte vieiieicht keine besondere historische Bedeutung inne. Der menschliche Aspekt der Umwandlung der Schuiform ist auch heute noch des Nachdenkens wert, denn die Veränderungen be trafen 1923 wie 1927 die Jugend und Eiternschaft der Stadt Steyr, sie spielten sich im Schuigebäude Michaeierpiatz ab und wurden zum Großteil von derselben Professorenschaft durchgeführt. Ein weiterer Grund für die vorliegende ausführlichere Befassung mit dem Gegenstand ist in der Tatsache zu finden, daß die Auswirkungen der obrigkeitlichen Ent scheidungen in den bisher erschienenen Darstellun gen kaum oder gar nicht behandelt wurden. (Siehe Quellennachweis 1] und 2) samt Queiienkritik). Von allen Seiten wurde jedoch eine beträchtliche Anpassungsieistung verlangt und erbracht. Der Wandel manifestierte sich augenfällig in den Ma turajahrgängen 1927 und 1931. Ein kurzer Rückblick ist erforderlich. Bekanntlich gabes in Steyr bis 1923 bzw. 1924 zwei sehr verschiedene höhere aligemein bildende Schuieinrichtungen:
a) Seit dem Jatire 1863 bis 1924 eine staatiichie Reaischuie (Seit 1875 Stoatsoberrealschiuie) und b) von 1910-1923 ein privates Mddctieniyzeum out Vereinsbasis. Mit Beginn des Sctiuijainres 1923/24 genehmigte das Ministerium die Angiiederung der Kiassen des Mädcheniyzeums an die Oberreaischuie Steyr. Aber schon mit 26. Juni 1924 ordnete dasseibe Ministerium die Umwandiung der Oberreaischuie in Steyr in ein Bundesreaigymnasium an. Während das Lyzeum praktisch schiagartig aufgeiöst wurde, war die Gber-Reaischuie jahrgangsweise aufzuiassen, wozu 7 Jahre nötig waren. Zum Verständnis dient zu wissen, daß die GberReaischuie ab 1875 ein stadtbekannter Begriff gewor den war. Nach 7 Reai-Schuijahren biidete die Matura den StudienabschiuB, der zur Fortsetzung des Studiums an den technischen Hochschuien in Wien, Graz und Le oben erforderlich war. Für die Inskription an den (da maligen] Universitäten war eine Zusatz-Matura aus La tein und Philosophische Propädeutik abzulegen. Eine Notiz am Rande: die ersten 4 Maturanten von 1875 und spätere erschienen zur Reifeprüfung in Schwarz und in Stehkragen mit Zylinder. Um 1930 war die Umwandlung des bis dahin üblichen Mascheris zu einem Selbstbin der eben im Gange. Mit dem Steyrer Mädchen-Lyzeum hatte es von Anfang an eine besondere Bewandtnis. Es war auf Vereinsba sis aufgezogen, unterrichtete nur Mädchen vornehm lich in modernen Sprachen und ihrer Literatur und zwar in 6 Schuljahren. Die Anstalt hatte zwar das Öffentiichkeitsrecht, eine abschließende Reifeprüfung war aber nur als freiwillig gedacht und hatte keinerlei schuirechtiiche Bedeutung, in der Genehmigung der Schu le war festgelegt worden, daß sie nur jedes zweite Jahr einen neuen Lehrgang eröffnen durfte. Sie war in der sogenannten industriehaiie untergebracht, in den je weils drei vorhandenen Kiassen wurden rund 60 Schü lerinnen unterrichtet. Ais im Jahre 1922 die Geldmittel für den Schuibetrieb fehlten, löste sich der Verein auf, womit auch das Lyzeum zu existieren aufhörte. Die ech te höhere Schulbildung für Mädchen war theoretisch an der Realschule immer möglich. Die Zahl der Reaischuimaturantinnen von 1920 bis 1930 betrug jedoch nur 22. Vorher enthält das Maturanten-Verzeichnis kei nen weiblichen Vornamen und nach 1930 gab es keine Realschule mehr. Gb nun wirklich die Angiiede rung des Mädchen-Lyzeums der wesentliche Beweg grund war, daß das Unterrichtsministerium mit 26. Juni 1924 die sukzessive Umwandlung der Staatsoberreaischuie in ein Bundesreaigymnasium anordnete, ist in derSchuigeschichtedes Dr. August Biederer nicht sehr zwingend belegt. Jedenfalls dauerte es bis 1932, bis die erste Reifeprüfung nach dem Lehrpian des Realgymnasiums^' abgelegt werden konnte. Direktor Anton Rimmer. Wie schon erwähnt, spielte Direktor Anton Rimmer (1881-1933) eine nicht unbedeutende Rolle in der Stey rer Mitteischui-Szene. Der Linzer Professor für Geschich te und Geographie war mit 9. Feber 1922 zum Direktor derGberreaisohuieinSteyrbesteiltworden. Noch 1922 wurdeerauch Leiter des Mädchen-Lyzeums und führte 1923 die Eingliederung dessen Schülerinnen in die Realschule durch. Die bald danach erfolgreich in die Wege geleitete Umwandlung der Realschule in ein Realgymnasium ergabfürden umsichtigen Grganisator jahrelang ein großes zusätzliches Arbeitspensum. Ausschließlich höhere Gewalt verhinderte einen wei teren großen Erfolg von Direktor Rimmer (Eoto, S. 85] für Steyr. Er hatte die mühevolle Vorarbeit für den Neubau einer Mittelschule im Werndipark geleistet. Der schon
bewilligte Baubeginn scheiterte im letzten Augenblick cm Zusammenbruch eines bedeutsamen Wiener Bankinstitutes. Am 6. Jänner 1933 raffte den Direktor im 52. Lebensjahr eine Sepsis dahin. Dieser kurze Lebens lauf wurde aufgezeigt, weil die Art und Weise, wie der Pädagoge Rimmer die auf ihn zukommenden Proble me im Interesse der damaligen Jugend löste, beste chend war. Die erste Übergangslösung 1923—1927 Die bei Auflösung des Lyzeums bestehende2. Klasse integrierfe man einfach in die gleiche Reaischul-Kiasse. Dieses Verfahren war mit der 4. Klasse nicht mehr durchführbar. Die 6. Klasse Lyzeum schloß 1923 noch mit der sogenannten iyzeaien Reifeprüfung von 10 Schülerinnen ab. Man hätte 1923 die mehr als 20 Schülerinnen der 4. Lyzeum-Kiasseeinfach ihrem Schicksal überlassen kön nen. Direktor Rimmer organisierte aber die Übergangsiösung mit einer reform-reaigymnasiaien Abtei lung der Staatsoberreaischuie. Es muß für die Eitern, aber noch mehr für ihre LyzeumsSchüierinnen schon ein harter Entschluß gewesen sein, plötzlich einer Verlängerung der Gesamt-Schuizeit von 6 auf 8 Jahre zusfimmen zu sollen, für das erste Schul jahr nach der Angiiederung an die Realschule eine Wanderklasse zwischen Wehrgraben und Michaeierpiatz in Kauf zu nehmen und den Lehrpian um das bis her in Sfeyrfast unbekannte Latein bereichertzu wissen. Das Provisorium ging noch weiter; statt des bisher unter richteten Französisch wurde Englisch als zweite Pfiichtsprache dekretiert, im Schuljahr 1923/24 unterzogen sich immerhin 12öffentlicheSchüierinnen, weiters2 Privatistlnnen und 3 männliche Wesen In einer eigenen Klasse mit Kiassenvorstand Dr. Fronkhouser (Foto, S. 85) der Reform-Gewait-Kur, während die restlichen Lyzeumschüierinnen auf andere Biidungswege auswichen. Neben dieser Sonder-Abteiiung gingen die normalen Reaischuikiassen ungestört ihren Weg zur Reifeprüfung nach 7 Klassen weiter. Die Reform machte natürlich auch vor dem Lehrkörper keine Ausnahme. So manche Elerren Professoren mußten den neuen Lehrpian erst einmal genau studieren. Die neue Fremdsprache Latein erforderte vorübergehend einen besonderen Lehrer (Dr. Karl Eloizinger). im Juni 1927 wares dann soweit, daß in der aitehrwürdigen Realschule zwei auch zeitlich vollständige ge trennte Reifeprüfungen sfattfanden: a) die Reaischul-Matura nach 7 Schuljahren bestan den 25 Herren und 2 Damen b) der Reifeprüfung nach dem reform-reaigym nasiaien Lehrpian nach 8 Schuljahren unterzogen sich mit Erfolg 6 Damen und 2 Herren. Der letztere Tatbestand blieb jahrelang der größeren Schuiöffentiichkeit unbekannt. Dazu trug bei, daß in der „Statistik der Maturanten und Maturantinnen" von Steyr auch für 1927 alle Maturan ten in einer Liste erfaßt sind und nur nach männlichen und weiblichen Wesen unterschieden wurden. Die noch sehr einschneidende Unterscheidung nach den Schultypen wurde nicht nur bei diesem Maturajahr gang offenbar geflissentlich unterlassen. Da der Kontakt zwischen den genannten Schuikiassen schon während der Schulzeit sehr gering war, gingen auch die jeweiligen Maturafeiern mit zur2 Ausnahmen getrennt vonstatten. Während die 8 B-Kiasse des Jahr ganges 1927 die diamantene Maturafeier z. B. schon Ende Juii 1987 abwickelte, kam die 7 A-Kiasse (der Real schule) erst viel später dazu, ihr Jubiläum zu feiern:
Es besteht also doch ollemol ein merkborer Unter schied zwischen der reolistischen Bildung der guten oiten Reoischuie und dem humonistisch beeinflußten Biidungsweg des späteren Reoigymnosiums. Die zweite Übergangslösung 1927-1931 1927 stond Direktor Rimmervoreiner nur äußerlich ähn lichen Situotion. Dos Unterrichtsministerium hotte 1924 die gänzliche Umwondlung derStootsoberreoischuie in ein Reoigymnosium ongeordnet, oiierdings sukzes sive, im September 1923 hotten noch — nichts ohnend — je eine Knoben- und eine Mädchenkiosse mit der Reoischuie Steyr begonnen. Sie hotten mit Sommerbe ginn 1927 die Unter-Reoischuie obsoiviert. Mon konn es nur dem Weitblick des Direktor Rimmer zusohreiben, doß er—fußend out den Erfohrungen von 1923-1927 — den Absolventen der Unterreoischuie im Juni 1927 ein interessontes Angebot unterbreitete: foiis sich in den domoiigen zwei vierten Kiossen genug Interessenten fänden, könnte umgehend eine reform-reoigymnosioie Abteilung des schon im Anioufen befindlichen Reoi gymnosium eingerichtet werden. Die Reolsohui-Type würde out jeden Foli bis 1930 zu Ende geführt werden. Die wesentlichen Merkmoie des reform-reoigymnosioien Lehrpionsworen: volles Kiossen Mitteischuie, Lotein ois neues Houptfoch; Wegfoii der Dorsteiienden Geo metrie. Und der Eiouptonreiz: der Zugong zu oiien Uni versitäten ohne zeitroubende Ergänzungsmoturo stond offen. 1923 gob es nur eine Aiternotive: „Friß Vogerl oder stirb", im Johre 1927 log die Entsoheidung der Eitern über die Moturo-Type doch weitgehend beim Lernziel der betroffenen Sohüier. Emotionoie Äußerungen der Schuikoliegen etwo wegen „Abtrünnigkeit" werden heutigen Schülern vollkommen unbegreiflich sein. Dos Ergebnis der Eiternouswohi wor beoohtiich: in der Knobenkiosse verblieben oiie bis ouf drei bei ihrem Vorsotz, eine Reoischuimoturo onzustreben. Die Mäd chenkiosse fovorisierte bis out drei Schülerinnen den neuen humonistischen Schultyp. Domit wor die Entscheidung gefallen, doß es in Steyr nochmois eine reform-reoigymnosiole Kiosse mit gut zwonzig Schülern, meist weiblichen Geschlechtes gob, weiche erst 1931 moturieren konnten. Zwongsiäufig fond die letzte Reoischuimoturo dodurch Mitte Juni 1930stott. Ein weiteres Novum für den Moturo-Johrgong 1931 wor, doßom 18. Mol noch 6 Privotisten von einem bisdohin ungekonnten Abend-Moturo-Kurs''zur Abiegung der schrittiichen reform-reoigymnosioien Reifeprüfung er schienen undom 12. Juni 1931 ein Abschluß-und Reife zeugnis dieser Schuitype erreichten.
Als Beleg für den vorstehenden Bericht wird auf die an geschlossenen Fotos verwiesen. Dos eine Bild stellt die 8 Teilnehmer an der ersten retorm-realgymnaslalen Matura von 1927 mit dem späteren Klassenvorstand Prot. Emil Stephan (Foto, S. 85) dar. Am zweiten Foto Ist die gesamte Maturaklasse von 1931 (23 Köpfe), mit retorm-realgymn. Reifeprüfung mit 8 Mitgliedern des Lehrkörpers verewigt. Die Privatlsten ließen sich extra totographleren. Nach dieser Ergänzung der Schulgeschichte wäre auch die Schulstatistik zumindest hinsichtlich der ge nannten zwei Matura-Jahrgänge"'richtigzustellen. 1927 legten nach 8 Jahren Studium mit 23. Juni folgen de Schüler eine retorm-reolgymnoslale Reifeprüfung, davon 3 mit Auszeichnung ab; die Damen Eltriede BartI, Gertrude Blebl; Eltriede Broschek, Paullne List, Maria Perkounig und Flerta Wagner sowie die Fierren Rudolf Landa und Roland Reuschel. NB: Diese Namen sind aus dem Verzeichnis der Realschul-Maturanten zu streichen, sodaß In der Rubrik II nur die echten Absolventinnen der Real schule: Thusnelda Goldbacher und Frieda Müll ner übrigbleiben. 1931 legten Insgesamt 29 Absolventen mit 12. Juni eine retorm-realgymnaslale Reifeprüfung ab (nicht 311) davon 10 mit Auszeichnung, nämlich die „öf fentlichen" Schülerinnen: Maria Aichinger; Mar garete BIrner; Luise Dertler; Erna Fläusimayr; Josefa-Maria Künzel; Anna Metz; Gerda Oser; Maria Öttl; Cäcilla Perkounig; Flllde Peter; Marga rete Raggautz; Gertrude Reder; Ingeborg Reu schel; Dorette von Schmidt; Margarete Schobermayr; Marlanne SIeghartsleltner; Berta Staudinger; Flelga Stephan; Anna Trojak und Frie da Voggeneder sowie die „öffentlichen" Schüler: Richard Baumgartner; Carl BIhlmeler und Emil Welxibaumer; ferner 6 Privatlsten, nämlich Johann Danner; Karl Enzelmüller; Franz Flann; Franz Sauberer; Plans Schanovsky und Maria Springer. 9 von den 29Tellnehmern des Maturajahrganges 1931 erreichten eine akademische Graduierung. NB: Die Im Verzeichnis von 1950 noch angeführten Namen Authengruber und Celedln sind ersatzlos zu streichen. Maturanten dieses Namens hat es 1931 nicht gegeben. Im Verzeichnis der Lehrkräfte wäre unter Nr. 158 (Dr. Karl Flolzinger) anzumerken, daß dieser Lateinprofessor dem Lehrkörper bis 1927 angehörte. Er führte die erste retorm-realgymn. Klasse der Schule bis zur LateinMatura. Dr. Carl BIhlmeler und Dr. Emil Welxibaumer
Quellen-Nachweis 1. Prof. Dr. August Blöderen „Das Ringen um die Steyrer Mitteisohuie nooh Auflösung des Jesuitengym nasiums und ifire Entfaltung von der Unterreaisctiuie zum Realgymnasium" Abgedruckt im 66. Jahresberiotit des Bundesreaigymnosiums in Steyr über das Scinuljahr 1948/49, erschienen im Jahr 1949. 56 Seiten. 2. Prof. Dr. August Biederer: „Vom Reis zum Baum" ab gedruckt in der Festschrift zur Moturateier der Steyrer Mitteisohuie 1875-1950, erschienen 1950, 3 DiN A4-Seiten. 3. Briefliche und mündliche Auskunft von Frau Eitriede Wiesmayr Steyr an den Verfasser von 1986 über ihre Schulzeit von 1919 bis 1927. 4. Erinnerungen der Verfasser an ihre Schulzeit von 1923 bis 1931. ranten und MaturantinnentürdieJahre 1975bis 1947". Die Verzeichnisse sind das Ergebnis einer SisyphusArbeit, bei weicher etwa nicht korrigierte Tip- oder Druckfehler keine Beanstandung erfahren seilen. Bei der sonstigen Akribie des Autors ist es nicht begreif lich, daß er die erste retcrm-reaigymnasiaie Reifeprü fung von 1927 nur in einem Satzteil, chrcncicgisch ganzunpiaziert,tiüchtigerwähnt. Diezweite gleicharti ge Matura von 1931 würdigter keiner Erwähnung. Dies war zu korrigieren. 3. Der Briet vom 23. Mai 1986 enthält eine ausführliche Darstellung der Schulzeit. 4. Der Verfasser hat sich in einem Vertrag schon mit sei ner Schulzeit betaßt und im 103. Jahresbericht der Schule eine Zusammenstellung der Prctesscren von 1923 bis 1931 veräftentiicht. Quellen-Kritik: Die unter 1] und 2) zitierten wissenschaftlichen Arbeiten bilden auch heute noch die alleinige, cttiziöse, zusam menfassende Schulgeschichte bis 1950. Die erste Ar beit zeichnet sich bis auf die Maturajahrgänge von 1927 und 1931 durch eine kaum überbietbare Genau igkeit aus und gilt als Fundgrube von zitierten Fiinweisen. Der zweite Autsatz ist ein wesentlich gekürzter Bei trag desselben Verfassers über den gleichen Gegenstand. Die Festschritt enthält darüber hinaus ein „Verzeichnis der (245) Lehrkräfte der Anstalt von 1863 bis 1949" sowie ein „Verzeichnis der [rund 1570) Matu- ^) Der Schultyp „Realgymnasium" war in Österreich relativ neu. Er wurde 1909 geschaffen. *) Siehe Beitrag: „Der Abend-Matura Kurs 1926-1931" *) Siehe Anhang zur Festschrift von 1950
Gregor Goldbacher (1875—1950) Professor Studienrat Gregor Goldbacher unterrichtete von 1899—1935 in Steyr Mathematik, Darstellende Geometrie mit Stenographie. Außerschulisch wirkte er u. a. 30 Jahre als Wetterbecbachter, Verfasser von Festspielen (1935 eines in Steyr], Mundartdichter (4 Sammeibönde], Pionier des Schi sports in Steyr. Besondere Verdienste erwarb ersieh um die Pflege des Stadtbildes und um das Steyrer „Kripperitheater". ihm zu Ehren stiftete die Stadtgemeinde einen GregorGoidbaoher-Fonds. ^ I vi. '.vT to. VI . w"*. ff "in MEIN VATERSTADT Du mein liabs, mein alts Steyr, Voll Gassein und Sciagn, So Hab liegst in Tal drin, Wia a Kind in der Wiagn. Ja, a Kind in der Wiagn! Los, wia's treuherzi plauscht! Willst es hörn, geh na abi. Wo 's Wasserzsammrauscht; Va der bründlklarn Steyr, Va der wiesngrean Enns; Wannst ma(r) nuh so a Platzl woaßt, Büabl, aft nenn's! Aber schau Dih voneh An Eichtl noh um! Es is ja so liablih Um d* Stadt umerdum. Voll Acker und Obstbam, A gsegnts Paradeis - .Und stellst Dih wo dauni Auf a Fleckerl, a freis - Aft grüaßn Dih d* Berg! A ganzer Kroas voller Pracht, Van Traunstoan zan Schneeberg, Daß da(r) 's Herz völli lacht! Und unt Hegt mein Stadtl: Alte Häuser, gache Stiagn - Liegt drinat in Land! Wia a Kind in der Wiagn! lEcinnecungsbloit llllatutafdei: der Jahrgänge iSQ'i — 1898 am 8. Juni 19^8 in Stepc Ja, unjä al(ä Sd}ull f)eunt dcnh md dran, IDo mit oor oiclö Jal^r drinn gfdffen. IDo mir da gmoant harn, uns gdngs fdiiedtt Und dd .profdfen* irdin uns alln ou{g(dnen. Hfl erft In Cdbn drauf^t bam mds grouhtr So bam uns öbn un[d lüethjeug g'tüfi". Den oan bats dort bingrodbt, den andetn da; Dö ficlag' bam ails, mas fd)dn Is, s'fcbmiffen. Und dob macbt neamd da altn Scbul d Scband. flii' fdnd oras marn mit £br und ©tDiffcn. Drum denk' md beuni mit 5tetidn ^rudt: Dö Sdjuljcit toat dob dös td)önfte £öbensftu<k: Ja liabö Romerdden, tue: hanns fagn, 0b fold>ö £ld)tln oriedd kemmdn? 0b md nöl lufti, ladidd, in der Stund Sür Cöbnsjelt beuni fcbon flbfcblad ncbmdn? Drum Itabö freund, mit boltn Vfamm, So oft md fold)ö g{ögn(ö Stund'n bam!
eine Sa^tt jun Stibetm lies StE^ter SunDes-Siealglimitaftnms. 93on ^rofeffoT <S. ©olbbac^er. SRan mu6 nur einen tüdjliflen Kurf geben, einen fe^nfüd)tigen Süd au öen licfocrf^neiten i^odjiualbbäumen ^eri)olb ber i^aurentiusfa^ielle u>er(en unb einigeinai leife oor {id; ^infpredjen; „Üeb n>ü^I, 2IEtenftnub unb edjul* aimmerbuft", bann i)at man ptögiic^ bie getreuen Srettel auf ber ^uUer unb ben IRucffad am SSudel unb ift aud; fc^on auf ber „goi^rt ins Sßeige". 3Bie fc^on fo uiele iBod>en. !)ing mieber graues Siner' lei über unfrer alten Stabt, ber Oftminb pfiff [ein mtg< tönenbes Sieb, bte iüaben ijocften bungciS unb traurig auf ben eisfdjoüen am ^ujammenftufe, bccb — unfere liebe Steijrtatbaljn rolite untcrncbmenb unb eifrig, um ben Sinfd>[uö nii^t ju oecfäumcn, bem Sübeti au unb fiüirt mo^ nur menige, bufür aber um fo begeiftcrterc ,9iitter com flinfen Bretlt" mit fi(b. bie ficben ®ibe fcbtoören, ba| mir mxb (teule im ißarabies ber Sonne fein toerben, laorüber ic^ nuxbl ein menig gu iäd}eln möge. 2Us aber unfere braue Ufiaf^me unter maEbügem Schnauben unb 9lüiteln bie S)5l)e ber fieonfteiner fiääje gemonnen ba mürbe bie i^uft plögiiE^ buftig, bhm, burcbid)einenb, flUnmernb, fo mie auf ben poefie- «rfätUen atpenbilbcrn 6. Z. Somptons, unb bie berflidje Bergumra^mung bcs SDljjaner laies grü&t alte ^meifler im Sonncngtana minterlid^er Unfdjulbsu>ei6e. 2)anu tiefblauer i}imme(, B>eiBe (ocfenbe ÜSiefen^änge, ber eis« bebedte, nod) im icäumerifc^en IDunEel liegenbe Staufee, barübcc in ftrafjlenbftcm Sonncnfcbein bas liebe Serg« firdjtein mit ber bcrüt)mten ajiantelmabonna unb im ^intergrimbe ,fd)ön gfbgt unb broat" bT „Balcr '^riel", ber mit [einem atten meinen i^aupt [djter moblmoüenb auf uns b^rnieberblicft. 3mmcr naiver rücfen nun bie Kiefen ber „Stöberet Berge, fjcron, ber Scbnellaug füljrt nur gmei aBagen mit, es ift 3Ronafsenbe, Sri(e, Sorgen, Kot, oUes mirfl gu« fammen, um [o uiele Sportjcbiifüc^tige uon ben f)eiB« begehrten aßinteraiclen fernaubaltcn. D biefer golluoüe Sonnentag mit [einen eingigen gmei garben Blau unb SBei&, als mären mir bei un(eren boqrifcbcn Brübern. ^ein Bebel, fein 2Bölfd)en am j^imincl feit bem großen Sdjnecfall, fein [d^neibenber Dftminb, fliüe reine Ääfte, tüie es fu^ für einen edjten äBinter gebort unb ber @e[unbl)eit überaus guträglid} ift. 2)er ftramme junge Bulobusicnfer führt bie loenigen ©öfte |(bneU unb fichcr bodj übet ber jungen, halb uereiften Steqr in blc (onnige SBeitc unfercs obcröftecreidjifdjen 3umets, bes Stoberlales. ilÄon n>eiß mirfiich nid)t, orclcher Sohresjeit man h'«r ben ßorbeer reid;en [oü, ber Blumen^ unb Bergesprachf bes Sommers ober ber gieißcnben tUiintecidjön^it, oro, mie Ijeute, iiberatl ber tbcalfle B"locr' [chnee mit Klgriaben leudjtenben Sd^neefriftallen bes Sfi° manns f)eij höijer [djlogen läßt unb jene Scligfcit uer* heißt, bie bem Kidjtbreltetrutjcher oöllig unoerftünbliih unb DielXei(^i übertrieben erftheinen mag. Bas bes Schöpfers leudjtct im leßlcn aibenb« glana uom meißen Dliefcnfcheitel bes ©rußen Brills, falte Stille [enft fi<h ins Bat, liebe Blenfchen nehmen mldj gaft« freunbli^ auf, bas ßieb unb ber Bulsfdjlag ber großen 5Belt bringen aud) h'^r auf geheimnisDolIcn SBclIen in bie ftimmungsoolle cüc Stube, u>o »or ben uergitlerten gcnftem bie luftigen Biei(en aller Stämme ihr äbenbbrot Dom einftödigen gutterhüuschen na[ri}cn. 2ic Kacijt orirb bittertolt, bie Sterne funfein in unmirtlichcr Klarheit unb felbft ber Qbgehörtetfte Äaltluftjchläfer fthäßt heute bie glühenben SBongen eines ei|crnen aßärmefpenbcrs. D ihr ormen Stäbter ba broußen unter ber lähmen« ben Kebelhiiltc, id) höWe euch_ uon gcnaem ^erjen getuünfdjt, ben unoergleichlichen oonntagmorgen mit mir 3U erleben, als ich ^"trch bas genfterchen meines gelegenen Sc;rilafgelaff€5 bie Kiefen bcs Stobcrtates erbtidte, bie mie ungeheure Kubine ihre h<>4>fien Rinnen te'V Gregor Goldbacher: Moi-AusflugmitderV. KlosseamS. Mol 1900 noch St, Gallen - Spitzenbachgraben f? in bie crflen Strahlen ber Klorgenfonne taudrten, eine ©ralsburg in ungeheuren Susmaßenl Kun aber nach guter Stärfuug hinaus in ben h^^^ 2ßtntermorgen, bie treuen Brettel einftmeilen noch gefchultert, bebächtig empor, atoilihen einfachen Qehöften, mo blauer Stauch langfam, leije, mie ein« griebcnsfohne über ben fteilen ©iebeüi fchmebt. Ber Schnee tnirfcht laui unter ben Britten, bte Straße fteigt langfam empor burch enge, fchneerfüllte SBalbtäler, ber ßoigisbcuh üdjat unter feiner ©isbcde, uon ferne flingt bas laute ijämmern eines „Bämhädls", eine tiefoerjchneite j^ausmühlc umgibt ein gonaer Borhang riepger Sisaapfen, mir manbern bahin in einem un|agbflren Sonntagsfricben. Kun geßt's hinaus in bie pralle Sonne, oun allen Seiten flimmert unb glißert es, baß fafl bie 21ugen jchmeraen. Biie ergreifenb ift bod) ein ©ottesbienft in einer ein« fachen ßanbfirdje mie hier in bem hoehfleieflenen ©ottes« haus oon Borberflober mit feinem ftilDoUen Sarodaltar, beffen Bilbnis ber tüteiftcrhanb bes Kremfer Sd)mieb ent« flammt. Stunbenmeit fommen bie ßanbleute burd) den Sd)nee aum Bienfte bes ijerrn. ^eßt aber bie Brettel an bie güße unb empor an ben giiß bcs Bambergcs, oro uns ber ftramme, entgegcnfommenbe Bejißer bcs giiamofer« girtes ein atnmefen uerpathtet hat, beffen Sage unoerglei^- lid) fih&n ift, benn oor ben Slitgtn bes Katurfreunbcs tut fid) ein Bergninb fonbvrglcithen auf, oum mallcrhom« ähnlichen Öipfri bes Kleinen Bricls bis hinüber au ben fchimmcrnben ©ipfcln ber i)nlier IKaitern. unb au gw^en meiße gläfhen noch allen Kid)tun9en. aum Brettelrulld)en mie gefchaffen. gaft toufcnb Bieter in befter, reinfter ßuft mlTb pd) ^ier unfere gtigenb nod) i)craensluft tummeln fönncn, in ber lötnterjünne bräunen fich 'bK' aSangen, im herrlichen SEifport pählen fich bie aSusfelu, im meiten Blid auf bie Schönheit ber Umiostt erblüht bie ^cimaütcbe, 3ugenb ber ©cgctiuxcrt, wie [ehr ift rnan heute beftreW, bir jd>öHe Stunbcn unb Bage um lachte« Dd)cs Sntgelt gu bieten, mertooUe Erinnerungen ju fchaffcn unb öle ßiebe jur Scholle au feftigenl 3ft bte 3ugenb beffen bemußt; erfenut fic bic Blül^ berer, bie oJI bies fd)ufcn, an unb ermeift fte fid) bafüc banfbar? SBiffen bie jungen ß.eute, bie hter einige SBod>en meiUn luerben, roelche 2Sühe es ben madecen Burnprofcffor gefoftet h«t, bas 3nnerc bes ainmcfcns an einem fo pratlifdjen unb ge« müttichen ausaugeftolten, w einem j^eim. mie es fcnim in ähnlich parabicpfd)ec ßoge icgcnb eine anbene Shule befißen mirbl Befonbers anauerfennen ift aber oud) bas nerftänbmsDotte Entge^fonuaen bes Befißers, ber eis echter greunb unferer J^genb olle IBünfthe meitgeh^'rb erfüllte, gretlich mitb es auch ber BlÜbtätigfnt unb ber guten ijcraen fo mancher ©önner bcbürfca, um bas f)?im noch cmter ausa^totten unb ausaugeftalien, (d)er m i r oertrauen mi« bisher auf bte fugeRbfreunb« liehen ÜRenfchen unferer Stabt unb ihrer Umgebung menn mir foramen unb an* tlopfcn merben. Bie Bretter gifchen luib fagen burch ben 6d)nee, ci g^t talmäcts, bas Barabtes bcs Sfiheims liegt Jchon {än®^ micbcr hinter uns, bas Bai, bie SBelt ninunt uns »icbcr auf. 3ft es benn mirfliih mahr, muß ich micbcr hinaus in ben 2lUtag? Bie Mntmort gab fd)on oor brcihunbertSahren ber berühmte oberöfterreichifche Bauernführer Stöffl gabinger: ös muaß fcinl Schmer mürbe ber 2Ibfd)feb. gaft eine Stunbc [aßen mir oh"e Bdanlel im greien, an bie 3ßanb ber Bieiienhütte gelch»t. in ber tDarmcn SBInterfonnc, ben Blid auf bie blaumeiße Bcrgprad;t gerid)tet. Bann aber rafch fort. Banfeu, ^änbefd)ütteln, aufs l)eri' liihfte „balbiges IDSieberlehen" orünfchen, nod; einen Blid ber Sehnfud;t, bann gibt mir [ogar ber brummige „Kej" in neugetoonnener greunbfd)aft bas „Braßerl" unb 1^ iefe felbft in feinen treuen 2Iugen bas bittere, aber clferne; „ÖS muaß fein".
»Q. »III "■ür.v Bläii if I ■ ■ 1 ssiiü^ U »' M:!: =--i. >:mym t7i76l, tun ßunz;espuDjSUi euiosuosiAOJd ßeu» UJ0P JOA 0jL|O!L|os0ßnDa J0P 0|U0UJOiM 'pLjiriLios
1938-1988 Der Maturajahrgang 1938 hatseingoldenesTreffen mit dem Jubiläumsprogramm der Schule eng verbunden. Die Kiassengemeinsohaft hat zur Erinnerung an das Schicksaisjahr 1938 eine Gedenktafel gestiftet und in der Eingangshalle des aitehrwürdigen Gebäudes an bringen lassen, Hofrat Dr. Leo Schmaizer, der Kiassenvorstand der „Achtunddreißiger", ieitetedieSchuie von 1945 bis 1961 als ihr zehnter Direktor. Mit, uns.-; .mi:; ■^r^hrten ^ f^fvisss^iivorstöfiicl t^rn schick^alhäfiea 3^.^ im uijBRl^bar folgenden,^ Z.Wellki^^ hat^n 6 Mü|chüier ihr ; müss4m% WALTife-'iAAlNGER : AHELMUTA RllDOIF LEITNER |:"L KARL-'RAMNI ^■f. E^EN' ffOSSl _';^C0j5,.-RllBER Mö^^'di'eMT 0%den ktafel dazu künftigem ■ ^ ' ' ^nerationeii äh|ilich«k.|^ - scKwj^res'^eid zu ersp^enF« ' , .^r^Malul'^ahrgang §teyL ,am 2. Juli 1988 im Gedenkjahr 1988 sind das Jahr 1938, seine Vorge schichte, die Umstände und die Folgen umfassend ab gehandelt worden. Dabei wurde auch einbekannt, daß es der 1. Republik an einer Staatsidee mangelte und daß viele Landsieute das Aufgehen Österreichs im Deutschen Reich als Verwirklichung einer JahrhundertIdee begrüßten. Weder die Schule noch die Politik der Zwischenkriegszeit waren darauf angelegt, das de mokratische Bekenntnis der Menschen zu stärken und ihnen die furchtbaren Auswirkungen von Rassenwahn und Führerkuit bewußt zu machen. Wir haben daraus gelernt, daß die Schule durch Auf klärung und durch Erziehung zu Mündigkeit, Toleranz und Humanität der natürlichen Anfälligkeit der Men schen, Feindbilder aufzubauen und starken Männern blind zu vertrauen, entgegenwirken muß. Ebenso ge hört es zu den Aufgaben der Schule, daß das Bekennt nis zu Österreich, welches die 2. Republik gegenüber der „ersten" auszeichnet, durch die Bereitschaft, dieses Land und die Freiheit seiner Bürger notfalls auch zu ver teidigen, abgesichert wird. Und schließlich ist darauf zu achten, daß die kritische Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit gepaart ist mit der Achtung für jene Generation, die am meisten darunter gelitten hat. Dieter Griiimayer
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