Amtsblatt 1888/11 der Bezirkshauptmannschaft Steyr vom 20. April 1888

2 gelockt, wodurch seiner Heimatsgemeinde erhebliche Unkosten verursacht wurden. Da Alexander Hirt ein arbeitsscheues Individuum ist, so werden die Gemeinde - Vorstehungen zu Folge des hohen Erlasses der k. k. o. ö. Statthalterei vom 26. März l. I. Z. 3133/11 zur eigenen Darnachachtung und zur ent ­ sprechenden ausdrücklichen Verständigung der Spitalsver ­ waltungen auf das bezeichnete Individuum mit der Weisung aufmerksam gemacht, dem Genannten, außer im Falle erwiesener Nothwendigkeit, keinerlei Unterstützungen zu erfolgen. Alexander Hirt ist von großer, schlanker Statur, hat ein ovales, mageres Gesicht, röthlich blonde Haare, blaue Augen und keine besonderen Kennzeichen; Nase und Mund sind proportionirt. Steyr, am 9. April 1888. Z. 3969. Rn sämmllilke Oememlle-AorjickMgen. Der zur Gemeinde Eberweis im politischen Bezirke Waidhofen a. d. Thaya, Niederösterreich, heimatszuständige Vagant Mathias Böhm, ein kräftiger, arbeitsfähiger, circa 50 Jahre alter Mann, von mittlerer Statur, vollem Gesichte, grauen Augen, blonden Haaren, Barte und Augen ­ brauen, sowie spitziger Nase, treibt sich unter dem Vorwande, Arbeit zu suchen, meist in Oberösterreich und einigen Bezirken Niederösterreich's landstreichend umher und verursacht dabei durch seine oftmaligen Abschiebungen, wobei er fast jedesmal von der betreffenden Schubstation neu gekleidet wird, sowie durch Ansuchen um Reisevorschüffe der Heimatsgemeinde jährlich bedeutende Auslagen. Zufolge des h. Erlasses der k. k. o. ö. Statthalterei vom 26. März l. I. Z. 3170/11 werden die Gemeinde- Vorstehungen zur eigenen Darnachachtung und zur Ver ­ ständigung der Spitals- und Krankenhaus-Verwaltungen aus das Vorkommen dieses Individuums mit der Weisung aufmerksam gemacht, dasselbe nicht vor ärztlich sicher gestellter Spitalsbedürftigkeit in die Krankenpflege aufzunehmen, dem ­ selben auch ohne nachgewiesener Nothwendigkeit keine Geld- Unterstützungen zu gewähren, vielmehr gegen dasselbe im Falle der Arbeits- und Ausweislosigkeit jedesmal die straf- gerichtliche oder schubpolizeiliche Amtshandlung zu veranlassen. Steyr, am 9. April 1888. Z. 4089. Rn sämnMlke Gememäe - VoiHcklmgen Mit an lüe tioäm. Pfarrämter. Mit dem h. Erlasse der k. k. o. ö. Statthalterei vom 27. v. M. Z. 3534/IV wurde die Ausforschung des Stellungspflichiigen Carl Obermüller angeordnet. Der Genannte ist am 26. October 1867 in Linz, Bethlehemstraße Nr. 392, geboren, nach Kirchberg, Bezirk Rohrbach, zuständig, der Sohn des Norbert Obermüller, gewesenen Magazin-Aussehers der Westbahn, und der Maria, gebornen Kaiser. Die bisher von Seite der k. k. Bezirkshauptmannschast Rohrbach nach Carl Obermüller gepflogenen Nachforschungen ! haben zu keinem Resultate geführt, indem die Eltern des ! Genannten bereits längst gestorben sind, und auch dessen älterer Bruder Norbert, Frequentant-Zugsführer beim k. k. Landwehr-Schützen-Bataillon Nr. 6, gar keine Auskünfte geben konnte, als daß er gehört habe, sein Bruder Carl sei bald nach der Geburt gestorben. Auch die von Seite der k. k. Bezirkshauptmannschast und der Stadtgemeinde - Vorstehung Linz diesbezüglich gepflogenen Erhebungen haben keinen weiteren Anhalts- punkl ergeben. Ueber ein positives Resultat dieser Nachforschung wäre bis 20. Mai l. I. anher zu berichten. Die hockw. Pfarrämter wollen insbesondere erheben, ob nicht der Genannte in den Sterbebüchern aufscheint. Steyr, am 10. April 1888. Z. 4235. Nn sämmMe Oemkmäe - VorstckMgm k. k. GMarmerie-Postm-Commanllm. Am 2. April 1888 wurde in Grein beim Ausfluß des Greinerbaches von der Donau eine männliche Leiche angeschwemmt. Dieselbe gehörte, nach der Kleidung zu schließen, einem den besseren Ständen ungehörigen circa 50 — 60 Jahre alten Manne an. Die Bekleidung bestand aus Hose und Weste von gleichem ounklen Stoff mit weißlichem Muster, die Weste hatte weißes Futter und braune Knöpfe; der Rock fehlte. Das Creton-Hemd war weiß, die Aermel geschlossen mit angenähten weißen kleinen Porzellanknöpfen, der Hemd ­ kragen angeknöpft, mit zwei Stampiglien-Abdrücken u. zw. : „Schiller Nr. 38" und „Anna Wagner, Innsbruck" ; die Unterhose von weißem Tricot. Die Fußbekleidung besteht aus Kalbleder-Halbstiefeln, die Absätze mit Stiften genagelt, weiters aus vier Stück Weißen Socken, wovon einer mit R. G. roth gemärkt ist. Die Hosenträger sind aus elastischem Stoff mit Metallschnalen. Die Halsbinde ist aus schwarzer Seide mit kleinen braunen Streifen. Ferner fand sich ein Sockenband mit Schnalle aus Gummistoff, sowie ein um die Hüften geschlungenes, an den Enden mit weißen Bändern versehenes breites rothes Tuch (Bauchtuch) vor. Im Hemde waren zwei Brustknöpfe, sowie ein Kragenknopf eingeknöpfelt. Erstere bilden Rosetten aus in sechs kleinen Bergkrystallen in Silber gefaßt, die Knopfplatten vergoldet. Letzterer ist aus Gold mit einfachem rundem Knopfe. In der Westen­ tasche befindet sich ein metallener (vernickelt) Zündholzbehälter mit der vertieften Inschrift: „Joh. Cafsel in Wien", wahr ­ scheinlich der Firma des Erzeugers. Der Körper der Leiche ist mittelgroß, 1'60 Meter lang, hochgradig in Verwesung, Haare : braun, Schnur- und Vollbart: grau, Zähne: schadhaft, besondere Merkmale oder Spuren von Gewaltthätigkeit keine. Nach dem Aussehen der Leiche, welche schon im hohen Grade in Verwesung übergegangen ist, und der Kleidung, welche, ebenfalls verfault, nur in Fragmenten vorhanden ist, zu schließen, dürfte selbe den Winter über eingefroren gewesen, und erst durch das Hoch- wasser gehoben und weitergetragen worden sein. Die Leiche wurde im Friedhofe zu Grein bestattet. Zufolge Requisition der k. k. Bezirkshauptmannschast Perg vom 9. d. M. Z. 3356 sind die geeigneten Nach ­

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