100 Jahre Höhere Technische Bundeslehranstalt

nik im Institut für Strahlenschutz in Seibersdorf angestellten Untersuchungen klären. Bedeutung würde diese Filtereigenschaft u. a. gewinnen im Hinblick auf die Möglichkeit, mit ein und demselben Filter sowohl einen Schutzraum als auch Wohn- und Aufenthaltsräume mit unverseuchter Luft zu versorgen. In engen, von Autos stark frequentierten Straßen enthält bekanntlich die Luft u. a. einen hohen Anteil an Kohlenmonoxyd, im besonderen aber die Abluft aus Großgaragen etc. Die Einsatzmöglichkeit der gegenständlichen Filtertype für solche Zwecke zu ermitteln ist Zweck der seit kurzem angelaufenen quantitativen Laborversuche mit Kohlenmonoxyd. Abb. 4 100 Zu erwähnen sind auch die in Zusammenarbeit mit der LandwirtschaftlichChemischen Bundesversuchsanstalt Linz zu Anfang der vorjährigen Vegetationsperiode begonnenen Untersuchungen hinsichtlich Verwertbarkeit verschiedener mit Schadstoffen beladener Biosubstrate. Im besonderen sollen in einer mehrjährigen vergleichenden Versuchsreihe eventuelle Auswirkungen von mit Schwefeldioxyd gesättigtem Biomull auf Chemismus und Struktur des Bodens sowie auf das Pflanzenwachstum ermittelt werden. ASPEKTE BEZÜGLICH ABFALLWIEDERVERWERTUNG Es bedarf keines besonderen Hinweises, daß Luftverschmutzung und Abfallbeseitigung einerseits und Steigerung der Ertragsfähigkeit unserer Böden andererseits zu den vordringlichsten Problemen zählen. In dem gegenständlichen Verfahren ist in weitgehendem Maß die Möglichkeit einer Kopplung dieser Faktoren gegeben, wie in folgendem kurz aufgezeigt. Wie bereits erwähnt, erweist sich u. a. Stadtmüll-Kompost (Biomull) als sehr wirksames Absorptionsmittel auch für Schwefeldioxyd, das vor allem einen hohen Anteil in Abgasen aus kalorischen Anlagen, Müllverbrennungseinrichtungen usw. bildet und allein in unserem lande die Luf1 mit einer Menge von über 260.000 t jährlich belastet. Für dessen Entfernung aus Abgasen existiert eine Reihe von Verfahren, die teils vhm. kostspielig sind, teils ihrerseits Rückstandprobleme mit sich bringen. Bei dem gegenständlichen Verfahren liegen die Verhältnisse wesentlich günstiger, weil als Filtermedium humifizierter Müll, also Abfall verwendet wird, der seinerseits keine Abfallprobleme schafft; er kann vielmehr als bodenverbesserndes und z. T. düngerwirksames Mittel im Land-, Garten- und Obstbau verwendet werden. Dieses mit SO, gesättigte Material weist (chemisch gesehen) einen saueren Charakter auf, der aber durch Zusatz von Ammoniak, Kalk, Gips usw. leicht neutralisiert werden kann. Es wurde gefunden, daß sich hiefür auch die bejm LD-Prozeß in Stahlwerken anfallende basische Schlacke gut eignet. Demnach muß es als sinnvoll erscheinen, in Industrie-Ballungsräumen, wo in erhöhtem Ausmaß Müll wie auch Schadgoce onfollcn, Müllkompostierungsanlagen einzurichten und den so gewonnenen Kompost zur Abscheidung dieser Schadgase zu verwenden. Auf diese Art sind zugleich mehrere Vorteile geboten: Modifizierter fester Abfall (Kompost) wird dazu verwendet, gasförmige Abfälle (Schwefeldioxyd etc.) zu binden und findet - ev. mit LDSchlacke als weiterem Abfallprodukt vermischt - nachher als dem Boden zugeführter Stoff noch nützliche Verwendung (recycling). Figur 7 veranschaulicht schematisch einen allgemeinen Stoff-Fluß mit Berücksichtigung dieser Abfall-Rückführung. Die Entwicklung dieses durch In- uno Aw,l,mrlpr1tentc geschiilzlcn Verfahrens wird durch Zuwendung von Mitteln aus dem Forschungsförderungsfond der Gewerblichen Wirtschaft unterstützt. Hiefür, sowie für die seinerzeitige Starthilfe durch die 00. Landesregierung sei an dieser Stelle besonders gedankt. Hermann Hubmer ELEKTROHEIZUNG - AUSWEG AUS DER ENERGIEKRISE? Der vierte arabisch-israelische Krieg im Oktober 1973 war bekanntlich nur der unmittelbare Anlaß der sogenannten Energiekrise. Die wirkliche Ursache für die Verknappung - und natürlich auch Verteuerung - der „Ware" Energie liegt darin, daß schon während einiger Jahre die Nachfrage (vor allem in den Industriestaaten) stärker zugenommen hat, als das Angebot. Jede Ware, die knapp ist, steigt im Preis. Gegen dieses wirtschaftliche Grundgesetz kann mit politischen Mitteln (behördliche Preisfestsetzung) nur sehr wenig ausgerichtet werden. Zum Beispiel waren im zweiten Weltkrieg in Osterreich wie vieles andere auch die Lebensmittel knapp. Trotzdem wurden die offiziellen Preise nicht erhöht; Ergebnis: der „schwarze Markt". Im Schwarz- oder Schleichhandel konnte man die Dinge, die auf dem offiziellen Markt fast nicht oder überhaupt nicht zu haben waren, sehr wohl kaufen - der Preis aber, den man zahlen mußte, lag meist über dem Zehnfachen des staatlich festgesetzten. Auch im heutigen Osterreich stiegen die Preise für Kohle, Koks und Heizöl schon in den letzten Jahren stärker als der amtliche Preisindex. Das im Gefolge der Oktoberereignisse des Jahres 1973 einsetzende stürmische Steigen der Weltmarktrohölpreise - sicherlich nicht allein durch die Restriktionsmaßnahmen der arabischen Olförderländer bedingt - war also nur die logische rortsetLung einer Entwicklung, die schon einige Zeit vorher begonnen hatte. Die Industriestaaten decken schon seit geraumer Zeit einen immer größeren Teil ihres Energiebedarfes mit flüssigen Brennstoffen, d. h. mit Erdöl. (In Osterreich betrug im Jahre 1972 der gesamte Energieverbrauch etwas über 30 Mill. to Steinkohleeinheiten. Etwa die Hälfte dieser Energie wurde aus Erdöl gewonnen, das zum größten Teil importiert werden muß). Die mit dieser Entwicklung verbundene, ständig steigende Nachfrage nach Erdöl hat in Verbindung mit den wachsenden Förderkosten - zum Teil erbohrt man heute das Erdöl mit sehr teuren Einrichtungen auf dem Meeresgrund, z. B. in der Nordsee - steigende Rohölpreise und natürlich auch höhere Preise für die daraus erzeugten Produkte, besonders für Benzin und Heizöl zur Folge. Vor allem das Heizöl wurde innerhalb weniger Monate um rund 100 0/o teurer. Leider kann man nicht erwarten, daß die Aufwärtsentwicklung der Energiepreise nach diesem Sprung zum Stillstand kommen wird. Im Gegenteil, es ist fast als sicher anzunehmen, daß - wie immer auch die Preisentwicklung der nächsten zehn Jahre sein wird - die Energiepreise stärker steigen werden als der aus einem gewissen Durchschnitt errechnete amtliche Preisindex. Die elektrische Energie wird hier keine Ausnahme machen können, obwohl Osterreich auf diesem Gebiet derzeit weitgehend autark, d. h. von Importen und damit von den Preisbewegungen auf dem Weltmarkt unabhängig ist. Der elektrische Strom wird teurer werden, weil auch seine Erzeugungskosten, z. B. die Baukosten der neuen Kraftwerke, ständig anwachsen. Es ist jedoch möglich, daß der Preis des elektrischen Stromes weniger stark steigen wird, als die Preise der importierten Brennstoffe, weil man einen wesentlichen Teil der Stromerzeugungskosten, nämlich die Baukosten für die neu zu bauenden Kraftwerke, in seinem Ansteigen ganz einfach, aber durchaus nicht unwesent~ lieh bremsen kann, indem man immer größere Kraftwerke baut. Eine elektrische Maschine, z. B. ein Transformator mit zehnfacher Leistung, kostet nicht zehnmal so viel wie eine solche mit einfacher Leistung, sondern nur ca. 5,6 mal so viel. (Allgemein: der Preis steigt nicht linear mit der Leistung, sondern mit der Potenz 0,75; 10 0,75 = 5,62). Durch den Bau von Kraftwerken mit größerer Leistung kann man also theoretisch die Preise je Leistungs- bzw. Arbeitseinheit, also je kW Kraftwerksleistung bzw. je erzeugter kWh nicht unbeträchtlich senken, praktisch kann man wenigstens den Anstieg der Kraftwerksbaukosten einigermaßen abbremsen. Fulgeri(;htig wird das erste österreichische Kernkraftwerk im Tullner Feld, das leider erst im Jahr 1976 in Betrieb gehen kann, ein Großkraftwerk mit einer Leistung von 730.000 kW sein und allein fast 20 0/o des derzeitigen österreichischen Stromverbrauches decken können. Unser zweites Kernkraftwerk, das sich derzeit in Planung befindet, soll etwa 1,3 Mill. kW Leistung erbringen und ca. 'h der heute verbrauchten elektrischen Energie liefern können. Diese Wärmekraftwerke und die noch zu bauenden Wasserkraftwerke (z. B. Donaukraftwerke) werden es ermöglichen, daß der Stromverbrauch der Osterreicher auch im nächsten Jahrzehnt so wie bisher um 100 0/o steigen kann. Dabei wird voraussichtlich mehr als heute die elektrische Energie auch zum Heizen verwendet werden können, sodaß die elektrische Raumheizung eine zunehmende Bedeutung erhalten wird. Der Ersatz anderer Energieträger, die heute zur Raumheizung verwendet wer101

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